Diebstahl am Mahnmal KZ Kemna „Ein solcher Vorfall ist besonders erschütternd“

Wuppertal · Nach der Entwendung von zwei Bronzetafeln am Mahnmal KZ Kemna in Wuppertal bezieht der evangelische Kirchenkreis Stellung. Er sieht in der Tat einen Angriff auf das historische Gedenken und das Andenken der Opfer des Nationalsozialismus.

An den Seiten waren Bronzetafeln angebracht.

Foto: Barbara Herfurth-Schlömer

Unbekannte haben am Mahnmal KZ Kemna in Wuppertal zwei Gedenktafeln aus Bronze entwendet. Wie die Polizei mitteilte, wurden die beiden kleineren Tafeln neben der zentralen Haupttafel aus ihren Halterungen gelöst und entfernt. Sie hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet Zeuginnen und Zeugen um Hinweise.

Bislang gibt es den Angaben zufolge kein Anzeichen für ein religiöses oder politisches Motiv. Bei den gestohlenen Tafeln handelt es sich um Bronzeplatten. Das Material wird wegen seines Altmetallwerts immer wieder Ziel von Diebstählen.

Unabhängig von den Hintergründen schmerze die Beschädigung dieses wichtigen Erinnerungsortes sehr, erklärte der Jugendring Wuppertal. Auf seine Initiative hin wurde das Mahnmal vor über 40 Jahren errichtet. „Es steht für die Verantwortung, die Geschichte nicht zu vergessen.“

Bronzeplatten wichtiger Bestandteil der Dokumentation

Regelmäßig werden am Mahnmal Kemna (hier mit Gedenktafeln) Kränze niedergelegt, um an die ehemaligen Häftlinge des KZs zu erinnern.

Foto: Barbara Herfurth-Schlömer

Der evangelische Kirchenkreis Wuppertal sieht in dem Vorfall einen Angriff auf die Erinnerungskultur und das historische Gedenken in Wuppertal. „Das Mahnmal Kemna erinnert an die Opfer des frühen nationalsozialistischen Terrors, die nun entwendeten Bronzeplatten waren ein wichtiger Bestandteil der Dokumentation und Würdigung der hier begangenen Verbrechen“, erklärt Barbara Herfurth-Schlömer, Leiterin des Projekts für den geplanten Gedenk- und Lernort Kemna.

Die Entwendung der Bronzeplatten verletze das Andenken der ehemaligen Häftlinge und richte sich zugleich gegen die vielen Bürgerinnen und Bürger sowie Initiativen, die sich seit Jahrzehnten für die Erinnerung an die Opfer und das ihnen zugefügte Unrecht engagierten. „Wir verurteilen diese Tat auf das Schärfste. In einer Zeit, in der demokratische Werte und historisches Bewusstsein gestärkt werden müssen, ist ein solcher Vorfall besonders erschütternd", betont die Theologin.

Gedenkarbeit wird fortgesetzt

Das Mahnmal erinnert an eines der ersten Konzentrationslager in Deutschland. Das bergische KZ Kemna bestand von Juli 1933 bis Januar 1934 in einer ehemaligen Putzwollfabrik an der Wupper im heutigen Wuppertaler Ortsteil Kemna. Schätzungen zufolge wurden während seines Bestehens zwischen 2.500 und 3.000 Menschen inhaftiert, überwiegend politische Gegner des NS-Regimes aus Wuppertal und anderen Städten des Regierungsbezirks Düsseldorf. Die Gefangenen waren katastrophalen hygienischen Bedingungen, Folter und willkürlicher Gewalt ausgesetzt.

Das Mahnmal wurde zum 50. Jahrestag der Errichtung des Lagers gegenüber dem ehemaligen Fabrikgelände eingeweiht. Gemeinsam mit dem Jugendring engagiert sich der evangelische Kirchenkreis seit Jahren für die weitere Aufarbeitung der Geschichte des Ortes. Seine Gemeinden haben das ehemalige Lagergelände erworben und planen dort die Einrichtung eines Gedenk- und Lernortes.

„Die Erinnerung an die Opfer des KZ Kemna lässt sich nicht entfernen. Wir werden unsere Gedenkarbeit fortsetzen und auch künftig für Erinnerung, Demokratie und Menschenwürde eintreten“, betonen Jugendring und Kirchenkreis.