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Ex-Reichsbahndirektion in Wuppertal: Forderung nach Opfer-Gedenktafel

Rundgang am 26. Oktober : Ex-Reichsbahndirektion: Forderung nach Gedenktafel

Anlässlich des 80. Jahrestags der Deportation von 200 Jüdinnen und Juden aus Wuppertal, Solingen und Remscheid ins Ghetto Litzmannstadt findet am 26. Oktober 2021 ein Gedenkrundgang statt. Er beginnt um 17 Uhr vor dem Wuppertaler Hauptbahnhof in Elberfeld (Treppenaufgang zur ehemaligen Reichsbahndirektion) und wird um 18:15 Uhr auf Gleis 1 im Steinbecker Bahnhof fortgesetzt.

Im Herbst 2021 jähren sich zum 80. Mal die ersten Deportationen aus dem Bereich der Gestapoleitstelle Düsseldorf in die Ghettos und Mordlager im deutsch besetzten Osteuropa. Mehr als 3.000 Jüdinnen und Juden wurden in die Ghettos Łódź, Minsk und Riga deportiert. Nur wenige überlebten die Shoah.

In Wuppertal organisierte die Reichsbahndirektion für die Gestapo alle Sonderzüge in den Tod aus der Region Düsseldorf. Das Bahnpersonal kontrollierte das Verladen von Menschen und Gepäck. Schließlich berechnete die Reichsbahn für die Todeszüge den Personentarif Dritte Klasse (Gruppenbeförderung, einfache Fahrt). Der Rundgang führt an ehemaligen Wohnorten der Deportierten vorbei.

Am 26. Oktober 1941 wurden 200 jüdische Menschen, 162 aus Wuppertal, 16 aus Solingen und 22 aus Remscheid, vom Steinbecker Bahnhof zunächst zum Schlachthof in Düsseldorf-Derendorf verbracht. Am folgenden Tag, am 27. Oktober 1941, wurden insgesamt 1.003 Menschen von Düsseldorf aus ins Ghetto Litzmannstadt deportiert.

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Vier weitere Juden (Adolf Nathan, Betty Nathan, Walter Isaac und Bella Isaac, alle aus Langenberg) aus dem Zugriffsgebiet der Wuppertaler Gestapo gelangten auf einen anderen Weg zur Sammelstelle im Düsseldorfer Schlachthof. Ester Ettel Oschowski und ihr dreijähriger Sohn Samuel standen auf der Transportliste und konnten vorher untertauchen.

Fünf Menschen, die auf der Deportationsliste der Wuppertaler Gestapo nach Litzmannstadt notiert waren, entzogen sich durch Freitod der Deportation. Die Geschwister Siegfried, Laura und Hedwig Michelsohn aus der Weststraße 76 nahmen sich am 17. Oktober 1941 das Leben. Nicht vergessen sind auch Selma Arronge aus der Charlottenstraße 78 und Emma Stern aus der Viktoriastraße 45. Sie starben am 19. Oktober bzw. 25. Oktober 1941. Sie alle haben ein Grab auf dem jüdischen Friedhof auf dem Weinberg gefunden.

 Das Grab der Geschwister Wolfsohn.
Das Grab der Geschwister Wolfsohn. Foto: Stephan Stracke

Den Transport nach Litzmannstadt überlebten nur 13 Personen, darunter waren drei Menschen aus Wuppertal. Einige Deportierte starben schon im Ghetto, die meisten wurden 1942 nach Kulmhof (Chelmno) deportiert und dort mit dem Gas von Dieselmotoren ermordet.

„Wir regen mit unserem Gedenken auch dazu an, dass nach 80 Jahren endlich eine angemessene Informationstafel an das Gebäude der ehemaligen Reichsbahndirektion angebracht wird, die die Rolle der Elberfelder Reichsbahndirektion bei der Durchführung der Deportationen in die Ghettos und Vernichtungslager thematisiert, aber auch die Mitwirkung beim Abtransport von Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter, KZ-Häftlingen und Kriegsgefangenen nicht verschweigt“, so der Verein zur Erforschung der sozialen Bewegungen im Wuppertal und „MIZWA – Zeit zu handeln“.„Auch eine kritische Thematisierung des aus Wuppertal stammenden NS-Reichsbahnministers Julius Dorpmüller kann nichts schaden, zumal das Gebäude der Reichsbahndirektion bald wieder eine öffentliche Nutzung als Universitäts- und Stadtverwaltungsgebäude erfahren soll.“