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Wuppertaler Pfadfinder: „Die Sehnsucht ist da“

Jugendliche trotzen Corona : Pfadfinder: „Die Sehnsucht ist da“

Pfadfinder treffen sich draußen, unter freiem Himmel, in der Natur. Normalerweise. Aber was ist im Moment schon normal? Die Pfadfinder der katholischen Gemeinde Sankt Konrad haben deshalb das „draußen“ gestrichen. Aber sie treffen sich. Und haben so das Wichtigste erhalten – ihre Gemeinschaft.

Dienstagabend ist in den Küchen der Familien oft was los. Pizza, Kuchen, Plätzchen, Waffeln. Gemeinsam zu backen und zu kochen funktioniert online ziemlich gut. Und so erobern die Teilnehmer der Gruppentreffen die Küchen der Eltern. „Auf einmal bekommen wir auch etwas aus den Familien mit. Und das ist auch ein schöner neuer Aspekt“, sagt Gruppenleiter Jakob Schmöe, der sich Woche für Woche verschiedene Programmpunkte für die 10- bis 13-Jährigen Pfadfinder einfallen lässt.

Ja, es sind ganz schön herausfordernde Zeiten. Gerade für Kinder und Jugendliche, die Kontakt und Freundschaft so dringend brauchen, und aktuell meist in ihren Haushalten von Gleichaltrigen isoliert lernen und spielen. Sportaktivitäten? Musikunterricht? Gestrichen. Aber da machen die Pfadinder nicht mit. Denn gerade jetzt braucht es ja genau das – die Gemeinschaft, den Zusammenhalt und den gegenseitigen Austausch. Dann eben online! 25 Jugendliche treffen sich so jeden Dienstag in vier Altersgruppen, spielen, kochen, quatschen. „Für viele ist es der einzige Termin in der Woche und das Highlight, auf das sie sich freuen kann“, sagt der 21-jährige Jakob Schmöe. Auch ihm selbst tun die Treffen neben der Arbeit gut. Etwas Sinnvolles zu machen, gibt Kraft – gerade während einer Pandemie, die den Sinn oft verbirgt.

Und neben all den lustigen Aktivitäten gibt es auch die Gesetze der Pfadfinder, die es mit Leben zu füllen gilt. Zum Beispiel: Ein Pfadfinder behandelt alle Menschen mit Respekt und andere Pfadfinder sind seine Geschwister. „Und ja, es fühlt sich wie eine große Familie an.“ Und aus dieser Familie ist trotz Kontaktverbot niemand abgesprungen: „Das macht mir große Hoffnung“, sagt Jakob Schmöe. Und irgendwann gibt es ja auch wieder Normalität. Sommercamp heißt das verheißungsvolle Stichwort der Pfadfinder. Zwei Wochen lang wieder nicht nur Gemeinschaft, sondern ein richtiger Pfadfinder sein. Draußen, Lagerfeuer, Schnitzen – und ein eigenes kleines Dorf.

„Ja, die Sehnsucht ist da“, gibt Jakob Schmöe ganz offen zu. „Aber ich bin auch erstaunt, wie prima es gerade klappt. Wir kriegen das hin, ziemlich gut sogar. Alle zusammen.“