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Wuppertal: Neues Buch von Michael Zeller zum Thema Demenz

Neues Buch von Michael Zeller : Verschwinden im Vergessen

Mit seiner 119-Seiten-Erzählung „Abhauen! Protokoll einer Flucht“ setzt sich der Wuppertaler Schriftsteller Michael Zeller auf sehr persönliche und sehr eindringliche Weise mit der Demenz auseinander.

Entstanden ist ein wirklich wahrer Text. Nicht etwa nur deshalb, weil Michael Zeller die Demenz und den Tod seiner Mutter wahrheitsgetreu protokolliert. Wahr ist hier jedes Wort vor allem, da der Autor wahrhaftig ist: Bis hinein in die bitteren, auch verbittert-wütenden Verästelungen des Mutter-Sohn-Verhältnisses nimmt Zeller kein Blatt vor den Mund. Und obwohl nichts beschönigt wird, sprechen doch aus allem die Liebe und die Sehnsucht danach, das doch aufhalten zu können, was da geschieht mit der alten Frau, die – zuerst im Krankenhaus, dann kurzfristig wieder in der eigenen Wohnung, schließlich im Pflegeheim – immer weiter verschwindet in ihrer Welt des Vergessens. 

Dem Sohn, der das aufschreibt, bleibt immerhin die körperliche Hinfälligkeit der Mutter erspart: Spaziergänge sind möglich, teilweise skurille Unterhaltungen, Begegnungen mit anderen Menschen.

Abhauen – das zu wollen, davon redet die Mutter immer wieder. Können kann sie das nicht. Aber sich immer noch selbst behaupten für kurze Momente. Und sie weint viel – weil (das weiß sie) ihr Sohnes-Besuch ja stets wieder gehen wird. Aber nicht alles auf diesen Seiten ist traurig: Es bleibt auch Platz fürs Lachen, für schräg-komische Situationen.

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Das ist kein weinerliches Abschiedsbüchlein. Nichts, was das unendlich hilflos machende Thema Demenz mit blumigen Trostpflastern abzukleben versucht.

Zeller gelingt es vom ersten bis zum letzten Wort zu fesseln: Mit großer Ehrlichkeit, Anteilnahme, Genauigkeit und der Kraft poetischer Sprache, die aus der Schönheit von Sommer und Herbst, Rosen und Weinbergen Zuversicht schöpft.

Besonderer Höhepunkt dieser Erzählung ist die Seite 99: Die Verzweiflung der Mutter darüber, nicht mehr zu wissen, dass ihr da ihr Sohn gegenüber sitzt, lässt sie leise ein altes Kinderlied singen. Eine ganz tief berührende Szene.