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Wuppertaler Kanalnetz: Klo darf kein Müllschlucker werden

Wuppertaler Kanalnetz : Klo darf kein Müllschlucker werden

Besprühte Kanaldeckel haben in den letzten Tagen viele Passanten stutzen lassen. Dahinter steckt eine Kampagne von Verbraucherzentrale und Institutionen, die sich ums Abwasser kümmern. In dem schwimmt nämlich viel zu viel von allem, das da nicht hinein gehört.

Mit fatalen Folgen.

Der grellgelbe Spruch "Ich sehe was, was du nicht siehst" und die Internetadresse www.kmia.de (steht für "Kein Müll ins Abwasser!") will Wuppertaler sensibilisieren. Und zwar dafür, dass sie selbst — meist aus Unkenntnis — massive Probleme in der Kanalisation verursachen.

Eine Botschaft, die ankommen soll. Foto: Wuppertaler Rundschau

Uwe Schaube (WSW), als Betriebsleiter Herr über mehr als 1.500 Kanal-Kilometer im Stadtgebiet, kennt die Klassiker: "Q-Tips, Feuchttücher und Fette bilden zusammen eine zementartige Masse, die ruckzuck einen Kanal zusetzen kann. Und fast jeder dritte Störeinsatz an den 60 Pumpstationen, die im bergigen Wuppertal das Abwasser transportieren, entsteht, weil Feuchttücher die Geräte festsetzen. Sie gehören deshalb genauso wenig ins Klo wie Essensreste. "Die sind optimal für Ratten", weiß Schaube, dessen Team die Nager wegen neuer Bestimmungen nicht mehr prophylaktisch, sondern nur noch dort bekämpfen darf, wo Befall festgestellt wird. Die Faustformel bleibt deshalb: "Jede Stadt hat so viele Ratten wie Einwohner."

Werden Q-Tips und Co. erfolgreich durch den Abwasserkanal gespült, dann setzen sich die Probleme im Klärwerk fort, wo Feststoffe nicht immer komplett abgeschieden werden können. Ähnlich viel Sorgen machen dem Wupperverband, der das Klärwerk Buchenhofen betreibt, gelöste Substanzen im Abwasser. Dazu gehören Farben, Lacke, Lösungsmittel und andere Chemikalien, die im Waschbecken entsorgt werden — genau wie immer mehr Medikamente.

"Wir sehen an unseren Messungen, dass das zunimmt", warnt Hubert Leonard Nobis, Abteilungsleiter beim städtischen Umweltschutz, vor dem achtlosen Wegspülen von Medikamenten. Denn die Wirkstoffe können im Klärwerk nicht herausgefiltert werden. "Arzneimittelrückstände landen zu 80 bis 90 Prozent in unseren Gewässern", bestätigt Martin Freund, Bereichsleiter Siedlungswasserwirtschaft beim Wupperverband.

Genauso schlimm: Mit verbotenen Chemiekeulen mal schnell vor der Haustüre das Unkraut bekämpfen oder den Wischeimer auskippen. Über das in Wuppertal vom Abwasser getrennte Oberflächenwasser-Kanalsystem gelangen die umweltschädlichen Substanzen nämlich direkt in Flüsse und Bäche. "Wer sowas versprüht, kann das auch direkt ins Gewässer kippen", macht Uwe Schaube deutlich.