Justizministerin Katarina Barley zu Besuch an der Uni Wuppertal

Justizministerin zu Besuch in Wuppertal : Barley: „Ich bin Europa auf zwei Beinen“

Die Juso-Hochschulgruppe hatte Katarina Barley zu Gast. Die Justizministerin sprach in der Uni über politische Visionen und persönliche Berufung.

Katarina Barley lehnt entspannt am Geländer hinter der Uni-Kneipe und lacht. Die Sonne blendet sie, erklärt die 50-Jährige, deshalb trage sie bei solchem schönen Wetter immer Sonnenbrille, die sie aber für ein Foto auch gerne abnimmt. „Ich werde auch nicht braun, nur rot“, sagt sie und lächelt mit zusammengekniffenen Augen. Sie unterhält sich leise mit den Studenten, wer ein Selfie möchte, bekommt eins. Wer angestrengte Gesten, bemühtes Interesse sucht, findet nichts dergleichen.

„Ich bin Europa auf zwei Beinen“, erklärt die Tochter eines englischen Journalisten und einer deutschen Ärztin ihrem Publikum in der Uni. Dann erzählt sie von ihrer Zeit als Erasmus-Studentin im Ausland, wo sie sich verliebte: „Den Mann habe ich dann mit nach Hause genommen.“ Ihre beiden Söhne haben vier Großeltern aus vier europäischen Ländern. Mehr Europa gehe nicht. Und genau deshalb sei sie bereit, ihr Amt der Justizministerin nach nur einem Jahr niederzulegen.

Wenige Worte, dann startet der Dialog mit den Studierenden. Zu den Themen Populismus, „Europa wagen“, Urheberrecht und Brexit ist jeder eingeladen, nach vorn zu kommen und „Katarina“, die zuvor in sozialdemokratischer Manier zum Du eingeladen hatte, Fragen zu stellen. Sie spricht überlegt, bedankt sich für die besonders kritischen Fragen, bittet einen Studenten sie über den Verlauf seines Politikwissenschaftsseminars via Mail auf dem Laufenden zu halten. Keine einzige Parole kommt ihr über die Lippen. Dafür aber wohlüberlegte, nachdenkliche Antworten und sehr leidenschaftliche, in keinem Moment pathetische Worte für Europa.

Katarina Barley spricht an der Uni Wuppertal. Foto: Bettina Osswald

Differenzierter Inhalt statt großer Rede, der in den Reihen der Studenten große Wirkung zu erzielen scheint. „Ich wusste nicht, dass Wuppertal so schön ist“, sagt sie. Aha, war das etwa eine kleine Wahlkampf-Schmeichelei? Wer mit der gebürtigen Kölnerin vor der Veranstaltung am Geländer stand, wird den Kopf schütteln. Denn auch das ist einfach nur die Wahrheit über einen strahlenden Frühlingstag mit Talblick.