Machbarkeitsstudie für Beyenburg Hochwasserschutz bis zu 130 Kubikmeter pro Sekunde

Wuppertal · Welche Möglichkeiten zur Verbesserung des Hochwasserschutzes gibt es im Ortsteil Wuppertal-Beyenburg? Diese Frage ist im Rahmen einer Machbarkeitsstudie von Fachleuten und Ingenieurbüros eingehend geprüft worden.

Das Hochwasser am Haus Bilstein im Juli 2021.

Foto: Christoph Petersen

Im Auftrag der Stadt Wuppertal hatte der Wupperverband die Studie durchgeführt. Die Ergebnisse liegen nun vor. Sie wurden in der Bezirksvertretung Langerfeld-Beyenburg, im Ausschuss für Umwelt, Gesundheit, Klima, Verbraucherschutz und Nachhaltigkeit der Stadt Wuppertal und in einer Informationsveranstaltung für Bürgerinnen und Bürger am 7. Juli vorgestellt.

Seit dem Start der Machbarkeitsstudie im November 2022 wurden auch weitere ergänzende Themen und Fragestellungen integriert. Insgesamt wurden fünf Trassenvarianten für eine Hochwasserschutzmauer und zwei Varianten für einen Hochwasserentlastungsstollen ermittelt.(Bilder)

Bilder aus Wuppertal-Beyenburg nach dem Hochwasser
31 Bilder

Bilder aus Beyenburg nach dem Hochwasser

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Foto: Christoph Petersen

„Durch die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger konnten auch deren Vorschläge einbezogen und zusätzlich untersucht werden. Die in der Studie als technisch machbar ermittelten Varianten wurden anhand verschiedener Faktoren (z.B. Bauwerkshöhe) miteinander verglichen, um die geeignetste Variante zu finden“, heißt es aus dem Rathaus

Wupperabfluss von 130 Kubikmetern pro Sekunde

Die Vorzugsvariante, die die Fachleute aus der Abwägung der verschiedensten Faktoren ermittelt haben, ist eine Hochwasserschutzmauer in verschiedenen Abschnitten mit unterschiedlichen Höhen, die bei einem Wupperabfluss von bis zu 130 Kubikmetern pro Sekunde schützt. „Das ist deutlich mehr als ein hundertjährliches Hochwasser, das in Beyenburg bei einem Abfluss von 106 Kubikmetern pro Sekunde liegt“, so die Stadt.

Die Höhe der Mauern liegt im Abschnitt Stauanlage bis Brücke Schemm bei bis zu 39 Zentimetern, an den Terrassen Beyenburger Furt bei bis zu 50 Zentimetern, im Bereich Schützenplatz bei bis zu 34 Zentimetern und im Bereich Bilstein bei bis zu 97 Zentimetern. „Für diese Vorzugsvariante sprechen mehrere Faktoren: Das Schutzziel 130 Kubikmeter/Sekunde bedeutet keine Verschärfung der Situation für Unterlieger, hat nach derzeitiger Einschätzung eine hohe Förderwahrscheinlichkeit und liegt deutlich höher als der Standard hundertjährliches Hochwasser“, erklärt die Verwaltung.

Ein weiteres Plus sei: „Die Variante ermöglicht, dass bei Bedarf durch eine erhöhte Abgabe in der oberhalb gelegenen Wupper-Talsperre zusätzlicher Puffer geschaffen werden. Die Vorabgabe kann dann durch die Schutzwirkung einer Mauer um 40 Prozent höher ausfallen als heute (70 Kubikmeter statt heute 50 Kubikmeter pro Sekunde), ohne dass Überflutungen in Beyenburg entstehen. Somit wirkt diese Hochwasserschutzmaßnahme über Beyenburg hinaus und kommt auch weiteren Bereichen des Stadtgebietes zugute.“

Durch die Trassenführung und Mauerhöhen der Vorzugsvariante werden folgende Faktoren berücksichtigt: Die Mauern bieten Schutz, ohne den Menschen die Sicht auf die Wupper zu versperren. Eine spätere Erhöhung bei Bedarf wäre möglich. Die Funktion des Schützenplatzes, z.B. als Kirmesplatz, bliebe erhalten und – besonders wichtig – er bietet im Hochwasserfall Platz als Logistikfläche für Einsatzkräfte. Die Trasse erfordert nur wenige Tore und Durchlässe, dies ist ein Vorteil bei der späteren Unterhaltung.“

Der nächste Schritt ist zu prüfen, ob für diese Variante vom Land Fördermittel bereitgestellt werden können. „Weiterhin gilt es dann, einen politischen Beschuss für die Umsetzung der Maßnahmen herbeizuführen“, heißt es. Planungs- und Genehmigungsverfahren bei solchen umfangreichen Bauprojekten dauern in der Regel mehrere Jahre.“ Hier erhoffen sich Stadt und Wupperverband eine deutliche Beschleunigung des Verfahrens in den nächsten Jahren durch den aktuellen Landespakt für Hochwasserschutz, der im Wuppergebiet durch den „Regionalpakt Wupper“ konkretisiert wird und Hochwasserschutzmaßnahmen Rückenwind geben soll.

Eine Vielzahl an Maßnahmen ist laut Stadt „bereits umgesetzt, z.B. Optimierung des Meldewesens an der Schnittstelle zwischen Wupperverband und Stadt Wuppertal (Hochwassermeldepass mit Meldegrenzen für Hotspots im Stadtgebiet, rotes Telefon in Hochwasserfall, Videokanal der Bereitschaft Hydrologie vom Dienst etc.), Warnung der Bevölkerung durch die Feuerwehr (Sirenen), Informationsangebot für Bürgerinnen und Bürger (Hochwasserportal des Wupperverbandes mit Stadtteilseite Beyenburg), Anpassung der Talsperrensteuerung der Wupper-Talsperre durch den Wupperverband (Puffer für hohe Sommerniederschläge / Sommerretentionsraum in oberbergischen Talsperren und situative Vorabgabe im Bedarfsfall)“.

Allerdings sei auch die „Eigenvorsorge aller Bürgerinnen und Bürger und Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer in Zeiten des Klimawandels ein ,Muss‘, um sich vor Schäden durch Flusshochwasser oder urbane Sturzfluten bei Starkregen besser zu schützen. Denn auch die hier vorgesehenen technischen Maßnahmen können keinen vollständigen Schutz vor den Folgen von Hochwasser bieten.“

Eine Präsentation sowie ein Kurzbericht zur Machbarkeitsstudie gibt es unter www.wupperverband.de