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Wuppertaler Verein „Bewusst leben“: Auszeit in der Natur

Verein „Bewusst leben“ : Eine Auszeit in der Natur

Der Verein „Bewusst leben“ ist so alt wie die Stadt Wuppertal selbst und besinnt sich mit Kurs- und Beratungsangeboten auch für Nicht-Mitglieder zurück auf die Heilkräfte der Natur.

Raus aus dem Moloch der Stadt und rein in die Natur, auf den zwei Hektar großen Apfelhain an der Triebelsheide, bewachsen von 24 jungen Apfelbäumen und Wildlumen, bewohnt von ein paar Schafen, die die Wiese stutzen.

Wenn Uta Reiswig-Hesse eine Auszeit braucht, kommt sie hierher, oft mit ihren zwei Enkeln im Schlepptau. Die Wiese gehört dem Verein „Bewusst leben“, einem der ältesten Vereine Wuppertals, nämlich so alt wie die Stadt selbst. Bereits 1929 gegründet, nannte er sich damals „Biochemischer Verein“, angelehnt an die Behandlung mit Schüßler-Salzen, alternativmedizinischen Präparaten aus der Homöopathie. „Zu dieser Zeit sind ganz viele solcher Vereine entstanden“, berichtet Reiswig-Hesse. Der Wuppertaler Verein ist bis heute geblieben, nur seinen Namen hat er gegen einen moderneren eingetauscht. Eingeladen auf die Wiese an der Triebelsheide hat jedoch nicht Uta Reiswig-Hesse, sondern Simone Dahlmann-Buscher, seit 30 Jahren im Verein tätig und mittlerweile zweite Vorsitzende.

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Das Grundstück, auf dem heute neben Apfelbäumen, Bienenstöcken und Wildkräutern ein gelbes Haus mit blauen Fensterläden steht, gehörte bereits vor dem zweiten Weltkrieg dem Verein. „Im Krieg geriet es in Staatshände, irgendwann haben wir es dann zurückbekommen.“ Obwohl es Dienstagvormittag ist, finden sich immer mehr Vereinsmitglieder auf der wilden Wiese mit Blick auf die „kleine Höhe“ ein, grüßen und gehen anschließend jeweils eigenen Beschäftigungen nach. Sie kümmern sich um die Bienen, sammeln Kräuter, setzen sich auf einen Stuhl und recken das Gesicht in die Sonne, die Kinder schaukeln. Wer zum Verein gehört, ist im Apfelhain zu Hause.

Eine Auszeit in der Natur ist jedoch nicht alles, was „Bewusst leben“ zu bieten hat: kostenlose Gesundheitsberatung durch Simone Dahlmann-Buscher, die als Heilpraktikerin tätig ist, Kräuterspaziergänge, Yoga, Waldbaden, diverse Vorträge, Spielenachmittage, Filmabende - und das alles auch für Nicht-Mitglieder.

110 Wuppertaler zählt der gemeinnützige Verein aktuell. „Vor 30 Jahren waren es 1.000 Mitglieder“, erinnert sich Dahlmann-Buscher. Das Vereinssterben hat auch vor „Bewusst leben“ nicht Halt gemacht, allerdings trifft die Gruppe mittlerweile wieder den Nerv der Zeit. Es kommen vermehrt neue Mitglieder, die Einklang mit der Natur suchen. „Zum Beispiel zwei Familien, die in Elberfeld auf dem Ölberg wohnen, ganz ohne Gartenzugang“, erzählt die zweite Vorsitzende. Besonders während des Corona-Lockdowns war die Wiese an der Triebelsheide willkommener Zufluchtsort. Langsam nimmt der Verein sein wegen der ausgesetztes Programm wieder auf.

Vor kurzem fand die erste gemeinsame Kräutersammlung statt, für die die Teilnehmer nicht einmal die Wiese verlassen müssen. Auf dem Apfelhain findet sich roter Klee für die Wechseljahre, Johanniskraut und Baldrian für die Nerven, Fingerhut fürs Herz und Calendula, die man als Salbe kennt. „Die Natur gibt uns eigentlich genug“, schließt Dahlmann-Buscher den Besuch im Apfelhain. .