Im Keller saß ein Schuhmacher

Nach dem Rundschau-Bericht ist das Geheimnis nun gelüftet: Unter dem Hofkamp wurde in den 30er und 40er Jahren gearbeitet — und es gab Fluchtwege für den Fall von Bomben-Einschlägen.

 Heute noch erhalten ist die Eingangstür, die damals in das Kellergewölbe des Hauses führte, in dem der Schuhmacher Helmut Dillbohner lebte und arbeitete.

Heute noch erhalten ist die Eingangstür, die damals in das Kellergewölbe des Hauses führte, in dem der Schuhmacher Helmut Dillbohner lebte und arbeitete.

Foto: Manfred Bube

"Da konnte ich nur staunen", sagt Detlev Ullrich. Er meint die zahlreichen Anrufe und Informationen, die ihn nach der Rundschau-Veröffentlichung zu dem rätselhaften Kellergewölbe im Gebäude von "Reinshagen & Schröder" am Hofkamp erreicht haben. "Aus übereinstimmenden Hinweisen von Zeitzeugen ergibt sich jetzt ein stimmiges Gesamtbild dessen, was sich ab 1930 hier abgespielt hat", so der Ausstellungsleiter, der mit Mitarbeiter Torsten Zolldahn beim Ausbau des Kellers auf eine Eisentür mit der Aufschrift "Schuhmacherei Helmut Dillbohner" sowie auf Luftschächte, Kaminanschlüsse, Kohlenschütten und mit Ziegelsteinen zugemauerte Durchbrüche in den Bruchsteinwänden des Gewölbes gestoßen war.

Die Vermutung, dort könne eine unterirdische Ladenstraße gewesen sein, stimmt ansatzweise. Laut Aussagen von Senioren, die als Kinder in der Nähe aufgewachsen sind, stand auf dem Gelände früher ein Wohnhaus, in dem Dillbohner als Mieter lebte und im durch Schächte belüfteten Keller seine Werkstatt betrieb. Dass direkt nebenan auch ein Schlosser aktiv war, dafür spricht die Eisentür zu Dillbohners Gewerbe — sowie die Tatsache, dass weitere Holztüren eine Eisenverschalung haben.

Der Zugang zu den Handwerkern befand sich an der Lukasstraße: Dort ist heute noch die originale Eingangstür zu sehen. Hinter den zugemauerten Durchbrüchen lagen Fluchtwege. "Die waren laut Hobby-Historiker Harald Wage seinerzeit üblich, falls Häuser durch Bomben zerstört wurden. Die Ziegelsteine waren leicht zu entfernen. In unserem Fall führte ein etwa ein Meter hoher wie breiter Gang zum Postgebäude, das damals auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand", so Detlev Ullrich.

Durch die Kohlenschütten nebenan wurde die Heizzentrale beliefert, die einst die Lukas-Werke, heute steht dort ein Parkhaus, mit Wärme versorgte. Bis im Juni 1943 Bomben fast alle Gebäude des Gebietes in Schutt und Asche verwandelten...

Detlev Ullrich und Torsten Zolldahn sind übrigens im Zuge ihrer Recherchen zu leidenschaftlichen Hobby-Forschern geworden: Wenn es noch Wuppertaler gibt, die mehr zur damaligen Situation im Areal wissen, freuen sie sich über Anrufe unter 248 05 22.

(Rundschau Verlagsgesellschaft)