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Ronsdorf: Starkregen: "Jeder sollte vorsorgen"

Ronsdorf : Starkregen: "Jeder sollte vorsorgen"

Wuppertals führender Wasseringenieur Reinhard Beck, der seit 35 Jahren im "Wassergeschäft" ist, erzählte Mitgliedern und Besuchern der Bezirksvertretung Ronsdorf von seiner Fahrt am legendären 29. Mai vom Wupperverband auf die Südhöhen, als ihm und anderen Autofahrern auf der Oberen Lichtenplatzer Straße ungeahnte Wassermengen entgegenkamen.

Kanaldeckel lösten sich aus der Verankerung und Fontänen schossen aus den Schächten. Auf Lichtscheid dagegen war vom Starkregen nicht mehr viel zu spüren.

Wie sehr Ronsdorf vom Starkregen bedroht ist, haben einige Anwohner in den vergangenen Jahren bemerkt. Doch andere Hausbesitzer ignorieren alle Warnungen und verzichten immer noch auf Rückstausicherungen — neun von zehn Kellern laufen aus diesem Grund voll. Über so viel Sorglosigkeit kann Ingenieur Reinhard Beck nur den Kopf schütteln. Die Erhöhung von Lichtschachtoberkanten, wasserdichte Fenster und gezielte Wasserableitungen auf Grundstücken sind einige Möglichkeiten, sich vor Oberflächenwasser zu schützen.

Reinhard Beck erinnert daran, dass Immobilienbesitzer meist auf enormen Schäden, vor allem finanziell, sitzen bleiben: "Elementarversicherungen sind selten und die Kommunen ersetzen in der Regel Schäden nicht."

Bei Ronsdorfer Starkregen strömt das Wasser von allen Hängen in die "Mulde" und kann nur durch den teilweise offengelegten, renaturierten Leyerbach und den vor Jahren erneuerten Kanal nach Süden Richtung Remscheid abgeleitet werden. Die gewaltigen Wassermassen suchen sich ihren Weg über Straßen und alte Gewässertrassen talwärts. Die Erneuerung der Kanalisation hat dazu geführt, dass es bei stärkerem Regen heute zu deutlich weniger Überflutungen als in der Vergangenheit kommt.

Das Ereignis vom 29. Mai mit Hagel und Sturmböen hätte aber nicht ansatzweise in die Kanalisation gepasst. Es hätte den heute harmlosen Leyerbach innerhalb von Minuten in einen Sturzbach verwandelt. Ingenieur Beck möchte damit keine Panik verbreiten, sondern ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es Regenereignisse gibt, die unsere Vorstellungskraft übersteigen. "Jeder sollte eigene Vorsorge treffen und sich von den Stadtwerken in Sachen hydraulischer Analyse beraten lassen", so Beck.

Beck ist davon überzeugt, dass solche Unwetter wie am 29. Mai nicht alle 5.000 Jahre vorkommen, denn in Solingen gab es statt einmal in 100 Jahren, wie statistisch vorgesehen, bereits vier solcher Ereignisse in den letzten fünf Jahren. Er warnt: "Gebäudeeigentümer sollten sich um geeignete Schutzmaßnahmen kümmern, um größere Schäden zu vermeiden. Auch Architekten, Dachdecker, Tief- und Straßenbauer, Stadtverwalter und Politiker stehen vor größeren Herausforderungen."

Zum Klimawandel erläutert der Ronsdorfer Fachmann: "Wir dürfen aus unseren Städten nicht das ganze Wasser ableiten, denn Wasser kühlt Häuserschluchten. Deshalb ist ein nachhaltiger Umgang mit dem Regenwasser für das Stadtklima von großer Bedeutung. Gründächer sollten nicht die Ausnahme, sondern die Regel sein. Sie leisten einen wertvollen Beitrag zur Abflussminderung, zur Reduzierung von Hitze und Feinstaub.

Dazu Bezirksvertreter Jürgen Köster von den Linken: "Flächenversiegelung ist keine Sünden der Vergangenheit, sie wird noch immer fortgesetzt."