Pina-Bausch-Zentrum: Treffpunkt statt Leuchtturm

Pina-Bausch-Zentrum : Treffpunkt statt Leuchtturm

Die Stadtspitze sehnt es sich herbei, Kulturliebhaber finden Gefallen daran und Fans des Gebäudes drücken fest die Daumen, wenn es um das geplante Pina-Bausch-Zentrum im ehemaligen Schauspielhaus geht.

Viele andere Wuppertaler lässt die Vision eines internationalen Tanzzentrums an der B7 jedoch kalt. Ein Fehler, wie ein Fachgespräch in der vergangenen Woche zeigte — und eine einmalige Chance offenbarte.

Bitte keinen Leuchtturm! Es war eine eindringliche Warnung, die Professor Klaus Overmeyer am Ende des Abends in Richtung Stadtspitze formulierte. Der Stadtentwickler (Urban Catalyst), der im Auftrag der Stadt auch die Innenstadtkonferenzen um die Entwicklung der Elberfelder City begleitet, sieht in dem Pina-Bausch-Zentrum (PBZ) eine riesige Chance für Wuppertal — wenn denn keine isolierte Museums-Insel daraus wird, sondern es sich räumlich wie inhaltlich für die Stadt öffnet. Dann kann das Prestigeprojekt das sein, womit der Abend auch überschrieben war: ein Motor für die Stadtentwicklung.

Neben Overmeyer zeigten auch Johannes Busmann (Professor für Mediendesign und zuständig für die Kommunikation des Döppersberg-Umbaus), und Isabel Finkenberger (freie Stadtplanerin und Architektin, die das zweijährige Projekt "Die Stadt von der anderen Seite sehen" am Schauspiel Köln geleitet hat) ihre Visionen auf, was das PBZ für das Quartier an der Hofaue leisten kann.

Sie taten dies vor Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur, um noch einmal um deren Unterstützung zu werben. Denn die Finanzierung der Betriebskosten ist bisher nicht geklärt. Zusagen von Land und Bund fehlen und sind angesichts der veränderten Machtverhältnisse am Rhein sowie der ausstehenden Bundestagswahl alles andere als selbstverständlich. Die Planungen liegen bis dahin auf Eis...

Wer von den anwesenden Gästen gut zugehört hat, der wird eine Vorstellung von einem lebendigen Elberfeld mitgenommen haben, das eine neue Anziehungskraft im Osten durch das PBZ entwickeln kann. Overmeyer sprach von der Attraktivität kreativer Milieus, berichtete von Metropolen, die bewusst freie Flächen an Kulturschaffende und andere Kreative geben, weil damit aus langweiligen Orten pulsierende Viertel würden. "Vieles, was dort entsteht, würden wir als Stadtplaner nie so machen, aber am Ende finden sich dort Banker neben Alternativen wieder." Und gerade so ein Clash der Kulturen sorge für Spannung.

Diesen Gedanken nahm Johannes Busmann auf und kritisierte, dass gerade die Hofaue ein enormes Potenzial besitze, das derzeit verschenkt werde. Sein Grundgedanke: Mit ehemaligem Rotlichtviertel, Handel und einigen Kreativ-Büros, aber vor allem mit eindrucksvollen Gebäuden und ihrer Historie bringe die Hofaue schon "ein unglaublich großes Potenzial" mit. "Wir haben aber keine Haltung dazu. Wir müssen dem Viertel eine Identität geben — und seine Geschichte erzählen." Und so wie die Laurentiuskirche den Besuchern versichert, dass sie sich im Luisenviertel befinden, oder das Von der Heydt-Museum ein Zeichen für die City ist, so kann das PBZ ein Anker für die Hofaue sein — und ein Magnet. "Wenn wir das leisten", so Busmann, "dann kommt der Rest von selbst."

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