Pläne für Commerzbank am Neumarkt „Menschen vermissen Grün in der Stadt“

Wuppertal · Robert Düssel und Ulrich Volmer bauen für eine siebenstellige Summe den in die Jahre gekommenen Commerzbank-Komplex am Neumarkt um. Die dabei vorgesehene begrünte Fassade (die Rundschau berichtete) hat in der Leserschaft für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Wir sprachen darüber mit Planer Martin Belz, der dem Umbau-Projekt als Experte zur Seite steht.

Martin Belz (63) ist Ur-Wuppertaler, arbeitete nach seiner Ausbildung 43 Jahre für die Landschaftsgärtnerei Leonhards und war dort zuletzt Prokurist. Begrünte Fassaden realisierte er bereits in Stuttgart (Calwer Passage), Köln (Hotel Capitol) oder Düsseldorf (Kö Bogen II).

Martin Belz (63) ist Ur-Wuppertaler, arbeitete nach seiner Ausbildung 43 Jahre für die Landschaftsgärtnerei Leonhards und war dort zuletzt Prokurist. Begrünte Fassaden realisierte er bereits in Stuttgart (Calwer Passage), Köln (Hotel Capitol) oder Düsseldorf (Kö Bogen II).

Foto: Martin Belz

Rundschau: Begrünte Fassaden sind ja eigentlich nichts Neues. Wieso, glauben Sie, gab es jetzt trotzdem so viele Reaktionen?

Belz: „Die Menschen vermissen Grün in der Innenstadt, gerade an diesem Standort. Der Wall war ja mal fast eine Allee, davon ist nichts geblieben. Die Leute haben mit Blick auf die Waschbetonfassade der Bank einfach Sehnsucht nach etwas Bepflanzung, freuen sich auf das, was kommt. Das zeigt ja auch, dass der Großteil der Kommentare positiv ist. “

Rundschau: Wie lange sind Sie bei dem Projekt schon mit an Bord?

Belz: „Etwa ein halbes Jahr. Die Investoren machen es auch richtig. Sie sagen nicht am Ende der Planung: „Wir möchten jetzt ein bisschen Grün“, sondern gehen das direkt am Anfang an. Denn die großflächige Begrünung ist Teil der Architektur. Der Beton des Gebäudes ist von der Substanz her hervorragend, keine Frage. Das gilt aber nicht für die Optik und die ökologischen Aspekte.“

Commerzbank-Gebäude: „Menschen vermissen Grün in der Stadt“​
Foto: Martin Belz

Rundschau: Es soll am Ende also nicht nur schöner aussehen?

Belz: „Nein. Aktuell ist es so, dass sich das Gebäude durch die Sonneneinstrahlung aufheizt. Die Hitze geht dann nicht nur nach innen, was zum Beispiel die Klimaanlagen fordert, sondern sie strahlt auch wieder ab. Eine begrünte Fassade tut das nicht. So ein Projekt ist also nicht nur zum Angucken, sondern auch für unser Klima wichtig, vor allem durch den Kühleffekt.“

Rundschau: Das klingt ja alles gut, aber wo gibt es Haken beziehungsweise Hindernisse?

Belz: „Die Bewässerung ist ein Punkt, den es zu beachten gilt. Die Verfügbarkeit von Wasser ist der begrenzende Faktor. In der Natur verdunstet eine Pflanze Wasser, so entsteht Klima. In einer Stadt mit viel Beton passiert das nicht. Wir müssen nachhelfen. Mit unserem Büro suchen wir nachhaltige Lösungen für Bewässerungsanlagen an begrünten Fassaden. Das wollen wir auch für die Commerzbank und sind da aktuell in der Planung. Bei einem Projekt in Stuttgart haben wir zum Beispiel mit einer Zisterne und einem Regenwasser-Kreislauf gearbeitet. Bei allem ist auch die wirtschaftliche Langzeitwirkung wichtig.“

Rundschau: Eine bepflanzte Fassade ist ja schön und gut, aber kann man denn dann überhaupt noch das Fenster öffnen, ohne dass gleich Insektenmassen einfallen?“

Belz: „Es entsteht schon ein Kleinbiotop mit Flora und Fauna, das ist ja auch ein Ziel. Doch welches Tier, das sich da im Grünen wohlfühlt, will dann unbedingt ins Büro? Vögel nisten da, vielleicht lässt sich an der Fassade auch mal eine Spinne sehen, aber die haben sicher keine Ambitionen reinzukommen. In Stuttgart gab es vorher auch ähnliche Sorgen, unsere Erfahrungen aus jetzt zwei Jahren zeigen aber, dass die völlig unbegründet waren.“

(est)