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70 Jahre Paar- und Lebensberatung in Wuppertal

70 Jahre Paar- und Lebensberatung : Zuhören und zur Seite stehen

1950, als der Zweite Weltkrieg gerade einmal fünf Jahre vorbei war und Deutschland mitten im Wiederaufbau steckte, da wollten auch sechs Frauen aus Wuppertal etwas anpacken. Denn während in der Welt historische Weichen gestellt wurden, zogen sich durch die Beziehungen der Menschen tiefe Narben des Erlebten. So gründeten die Wuppertaler Frauen der evangelischen Gemeinde die „Beratungsstelle für Ehe- und Lebensfragen“.

Nun – im Jahr 2020 – feiert eines der ältesten Hilfsangebote der Bundesrepublik seinen 70. Geburtstag. Damals, erklärt die heutige Leiterin Margret Stobbe, war das Ziel der Gründerinnen, die „Quelle der ehelichen Probleme zu verstopfen“. So steht es in den Unterlagen. Aber was ist diese Quelle, damals und heute? Margret Stobbe: „Wahrscheinlich war es in den Gründungsjahren ein großes Problem, das Schweigen zwischen den Menschen und die erlittenen Traumata irgendwie als Paar und Familie zu verarbeiten.“

Wie sehr sich die Gesellschaft gewandelt hat, das lässt sich auch durch den Wandel der Probleme in den Beziehungen verstehen. In den Unterlagen, die anlässlich des 40. Geburtstages zusammengestellt wurden, zeigt sich der rapide Anstieg an Scheidungen. Trennung – das war lange Zeit vorher keine Option. Aber die Beratungsstelle ging mit der Zeit und den Herausforderungen und initiierte eine Scheidungsberatung, um den Paaren ein Auseinandergehen mit möglichst wenig Kränkung und viel Respekt zu ermöglichen. Heute besteht das evangelische Beratungsangebot sogar aus vier Punkten: Der Erziehungs-/Familienberatung; der Trennungs- und Scheidungsberatung; der Paar-/Lebensberatung und der Gewaltprävention.

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Und so divers wie die Klienten, so divers sind ihre Fragestellungen. „Zu uns kommen Menschen aus jedem sozialen Gefüge, jeden Alters, jeder Lebenssituation, sagt Ellen Reese. Seit neun Jahren begleitet die Diplom-Sozialpädagogin und Psychotherapeutin Menschen in ihrem Lösungsprozess – und das seit der Pandemie zum ersten Mal nicht nur persönlich. „Am Anfang hatte ich große Sorge, dass viel Zwischenmenschliches verloren geht. Aber es funktioniert und wir können den Menschen auch am Telefon zur Seite stehen.“

Auch für die Zeit nach der Corona-Pandemie möchte Margret Stobbe diese Art des Kontaktes ausbauen. Mehr Video-Gespräche und auch ein erhöhter Beratungsbedarf, das sind die Auswirkungen, die die Pandemie für die Beratungsstelle hat – und wofür Margret Stobbe und ihr Team in Zukunft gerne die Weichen stellen würden.