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Traumhaus auf der Kaiserhöhe: Historische Villa sucht große Vision

Traumhaus auf der Kaiserhöhe : Historische Villa sucht große Vision

Im Netz wird eine bestimmte Immobilienanzeige oft geklickt: Der Kreis der Menschen, die für diesen Traum infrage kommen, ist aber ziemlich klein. Es geht um das ehemalige Ausflugslokal "Haus Kaemmerer", ein über 100 Jahre altes Gebäude mitten im Grünen auf der Kaiserhöhe.

Für die Rundschau schließt die Immobiliengesellschaft die Tür auf. Wenn der richtige Käufer kommt, würde das Schmuckstück für alle zugänglich.
Die Terrasse liegt Richtung Norden und unter ihr, vor ihr, erstreckt sich das gesamte Tal. Die Sicht ist klar, der Blick reicht bis Langerfeld. Eine Tasse Kaffee möchte man bestellen, sich setzen und die Sicht in der süßen Atmosphäre des Nichtstuns genießen. Aber seitdem der letzte Kellner Wünsche entgegen genommen hat, sind wohl Jahrzehnte verstrichen und die Zeit hat die einst herrschaftliche Villa ergrauen lassen.

Das Geländer der rund 100 Quadratmeter großen Ausflugsterrasse am Buschhäuschen ist verrostet, das Laub lässt sich müde vom Wind über den Boden schieben. "Aus der Zeit vor 1967 haben wir nur sehr wenig Dokumentation erhalten können", sagt Kubilay Mermertas. Der Wirtschaftsingenieur und sein Kollege Ünsal Erdal blicken von der riesigen Terrasse. Sie sind Geschäftsführer der "EM Grundbesitz UG", die das 1.200 Quadratmeter große Grundstück samt der Immobilie in diesem Zustand gekauft hat. Eigentlich sollten hier Wohnungen entstehen, aber der Bauvorantrag wurde abgelehnt. Das Grundstück befindet sich in einem B-Plan von 1977 und ist dort für gastronomische Nutzung vermerkt. Und so soll es bleiben.

Auch im Bauamt erzählte man Mermertas und Erdal, dass hier einst eine Ausflugsgastronomie florierte. Eine historische Postkarte lässt erahnen, wie prunkvoll die Terrasse damals war. "Gruß von der Kaiserhöhe", steht dort unter einem Bild, auf dem hübsche Zierbäume die Terrasse schmücken. "Die letzte Eigentümerin berichtete uns von einem Tanzsaal", sagt Mermertas. In den Nutzungsänderungswünschen nach 1967 ist immer von einer gegenwärtigen Nutzung als "Wohn-und Geschäftshaus" die Rede.
Anfang der 90er Jahre lebten dann in der Villa Flüchtlinge, die dem Jugoslawien-Krieg entkommen waren. Nun sind die Fenster verrammelt, die Räume leer. Mermertas und Erdal würden es begrüßen, "wenn ein Gastronom oder Investor die Immobilie erwirbt, der mit einem nachhaltigen Konzept an diesem Standort eine attraktive Gastronomie für alle Wuppertaler sowie Gäste von außerhalb schafft."

Deshalb suchen die Immobilienexperten nun den perfekten Käufer. 295.000 Euro braucht er für den Kauf des gesamten Objekts — und vermutlich Millionen, um die Villa kernzusanieren. Er benötigt zudem die richtige Idee, vielmehr eine Vision, sachverständige Kompetenz, in Bauvorhaben und in der Gastronomie. Und dann — dann könnte in den Räumen an der Kaiserhöhe der neue Hotspot entstehen.

"Wir haben derzeit einige Anfragen erhalten, von denen wir persönlich zwei für sehr geeignet erachten und die sich bereits in der Tiefe mit der Liegenschaft beschäftigen", sagt Mermertas. Wird es bald schon zu einem Kauf kommen? Dann werden in zwei, drei Jahren keine Postkarten, aber Fotos via Smartphone verschickt, mit Sonnenanbetern und ihrem Kaffee in der Hand: "Schöne Grüße von der Kaiserhöhe."