Kritik an den bisherigen Plänen „Haus und Grund“: Lieber Wohnungen in das Kaufhof-Gebäude

Wuppertal · Die Immobilien-Eigentümer-Schutzgemeinschaft „Haus und Grund Wuppertal und Umgebung“ sieht die Pläne für den Erwerb des Elberfelder Kaufhof-Gebäudes kritisch. Der Verein will dort lieber Wohnungen.

EIn Teil der Fassade.

Foto: Christoph Petersen

„Der Stadtrat will Einfluss nehmen auf das, was künftig mit der prominenten Immobilie geschieht. Das kann man so sehen, auch wenn derselbe Stadtrat mit der Gründung einer Stadtentwicklungsgesellschaft an anderer Stelle denselben Einfluss abgeben will“, so der Vereinsvorsitzende Hermann Josef Richter. „Wenn aber teure Umbauphantasien vorgestellt werden und man hört, dass für die Umsetzung mehr als 150 Millionen Euro fällig würden, dann muss es bessere Vorschläge geben.“

Der Plan mit dem Einzug der Zentralbibliothek, neuen Einzelhandelsläden und Gastro-Betrieben umgeben werde als „große Vision“ angekündigt. „Genau da sind aber erhebliche Zweifel angebracht. Die Hoffnung auf neue Geschäfte und Gaststätten in dieser Zeit ist eher verwegen als realistisch. Wir alle in Wuppertal ärgern uns über leer stehende Läden, wo vormals gut funktionierende Einzelhandelsgeschäfte oder Gastronomie existiert haben. Wie so eine Entwicklung abläuft, macht die Rathaus Galerie in Elberfeld bis auf den heutigen Tag erschreckend deutlich. Von Einzelhandel ist dort nichts mehr zu sehen“, meint Richter.

Die Zeit erlaube keine Träumereien: „Auch keine Fahrradwege im Erdgeschoss und raumgreifende Treppenanlagen, wie die Entwerfer das schon kunstvoll vorgestellt haben. Das sind Träume, die zum Desaster werden. Also muss gefragt werden, ob es andere und vor allem machbare Nutzungsideen für die Kaufhofimmobilie gibt.“

Richter kann sich stattdessen „gut vorstellen, „dass diese Immobilie zur Linderung der Wohnungsnot in unserer Stadt beitragen kann. Es ist zu prüfen, ob das ganze Gebäude zu Wohnzwecken umgenutzt werden kann. Viele moderne Wohnungen könnten dort entstehen. Wenn ein Investor den Umbau vertraglich zusichert, kann ihm die Stadt das Gebäude verkaufen. Die Stadt hätte eine Kostenstelle und ein Risiko weniger.“

Und weiter: „Ungenutzte Grundstücke und Gebäude haben wir schon genug. Die neuen Wohnungen müssten barrierefrei sein und würden so auch für Alleinstehende und Senioren interessant, die selbstbestimmt leben möchten. Gerade solche Menschen bevorzugen Innenstadtlagen zum Wohnen. Dort können alle Versorgungs- und Mobilitätsansprüche erfüllt werden. Selbst für Autofahrende wäre das Vorhaben ideal. Denn oben auf dem Gebäude sind so viele Stellplätze, dass jede Wohnung einen Stellplatz hätte. Wo gibt's das sonst mitten in der Stadt? Die Wohnungen sowie die Autos könnten durch Aufzüge bequem erreicht werden. Für die Zentralbibliothek fände sich ein anderer, vielleicht sogar besserer Platz in Wuppertal.“

Dies sei „alles in allem eine Perspektive für bessere Wohn- und Lebensbedingungen in unserer Stadt statt unrealistischer Wunschträume".