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Prothese vs. Implantat: Wo liegen die Unterschiede beim Zahnersatz?

Prothese vs. Implantat : Wo liegen die Unterschiede beim Zahnersatz?

Ob durch einen Unfall in jüngeren Jahren oder durch altersbedingten Zahnverlust, die Notwendigkeit von Zahnersatz kann jeden treffen. In Deutschland tragen Statistiken zufolge rund 16 Millionen Menschen künstliche Zähne.

Dazu gehören sowohl Voll- und Teilprothesen als auch Zahnimplantate. Wo liegen die Unterschiede der verschiedenen Formen des Zahnersatzes und welche Vor- und Nachteile haben die jeweiligen Optionen?

Eine herausnehmbare Vollprothese gilt bei vollständigem Zahnverlust als Standardlösung und bildet mit Kosten von 500 bis 800 Euro pro Kiefer die mit Abstand günstigste Variante des Zahnersatzes. Die Prothese trägt eine vollständige Zahnreihe aus Kunststoff, eingelassen in eine zahnfleischfarbige Kunststoffbasis, die dem Verlauf des Kiefers folgt. Im Oberkiefer deckt die Vollprothese zusätzlich den gesamten Gaumen ab, was zu beeinträchtigtem Geschmacksempfinden und Irritationen beim Sprechen führen kann. Auf der anderen Seite bietet die großflächige Gaumenabdeckung der oberen Zahnreihe einen relativ starken Halt, insbesondere dann, wenn zusätzlich eine Haftcreme genutzt wird. Die geringere Haftfläche im Unterkiefer, hier muss der Raum für die Zunge freigelassen werden, lässt den Sitz der unteren Zähne dagegen unsicherer werden. Zudem beinhalten Vollprothesen das Problem, dass sich durch den fehlenden Druck der Zähne auf den Kiefer nach und nach seine Knochensubstanz reduziert. Ein atrophierter Kiefer bietet einer Vollprothese schließlich zunehmend weniger Halt und führt zu einem eingefallenen Aussehen des Gesichts.

  1. günstige Lösung
  2. Ersatz von Funktion und Ästhetik ohne Wartezeit
  3. spätere Anpassung nach abgeschlossender Wundheilungsphase möglich
  4. ästhetisches Ergebnis manchmal unbefriedigend
  5. Risiko des Knochenabbaus
  6. Geschmacksempfinden und Artikulationsfähigkeit gestört
  7. mangelnder Halt im Unterkiefer
  8. Einschränkungen des Speiseplans

Wenn noch eigene Zähne vorhanden sind, bieten sich verschiedene Möglichkeiten an, diese zum Fixieren einer Voll- oder Teilprothese zu nutzen:

  1. Teleskopprothese: Sie stellt eine Vollprothese auf der Grundsubstanz eigener Zahnsubstanz dar. Dabei werden die verbleibenden Zähne im Kiefer als "Pfeiler" genutzt, indem sie stark beschliffen und überkront werden. Bei den zumeist spitz zulaufenden Kronen sprechen Fachleute von Konuskronen. Die Kieferprothese bietet an den Positionen der Pfeiler Aussparungen, die exakt auf die Konuskronen passen, sogenannte Doppelkronen. Mit einer Teleskopprothese ist ein stärkerer Halt gegeben als mit einer einfachen Vollprothese, allerdings müssen Träger einige ästhetische Abstriche machen: Doppelkronen fallen zumeist größer aus als natürliche Zähne und zudem liegt der Kronenrand nicht direkt am Zahnfleischsaum, was mit zahnfleischfarbenen Kunststoffverblendungen korrigiert werden muss.
  2. Klammerprothesen: Hierbei werden die Teilprothesen mit Metallklammern an den Nachbarzähnen verankert. Die Methode ist mit Kosten von 600 bis 900 Euro relativ preiswert und dient daher häufig als Übergangslösung vor dem Einsatz von Zahnimplantaten. Als Dauerlösung schließen einige entscheidende Nachteile die Klammerprothese aus: Durch sichtbare Klammern bietet sich ein ästhetisch unbefriedigendes Gesamtbild und durch die Krafteinwirkung auf die klammertragenden Zähne lockern sich diese schnell. Wer die Pfeilerzähne auf lange Sicht nicht ziehen und die Klammerprothese um den nächsten Zahn erweitern möchte, sollte sich über die Möglichkeit eines festsitzenden Zahnersatzes informieren.
  3. Geschiebeprothese: Sie bietet eine Möglichkeit einer herausnehmbaren Teilprothese, die allerdings dauerhaft getragen werden kann. Statt mit Klammern an den Nachbarzähnen ist sie mit einer Einschub-Verbindung an den Pfeilerzähnen befestigt. Dazu müssen diese zuerst abgeschliffen werden, um eine Krone mit einer rück- oder seitwärtigen Nut (Matrize) aufzusetzen. Die Prothese besitzt eine passende Patrize, die passgenau in die Matrize eingeschoben werden kann. Bei optimaler Ausarbeitung ist die Verbindungsstelle unsichtbar und belastet die Pfeilerzähne nicht in demselben Ausmaß wie eine Klammerprothese.

Eine Zahnbrücke gilt als Standardlösung zum Schließen kleinerer Lücken, bei denen ein bis drei Zähne ersetzt werden müssen. Fehlen allerdings vier oder mehr benachbarte Zähne, würde die Druckbelastung der weit auseinanderstehenden Pfeilerzähne, an denen die Brücke befestigt wird, zu stark ausfallen. Zum Einbringen der Brücke werden die der Lücke benachbarten Zähne abgeschliffen, um Zahnkronen Halt zu bieten. Die Kronen wiederum sind fest mit dem Ersatz für die fehlenden Zähne verbunden, die in Form von Brückengliedern die Lücke überspannen. Voraussetzung für das Einbringen einer Brücke ist, dass die Pfeilerzähne fest im Kiefer sitzen und keine Paradontitis aufweisen.

  1. Festsitzender Zahnersatz mit guten funktionellen und ästhetischen Ergebnissen
  2. Routinebehandlung bei Zahnlücken begrenzten Umfanges
  3. Abtragen gesunder Zahnsubstanz ist nötig
  4. Beschliffene Pfeilerzähne tragen ein höheres Risiko abzusterben
  5. Erhöhte Druckbelastung der Pfeilerzähne führt unter Umständen zu frühzeitigem Zahnverlust
  6. Risiko der Kariesentwicklung am Kronenrand
  7. Allmählicher Knochenabbau im Lückenbereich

Von Implantaten spricht man immer dann, wenn Stifte aus Titan oder Zirkonoxid zum Halt des Zahnersatzes in den Kieferknochen verankert werden, auf die anschließend feste Zahnkronen oder herausnehmbarer Zahnersatz aufgesetzt wird. Dabei können Implantate in folgenden Situationen als Basis dienen:

  1. Ersatz von Einzelzähnen (Frontzahnimplantat oder Freiendsituation des letzten Backenzahnes)
  2. Brücken auf Implantatpfeilern
  3. Hybridbrücken (eigener Zahn und Implantat bilden die Pfeiler)
  4. Als Kugelkopfanker zur Fixierung von herausnehmbaren Vollprothesen
  5. Als Basis festsitzender Vollprothesen

Die Vorteile von Zahnimplantaten bestehen in ihrer hohen Belastbarkeit und der Schonung des vorhandenen Zahnmaterials. Wird eine Zahnbrücke durch Implantatpfeiler getragen, entfällt das Abschleifen und Überkronen gesunder Zähne völlig. Zudem vermeidet man auch, dass vorhandene Zähne durch Klammerbefestigungen frühzeitig gelockert werden. Im Bereich des Implantats kommt es darüber hinaus nicht zu einem Abbau des Kieferknochenmaterials, da es die Druckbelastung eines natürlichen Zahnes im Kieferknochen imitiert.

Als Nachteil von Zahnimplantaten gelten gemeinhin ihre hohen Kosten von etwa 1.400 bis 2.200 Euro pro Zahn. Hierbei muss bedacht werden, dass zur Überbrückung von vier fehlenden Zähnen mindestens zwei Implantate nötig sind, während vier Implantate mit Kugelkopfanker einer herausnehmbaren Prothese den nötigen Halt verleihen. Für eine festsitzende Vollprothese verankert der Zahnarzt als Basis mindestens sechs Implantate im Ober- oder Unterkieferknochen.

Für wen lohnt sich welche Option?

Da gesetzlich Versicherte lediglich einen Festzuschuss zur Zahnlücke erhalten, bleibt es jedem selbst überlassen, zu entscheiden, in welche Form des Zahnersatzes er investieren möchte. Dabei ist die günstigste Lösung nicht immer die auf lange Sicht vorteilhafteste. So ist zum Schließen einer Zahnlücke eine Brücke wesentlich günstiger als ein Zahnimplantat, jedoch muss der Zahnarzt zum festen Einbringen die vorhandenen Pfeilerzähne im ihrer Substanz abtragen, um sie zu überkronen. Das birgt für die Pfeier ein erhöhtes Risiko des Absterbens, Ausfallens und des Kariesbefalls. Ersetzt man hingegen einen fehlenden Zahn durch ein Implantat, gewinnt man einen Pfeiler hinzu, der bei Bedarf zum Stützen einer benachbarten Brücke dienen kann, ohne geschädigt zu werden. Kontraindikationen für das Einsetzen von Zahnimplantaten sind dagegen Osteoporose oder andere Knochenerkrankungen, Diabetes mellitus und Rauchen. In diesen Fällen erhöht sich die Gefahr, dass das Implantat nicht richtig im Kiefer einwächst.

Obgleich Zahnimplantate gerade von Zahnärzten häufig als optimale Lösung dargestellt werden, muss der immense Kostenfaktor Berücksichtigung finden. Die Kosten für die Zahnarztbehandlung in Deutschland fallen keinesfalls überall gleich hoch aus. Es gibt hier beträchtliche Unterschiede in den jeweiligen Bundesländern, die sich in Einzelfällen sicherlich auch für Einsparungen nutzen lassen.

Für alle Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung, die im Falle des Zahnverlustes für bessere Alternativen abgesichert sein möchten, empfiehlt sich daher der Abschluss einer Zahnzusatzversicherung.

Fazit

Kosten, Funktionalität und Ästhetik: Beim Zahnersatz müssen schlussendlich alle entscheidende Faktoren miteinander im Einklang stehen. Der Schutz der vorhandenen Zahnsubstanz sollte insbesondere in jungen Jahren bei der Wahl des Zahnersatzes im Vordergrund stehen, um Folgeschäden und -investitionen zu vermeiden. Gesetzlich Versicherten eröffnet der Abschluss einer Zahnzusatzversicherung im Falle des Falles die Option, bei Bedarf zu kostenintensiveren Methoden wie Zahnimplantaten zu greifen. Auf diese Weise kann am Ende jeder den Zahnersatz nutzen, der am besten zu seinen gesundheitlichen Voraussetzungen und entsprechendeden Beürfnissen passt.