13 Fälle sind belegt

13 Fälle sind belegt

Ronsdorfer Erich-Fried-Gesamtschüler rehabilitieren erschossene Wuppertaler Deserteure. Gemeinsam mit dem Historiker Florian Hans gestalten sie die Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus, die am Sonntag (25.

Januar 2015) um 16 Uhr in der Elberfelder City-Kirche stattfinden wird — mit dem Schwerpunkt der Erinnerung an in Ronsdorf erschossene Deserteure.

"Alles war akribisch geplant. Und alles wurde ganz genau dokumentiert. Wer welche Patronen bekam, wie viele Soldaten bei der Erschießung teilnehmen mussten. Wer zusehen musste. Auch die Namen der Fahrer des Wagens, mit dem die Leichen abtransportiert wurden, sind im Protokoll aufgeführt", erklärt Historiker Florian Hans. Seit Oktober vergangenen Jahres recherchiert er mit Schülern der Erich-Fried-Gesamtschule die Hintergründe zahlreicher Erschießungen auf dem ehemaligen Schießstand am Erbschlö in Ronsdorf. Ziel ist es, zur diesjährigen Gedenkstunde unter dem Titel "Tödlicher Ungehorsam — Die Deserteure von Wuppertal" möglichst viele Informationen zu sammeln und für Akzeptanz in der Bevölkerung zu werben.

Zum Hintergrund: Zwischen 1939 und 1945 verhängte die Wehrmachtjustiz über 30.000 Todesurteile gegen eigene Soldaten. Rund 23.000 Urteile wurden vollstreckt. Ein Großteil der Opfer waren Deserteure. Einige Fälle sind auch in Wuppertal dokumentiert. Zu den in Ronsdorf hingerichteten Deserteuren ist eine öffentliche Auseinandersetzung bislang nahezu ausgeblieben. "Zu Kriegsende wurden dort zum Tode verurteilte Deserteure erschossen. 13 Fälle sind belegt. Unter anderem das Ende des 44-jährigen Adam Moll. Er wurde noch am 11. April, fünf Tage bevor in Wuppertal der Krieg vorbei war, erschossen", berichtet Florian Hans.

Einige dieser Männer sind auf dem Kommunalfriedhof Ronsdorf beerdigt und 1972 in eine Ehrengrabanlage umgebettet worden. Seit 2008 gibt es dort auch eine Bronzeplatte mit einem Hinweis. Allerdings, so Florian Hans, seien diese Ereignisse in Wuppertal selbst kaum bekannt. Spuren fanden sich im Stadtarchiv. Vor allem Dokumente des Künstlers Ernst-Gerd Jentgens: "Er hatte Kontakt zu dem Zeitzeugen Karl Schlesier, der als ehemaliger Soldat die Erschießungen mit angesehen hatte. Die dabei entstandene Dokumentationsmappe war für unser Projekt die zentrale Quelle", so Florian Hans.

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