Keine Dankbarkeit mehr nötig?

Keine Dankbarkeit mehr nötig?

Am vergangenen Sonntag feierte die evangelische Kirchengemeinde Küllenhahn das Erntedankfest. Allerdings, so scheint es Martin Fleuß, lange Jahre Presbyter in der Gemeinde, als ob "der Sinn dieses Festes sich offenbar nur noch wenigen Menschen erschließt".

Denn auch wenn dieser Küllenhahner Festgottesdienst alljährlich mit großen Vorbereitungen verbunden ist, "viele Menschen haben sich in den vergangenen Tagen aufgemacht, für andere Gutes zu tun wie etwa Gudrun Balewski, Harriet Weiss, Alexandra Haselmann", zählt Martin Fleuß nur einige wenige Helfer auf.

Aber am Ende bleiben auch an solch einem Festtag viele Plätze unbesetzt. Das enttäuscht, so Martin Fleuß, "all diese Menschen opfern einen Teil ihrer knappen Freizeit, um den Küllenhahnern etwas Gutes zu tun. Und dann kommt der Sonntag, es strahlt die Sonne vom blauen Himmel — und es findet sich gerade einmal die ,Stammgemeinde' im Gemeindehaus ein."

Pfarrerin Dr. Hartmann blickt von den Altarstufen auf eine Vielzahl von leeren Plätzen: "Als Christ und Küllenhahner, der ich zeitlebens in diesem herrlichen Ortsteil leben darf, frage ich mich da: Haben meine Mitmenschen nicht auch Grund, wenigstens einmal im Jahr Dank zu sagen? Ist es nicht angezeigt, das große Engagement, das die Gemeinde zeigt, um gemeinschaftliches Leben in Küllenhahn zu pflegen, zu würdigen? Ist es nicht absolut beschämend, dass es Familien aus fernen Ländern, die derzeit in unserem Sportzentrum leben, sind, die sich während des Gottesdienstes still und schüchtern auf freie Plätze setzen, um nach dem Schlusslied vor dem Altar kniend Gott dafür zu danken, dass er sie auf ihrer Reise beschützt hat?"

Diese Demut und Dankbarkeit vermisst Martin Fleuß andernorts: "Was ist mit uns? Ist es nicht auch und gerade an uns, Dank zu sagen für all das, was uns Gott beschert? Es wäre schön, wenn sich der eine oder andere diese Worte zu Herzen nähme."

Mehr von Wuppertaler Rundschau