Fünf Jahre später zieht die Verwaltung eine Zwischenbilanz: „Seit 2021 wurden neben öffentlichen Maßnahmen auch in privaten Initiativen Schäden beseitigt, erste Schutzmaßnahmen umgesetzt und weitere Projekte vorbereitet. Gleichzeitig ist klar: Ein umfassender Hochwasserschutz entsteht nicht innerhalb weniger Jahre. Größere Maßnahmen benötigen Untersuchungen, Planungen, Genehmigungen, finanzielle Mittel und geeignete Flächen. Die Vorsorge gegen Hochwasser und Starkregen bleibt deshalb eine langfristige Aufgabe.“
Nach dem Hochwasser stand für die städtischen Anlagen zunächst der Wiederaufbau der beschädigten kommunalen Infrastruktur im Mittelpunkt. Er wird weiter fortgeführt: „Dabei wurde geprüft, wie betroffene Anlagen nicht nur wiederhergestellt, sondern künftig widerstandsfähiger gegenüber Extremwetterereignissen gestaltet werden können.“
Auch bauliche Hochwasserschutz-Maßnahmen wurden weiterbearbeitet: Eine bereits umgesetzte Maßnahme ist das Hochwasser- und Regenrückhaltebecken Bornberg. Es hält bei Starkregenereignissen und Hochwasser im Mirker Bach anfallendes Wasser zurück und entlastet dadurch die unterhalb gelegenen Siedlungsbereiche.
Grundlage für diese und weitere Arbeiten ist das Hochwasserschutz-Prioritätenkonzept, das Ende 2021 vom Rat der Stadt beschlossen wurde. Darin wurden besonders gefährdete Bereiche im Stadtgebiet untersucht und mögliche Maßnahmen priorisiert. Ergänzend wurde das „Starkregenrisikomanagement“ dauerhaft etabliert.
Für Beyenburg liegt inzwischen eine Machbarkeitsstudie zum Hochwasserschutz vor. Die Ergebnisse wurden den Bürgerinnen und Bürgern am 7. Juli 2026 vorgestellt. Sie zeigen verschiedene Möglichkeiten, wie der Stadtteil künftig besser geschützt werden könnte. Auf dieser Grundlage müssen nun die nächsten planerischen und politischen Entscheidungen getroffen werden.
Auch für die Kohlfurth, vom Hochwasser 2021 besonders betroffen, wird eine Machbarkeitsstudie vorbereitet. Der Wupperverband soll im Auftrag der Stadt unterschiedliche Hochwasserszenarien, mögliche Schutzmaßnahmen und deren Kosten untersuchen. Zusätzlich ist vorgesehen, der Wupper kurzfristig durch eine Aufweitung und naturnahe Umgestaltung mehr Raum zu geben und damit den Abfluss bei hohen Wasserständen zu verbessern.
Da Hochwasser nicht an Stadtgrenzen Halt macht, arbeitet die Stadt Wuppertal eng mit dem Wupperverband, den Nachbarkommunen und weiteren Partnern im Einzugsgebiet zusammen. Nach dem Hochwasserereignis wurde daher die Kooperation „Überflutungsvorsorge an Agger und Wupper“ geschaffen. Mittlerweile gibt es weiterführende Bestrebungen zur beschleunigten und einzugsgebietsweiten Zusammenarbeit in NRW, weshalb der landesweite Pakt für Hochwasserschutz im Februar unterzeichnet wurde.
Ein damit verbundener Regionalpakt Wupper wird derzeit entwickelt. „Er soll die Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren im Einzugsgebiet der Wupper weiter stärken, einen langfristigen, abgestimmten Ansatz für den Hochwasserschutz im gesamten Flusssystem schaffen und die Genehmigung sowie die Umsetzung von Maßnahmen beschleunigen.“
Eine weitere organisatorische Maßnahme ist eine städtische Arbeitsgruppe zur klimasensiblen Stadtentwicklung, durch die ein fachbereichsübergreifender Ansatz geschaffen wird, Klimafolgenanpassung frühzeitig in Planungs- und Entwicklungsprozesse einzubinden und die Resilienz langfristig zu stärken. Auch das Kooperationsprojekt EKLIPS3+1 soll das bergische Städtedreieck durch eine beschleunigte Bauleit- und Landschaftsplanung besser auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten.
Bereits jetzt sorge der Wupperverband über zahlreiche verbandsweite Maßnahmen für mehr Hochwasserschutz im Einzugsgebiet: „Dazu gehören die Weiterentwicklung der Talsperrensteuerung, der Ausbau des Pegel- und Sensornetzes sowie digitale Informationsangebote wie das Hochwasserportal, in dem sich die Bürger auch auf spezifischen Stadtteilseiten informieren können und bei der eigenen Informationsvorsorge unterstützt werden.“
Ein vollständiger Schutz vor Hochwasserereignissen werde jedoch auch zukünftig nicht möglich sein:“ Eigenvorsorge ist und bleibt deshalb sehr wichtig, um Extremwetterereignissen wie Starkregen begegnen zu können. Hierfür sind auch die Starkregengefahrenkarte der Stadt Wuppertal und die Hochwassergefahrenkarten des Landes NRW wichtig, da Bürger prüfen können, ob ihr Grundstück oder Gebäude gefährdet ist. Über weiterführende Hinweise auf der Homepage der Stadt können Bürger erfahren, welche Schutzmaßnahmen möglich sind.“
Das Fazit aus dem Rathaus: „Fünf Jahre nach der Flut ist damit einiges erreicht, vieles befindet sich jedoch noch in Planung. Die Stadt wird die priorisierten Maßnahmen deshalb schrittweise weiter vorbereiten und umsetzen. Ziel ist es, besonders gefährdete Stadtteile besser zu schützen, Wuppertal insgesamt widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen und so die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger nachhaltig zu erhöhen.“