„Heute wende ich mich mit Unmut und Unverständnis an Sie“, heißt es in dem Schreiben. „Wir Wuppertalerinnen und Wuppertaler fühlen uns in den letzten Monaten sehr gebeutelt durch die Deutsche Bahn. Seit Monaten leiden unsere Bürgerinnen und Bürger unter den Folgen der Generalsanierung und müssen drastisch längere Fahrtzeiten und unzuverlässige Busse im Schienenersatzverkehr akzeptieren, weil die Deutsche Bahn seit Jahren infrastrukturelle Herausforderungen vor sich herschiebt.“
Auch in den letzten Jahren sei man „regelmäßig über längere Zeit vom Schienenverkehr abgekoppelt“ gewesen: „Das nehmen die meisten Wuppertalerinnen und Wuppertaler pragmatisch und klaglos hin – weil sie Vertrauen darin haben, dass Sie sich langfristig besser aufstellen als in den letzten Jahrzehnten, und das unterstütze ich ausdrücklich.“
Scherff weiter: „Doch die Ereignisse der letzten Tage setzen dem Missmanagement der Bahn aus meiner und der Sicht vieler Wuppertalerinnen und Wuppertaler die Krone auf, und so langsam verlieren wir die Geduld. Entgegen vieler kritischer Stimmen im Laufe des letzten Jahres auch aus Wuppertal haben Sie sich bewusst entschieden, die Stellwerke rund um unsere Stadt nicht zu modernisieren – und ich habe den Eindruck, dass Ihnen und leider auch uns das jetzt auf die Füße fällt. Die Ausfälle der letzten Tage zeigen, wie labil die bestehende Infrastruktur ist, wenn ein einzelnes Stellwerk oder eine Weiche den Bahnverkehr rund um Wuppertal über Tage lahmlegt.“
Das habe „verheerende Konsequenzen auf unsere Bürgerinnen und Bürger, wie ich jeden Tag durch Mails, Instagram-Nachrichten und in persönlichen Gesprächen erfahre. Die Arbeitnehmenden kommen zu spät zu ihrem Job oder die Jugendlichen zu spät zur Schule, was negative Konsequenzen mit sich bringt, oder Kinder werden zu spät aus der Kita abgeholt, was unsere Kleinsten und das Familienleben stark belastet. Unsere Bürgerinnen und Bürger müssen sich darauf verlassen können, dass der Staat und seine Infrastruktur zuverlässig und planungssicher funktionieren. Die Probleme der letzten Tage, Wochen und Monate untergraben die Akzeptanz in den öffentlichen Verkehr als Ganzes.“
Und weiter: „Ich bin nicht mehr bereit, die ständigen Unannehmlichkeiten und Unzuverlässigkeiten der Deutschen Bahn zu akzeptieren, und fordere Sie auf, die Ursachen der mannigfaltigen Störungen konsequent aufzuarbeiten und Ihre Technik umgehend und umfassend zu modernisieren und leistungsfähiger sowie widerstandsfähiger zu gestalten – und dies mit höchster Priorität anzugehen.
Das habe sie am Donnerstag (2. Juli) auch mit Verkehrsminister Krischer besprochen: „Ich setze darauf, dass uns die Landesregierung und der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, mit dem meine Kolleginnen und Kollegen auf Fachebene im engen Austausch stehen, dabei nach Kräften unterstützen.“