Überfälle auf Geldtransporter rund um Wuppertal

Überfälle auf Geldtransporter: Die Spur des Schreckens

Bei etlichen Überfällen auf Geldtransporter erbeuteten sieben Männer in einem Zeitraum von mehr als 20 Jahren mehr als fünf Millionen Euro. Kopf der Bande war ein Wuppertaler Bundeswehr-Angestellter, der jetzt zu einer langen Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt wurde.

Nach über 45 Verhandlungstagen wurde Montag am Landgericht Hagen das Urteil verkündet. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich die Angeklagten des gemeinschaftlichen schweren Raubes in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung und dem Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz schuldig gemacht haben.

Der 49-jährige Wuppertaler, der bis zu einer Verhaftung bei der Bundeswehr als Elektriker arbeitete, hatte sich vor der Strafkammer zu den Taten eingelassen, die unter anderem der Finanzierung seines Drogenkonsums dienen sollten. Kokain, Raubüberfälle und dann auch noch den Vollzeitjob bei der Bundeswehr? Wie das geht, hatte der Mann im Prozessverlauf so erklärt: „Das Arbeitspensum war dort nicht so hoch.“ Er soll an allen Überfällen maßgeblich beteiligt gewesen sein und wurde zu 13 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. An einigen Taten beteiligt und zu sieben Jahren und sechs Monaten verurteilt: Sein ebenfalls in Wuppertal lebender Bruder.

Begonnen hatte die Raubserie am 21. Juni 1997 in Langenfeld: Es war ein ganz normaler Samstag, Kunden schoben ihren Einkaufswagen durch den Allkauf an der Rheindorfer Straße. Derweilen rollte ein BMW auf die Hinterausfahrt des Supermarktes zu. Im Auto drei vermummte, schwer bewaffnete Männer. Danach ging alles wie im Film: Der dort abgestellte Geldtransporter wurde zugeparkt, zwei der Täter stiegen aus und feuerten aus Sturmgewehren auf die Reifen. Die Fahrer des Geldtransporters wurden mit einer Panzerfaust bedroht und aufgefordert, sich vor dem Auto auf den Boden zu legen. Mit 1,2 Millionen D-Mark brausten die Räuber davon.

Nach Verlesung der Anklageschrift im vergangenen Sommer war klar: Eigentlich hätte der erste Raub in Langenfeld zugleich der letzte sein sollen. Doch dann war das Geld schnell weg und es folgten weitere Überfälle, bei denen es auch Verletzte und psychisch schwer traumatisierte Opfer gegeben hatte.

Beliebtes Ziel der Täter: Sparkassenfilialen wie die in Wülfrath, wo 135.000 Euro erbeutet wurden. Dort passte man nach bewährtem Muster die Ankunft der Geldtransporter ab. Nachdem der Beifahrer mit dem Geldkoffer in der Hand ausgestiegen war, wurde er von den Tätern mit Kalaschnikows bedroht und dazu gezwungen, das Fahrzeug zu öffnen. Ein Taxi diente als Fluchtfahrzeug, der Wagen wurde später verbrannt. In Erkrath stoppte man die Kuriere mitten auf der Falkenstraße. Nachdem der Fahrer den Alarm ausgelöst hatte, gingen im Auto die Notfallsirene und die Lichthupe an. Die Täter gaben Warnschüsse in die Luft ab und bedrohten den Fahrer und seinen Begleiter mit dem Tode. Beide Opfer leiden noch immer unter den psychischen Folgen der Tat. Trotz massiver Bedrohungsszenarien und des Versuches, sie gewaltsam zu öffnen, blieb die Tür zum Innenraum des Transporters fest verschlossen und die Täter flohen mit nur 4.200 Euro.

Ausgerüstet waren die Täter bei allen Überfällen mit Maschinengewehren und einer Panzerfaust – dass es sich bei letzterer um eine Attrappe gehandelt haben soll, konnten die damit bedrohten Fahrer nicht wissen. Erst schossen die Täter in die Luft, teilweise auch in die Reifen, in den Motorblock, durch die Frontscheibe oder in die Seitenscheiben der Geldtransporter. Teilweise verfehlten die Geschosse die Mitarbeiter der Transportfirmen nur knapp.

Erst zwei Jahrzehnte nach dem ersten Überfall hatte es im Herbst 2017 einen Fahndungserfolg gegeben. So wurden die Angeklagten kurz vor einem weiteren geplanten Überfall durch ein Sondereinsatzkommando überwältigt und in einer Wuppertaler Garage ein Waffenlager entdeckt.

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