Die Wuppertaler Mutmacher 2017: Im Kinderhospiz den Wert des Lebens finden

Die Wuppertaler Mutmacher 2017 : Im Kinderhospiz den Wert des Lebens finden

Sylvia Bukowski ist die Seelsorgerin im Kinderhospiz Burgholz. Von Beginn an begleitete sie ihr Ehemann. Gemeinsam geben und schöpfen sie aus ihrer Arbeit mit den Familien Kraft.

Der wohl schönste Moment, den Sylvia Bukowski im Kinderhospiz Burgholz erlebt hat, ereignete sich in diesem Sommer. Ein Jugendlicher, der bereits öfter mit seinen Eltern die Einrichtung an der Kaisereiche besucht hat, sollte konfirmiert werden. Nicht mit den anderen Kindern in einer Kirche in der Stadt, sondern hier, in dem grünen Haus, mitten im Wald. Das Mitarbeiterteam und die anderen Gäste bildeten die Gemeinde. Die Schwester des Jungen hängte ihm die Kette mit dem Kreuz über den Kopf, und sie, Sylvia Bukowski, sprach den Segen.

Der 19-Jährige kann nicht sprechen, dafür wunderbar mitreißend lachen. Und am Tag seiner Konfirmation weinte er vor Glück. Nach der Zeremonie feierten alle gemeinsam an einer festlichen Tafel, es war ein wunderbarer Tag. "Vielleicht bin ich hier Mutmacher", sagt die 67-Jährige, "aber diese Kinder und Familien geben mir genauso viel zurück."

Es sind Momente, wie an diesem besonderen Sommertag und darüber hinaus Dutzende kleine Situationen an jedem ganz normalen Tag, die davon erzählen, wie viel Freude und Hoffnung ausgerechnet in diesem Haus atmen, in dem Kinder leben, die nicht alt werden dürfen. Sie radieren nicht die Trauer weg, die immer wieder Teil des Alltags ist. Aber sie setzen sich ihr entgegen, Mut machend und Hoffnung schürend.

14 Ehrenamtliche unterstützen das hauptamtliche Team. "Frau Bukowski ist in unseren Reihen jemand ganz Besonderes", sagt Kerstin Wülfing als stellvertretende Leiterin. Die pensionierte Pfarrerin habe für die Familien unabhängig von jeder Konfession eine ganz besondere Bedeutung. "Sie hört ihnen auf eine ganz bestimmte Weise zu. Ihre Liebe schafft eine schöne Stimmung, die alle spüren."

Sylvia Bukowski ist von Beginn an dabei. "Angst vor diesem Amt hatte ich nie", sagt die Seelsorgerin. Trauer, Freude, Abschied — diese Momente kennt sie aus ihrem Alltag als Gemeindepfarrerin. Und doch sei die Arbeit im Hospiz eine andere. "Weil ich hier so viel über das Leben lerne." Jeden Dienstag macht sie sich auf den Weg zur Kaisereiche, um mit den Kindern und ihren Familien in Kontakt zu kommen. Und jeden Mittwoch feiert sie mit den Gästen den Abendausklang, den vor allem Musik — und damit ein weiterer für das Hospiz so wichtiger Mensch prägen. "Herr Bukowski", erzählt Kerstin Wülfing, "hat seine Frau von Anfang an begleitet." Wenn seine Frau die kleinen Gottesdienste hält, spielt er die Gitarre und singt mit die Mut machenden Lieder, die vom Wert jeden Lebens erzählen.

Zwölf Jahre leitete Peter Bukowski einen Jugendchor, nun musiziert er mit genauso viel Freude für und mit schwerkranken Kindern. "Natürlich nehmen wir die Momente aus dem Hospiz mit nach Hause", erzählt Sylvia Bukowski. "Aber es tut gut, über die Dinge zu sprechen, die uns sehr bewegt, aber auch viel Freude gemacht haben." Als große Bereicherung, sagt ihr Mann, empfinde er die Tage im Burgholz. "Ich habe durch das Hospiz solch eine Ehrfurcht bekommen. Ehrfurcht vor den Familien, dem Leben, aber auch dem Team, das sie so wunderbar begleitet."

Auch Peter Bukowski hat einen Lieblingsmoment. Einmal, als er gerade wieder Gitarre spielte, griff ein schwerbehindertes Kind eine Rassel, benutzte sie als Schlagzeug und schlug perfekt im Takt. "Toll, dachte ich da. Was für ein Talent. Wir sind wie eine richtige Band."

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