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Helios und Fußball-Regionalligist WSV werben für die Erste Hilfe

Thema beim Spiel gegen Aachen : Helios und WSV werben für die Erste Hilfe

Das Helios Universitätsklinikum Wuppertal (HUKW) hat dem Fußball-Regionalligisten Wuppertaler SV einen mobilen Defibrillator geschenkt. Sinn und Zweck der Aktion werden am Samstag (13. November 2021) beim Heimspiel gegen Alemannia Aachen (14 Uhr, Stadion am Zoo) vorgestellt.

In Deutschland erleiden mehr als 200.000 Menschen im Jahr einen Herzinfarkt. Auch beim Sport kommt es immer wieder zu kardiologischen Notfällen. In einer solchen Situation ist eine schnelle Hilfe das A und O.

„Es ist aber nicht nur wichtig, dass es möglichst viele sogenannte AEDs, also halbautomatische Defibrillatoren, im öffentlichen Raum gibt. Darüber hinaus müssen möglichst viele Menschen wissen, wie diese Geräte benutzt werden. Deshalb werden wir beim WSV auch noch eine Schulung mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Mannschaft durchführen lassen", erklärt Klinikgeschäftsführer Dr. Holger Raphael. Prof. Dr. med. Melchior Seyfarth, Direktor der Medizinischen Klinik 3 (Kardiologie): „Erste Hilfe rettet Leben!“

Die Verbundenheit zwischen dem WSV und dem HUKW kommt nicht von ungefähr: Vor fast zehn Jahren erlitt WSV-Vorstandsmitglied Peter Neururer beim Golfspielen einen Herzinfarkt. Eine schnelle und kompetente Erste Hilfe war seine Lebensrettung. „Das Thema Erste Hilfe liegt mir im wahrsten Sinne des Wortes am Herzen. Gemeinsam mit dem Helios Universitätsklinikum Wuppertal, das als Sponsor of the Day unser Heimspiel gegen Alemannia Aachen präsentiert, wollen wir Menschen motivieren, sich mit Erster Hilfe zu beschäftigen", so Neururer.

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Fast zehn Jahre ist es nun her, dass die Ärzte des Marienhospitals in Gelsenkirchen WSV-Vorstand Peter Neururer zwei Stents gesetzt haben, nachdem der damals 57-Jährige beim Golfspielen ganz plötzlich einen Herzinfarkt erlitten hatte.

Herr Neururer, Sie hatten damals keinen Herzschlag mehr, waren tot. In letzter Sekunde kam die Rettung, wie sah diese aus?

Neururer: „Zum Glück hat mein Golf-Partner Dieter Rüdig sofort erkannt, was los war, und mit der Herzdruckmassage begonnen. Aufgewacht bin ich dann erst wieder im Krankenhaus und wusste gar nicht, was los war.“

Sie wurden also klassisch wiederbelebt, wie man das aus Filmen kennt?

Neururer: „Genau so kann man sich das vorstellen, mein Retter war ausgebildet in Sachen Erste Hilfe. Er hat damals einfach sehr beherzt durchgeführt, was er gelernt hatte. Das hat mir das Leben gerettet.“

 Prof. Dr. med. Melchior Seyfarth, Direktor der Medizinischen Klinik 3 (Kardiologie)
Prof. Dr. med. Melchior Seyfarth, Direktor der Medizinischen Klinik 3 (Kardiologie) Foto: Helios/Michael Mutzberg

Prof. Seyfahrth, Sie sind Direktor der Kardiologie am Helios Herzzentrum in Wuppertal. Klären Sie uns bitte auf: Woran erkennt man als Ersthelferin bzw. Ersthelfer, dass sich gerade bei meinem Gegenüber ein Herzinfarkt ereignet?

Seyfarth: „Ganz wichtig ist zu unterscheiden, ob die Person noch einen Kreislauf hat oder nicht. Kommt es nämlich infolge des Herzinfarktes zu einem Stillstand des Kreislaufs, muss man als Ersthelfer sofort mit den lebenserhaltenden Maßnahmen beginnen. Das fassen wir unter dem Motto ,Prüfen – Rufen – Drücken‘ zusammen und meinen, dass man sich z.B. über Ansprache, Puls fühlen oder Atmung ein Bild macht, ob noch ein Kreislauf besteht oder nicht. Mit ,Rufen‘ meinen wir die Notwendigkeit, sofort professionelle Hilfe anzufordern, und mit ,Drücken‘ beschreiben wir die Basismaßnahmen, die jeder durchführen kann, nämlich die unmittelbar einsetzende Herzdruckmassage beim liegenden Patienten. Der Herzinfarkt selber zeichnet sich oft durch einen plötzlich einsetzenden Brustschmerz, eine plötzlich einsetzende Kreislaufschwäche oder Atemnot aus. Es gilt in diesem Zusammenhang, lieber einmal zu oft als zu spät professionelle Hilfe anfordern, also die 112 wählen.

Was sollte ich als Ersthelferin bzw. Ersthelfer vor Ort dann tun, um dem Patienten schnell zu helfen?

Seyfarth: „Der Ersthelfer sollte nach dem Prinzip „Prüfen – Rufen – Drücken“ handeln, wie ich es eben beschrieben habe. Darüber hinaus gibt es an vielen Stellen im öffentlichen Raum so genannte AED (halbautomatische Defibrillatoren), die bei einem Herzkreislaufstillstand z.B. aufgrund einer Rhythmusstörung unmittelbar helfen können. Hat der Betroffene noch einen Kreislauf, dann hilft zum Beispiel, den Patienten zu beruhigen, hinzulegen und das Hemd zu öffnen oder frische Luft anzubieten. Auf jeden Fall sollte jemand bei dem Patienten bleiben, bis professionelle Hilfe (112) eingetroffen ist.“

Herr Neururer, nach dem Herzinfarkt haben Sie ihr Leben geändert, zum Beispiel mit dem Rauchen aufgehört. Das Thema Erste Hilfe hat Sie seither aber nicht mehr losgelassen?

Neururer: „Ich bin dem Tod damals von der Schüppe gesprungen. Beim Spiel des Handball-Bundesligisten Bergischer HC vor kurzem hatte ein Zuschauer nicht so viel Glück. Deshalb werbe ich aus Überzeugung für die Erste Hilfe. Es geht auch darum, als Helfender zu wissen: Ich habe alles getan, es lag nicht an mir in einer solchen Situation.“

Wahrscheinlich haben viele Menschen Angst, als Ersthelferin bzw. Ersthelfer etwas falsch zu machen, wenn sie einem Herzinfarkt beiwohnen. Was geben Sie diesen Menschen mit auf dem Weg, Prof. Seyfarth?

Seyfarth: „Falsch machen kann man nichts, außer man läuft weg oder ignoriert den gesunden Menschenverstand. Selbstverständlich sollte man jemandem, der mit einem redet, nicht wegen Stillstand des Kreislaufs behandeln, aber ich denke, das sagt einem schon der gesunde Menschenverstand. Je schlimmer die Situation ist, desto weniger kann man falsch machen. Und wenn wir uns alle auch nur den Satz ,Prüfen – Rufen – Drücken‘ sowie die Notfallnummer 112 merken, wäre schon viel gewonnen. Das Übrige übernehmen die professionellen Helfer, bis hin zu unserem Team im Herzzentrum Wuppertal!“

Sie beide empfehlen also allen, sich regelmäßig in Sachen Erste Hilfe fortzubilden?

Seyfarth: „Auf jeden Fall – das ist gar nicht schwer!“

Neururer: Von Kindesbeinen auf kann man mit Sachen konfrontiert werden. Von Kindesbeinen auf kann man demzufolge auch Lösungen finden. Je früher man sich bewusst macht, dass jeder Einzelne einen Beitrag leisten kann, um Menschenleben zu retten, desto besser ist es. Und dann muss man immer dranbleiben.“