Vier Rundschau-Buchtipps Stadt, Perlen, Mutter, Momente

Vier Wuppertaler Buchempfehlungen – und alle sind sie ganz verschieden.

Historiker und Stadt-Experte Detlef Vonde.

Historiker und Stadt-Experte Detlef Vonde.

Foto: Wuppertaler Rundschau / sts

Detlef Vonde, Historiker und Urbanisierungsexperte, hat in „Traum aller Träume“ auf 430 Seiten und in 18 Kapiteln erstaunliche Geschichte(n) der modernen Stadt im 19. und 20. Jahrhundert gesammelt. Ein Band voller Hintergründe, Zusammenhänge, Überraschungen und zahlreicher Details, die bis heute wirken. Drin steckt ganz viel Wuppertal, plus Ruhrgebiet, Paris und Manchester. Erzählt im unverkennbaren Vonde-Duktus: Kenntnisreich, exakt, unterhaltsam, nie langweilig – und vor allem nie oberlehrerhaft. Wer’s liest, sieht Städte (auch die eigene) plötzlich ganz neu.
Edition Köndgen, 29,95 Euro.

Aus ganz anderem Holz ist „99 zerstreute Perlen“ aus der Feder des in Wuppertal lebenden (kurdischen) Syrers Halim Youssef. Dieses zutiefst persönliche und emotional bewegende Buch erzählt Flucht- und Flüchtlingsgeschichte wie unter dem Brennglas. Es geht um Verletzungen, Verluste, Angst – und um den (gewaltsamen) Tod. Halim Youssef artikuliert sich in überaus poetischer Sprache. Seinen Text hat Barbara Sträuli aus dem Kurdischen übertragen. Dieses Buch ist lautes Plädoyer für Menschlichkeit. Und auch die Forderung, dass Übersetzer, die den oft schrecklichen Geschichten Betroffener ausgesetzt sind, unbedingt Supervisionsgespräche brauchen.
Sujet-Verlag, 19,80 Euro.

Ebenfalls sehr individuell ist „Das Leben meiner Mutter“, ein schmaler Band, in dem der Wuppertaler Autor Wolf Christian von Wedel Parlow die Lebens- und Familiengeschichte seiner Mutter – ein gutes Stück auch seine eigene – in kleinen Textstücken erzählt. Wedel Parlow berichtet, schildert Zwiesprachen, geht auf Spurensuche. Der Weltkrieg kommt vor, die „verlorenen“ Gebiete, die Nachkriegszeit. Es geht sehr persönlich zu. Und auf die für Wedel Parlow typische Art sehr wortkarg. Ein seltsames Buch: Man liest es, als blicke man durch ein Fenster in ein fremdes Haus. Und ist überrascht, wie unvermittelt der Text endet.
Erschienen im Selbstverlag. Kontakt zum Autor per Mail an . wolf.christian.wp@gmail.com

Dann „Momente“ – 99 Seiten mit ganz kleinen Gedankensplittern des gebürtigen Wuppertalers Thorsten Krämer, der seit 2016 wieder hier lebt. Immer beginnt es mit „Der Moment ...“ Schräg, nachdenklich, sehr überraschend, trotz viel Alltag gar nicht alltäglich. Erst fragt man sich, was das alles soll, dann bleibt man dran. Und bereut es definitiv nicht.
Elif-Verlag, 20 Euro.