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Schauspiel: „Phantastische Kulisse“

Schauspiel : „Phantastische Kulisse“

In den Gewächshäusern des Botanischen Gartens — zwischen Kakteen, wildwuchernden Bananenstauden und Frauenschuh — inszeniert Torsten Krug Homers "Odyssee" als einen Soloabend für den Schauspieler Miko Greza.

"Eines unserer kleinen, feinen Projekte", nennt Schauspielintendantin Susanne Abbrederis die "Odyssee", die sie im Botanischen Garten auf der Hardt spielen lässt. Und klein ist es wirklich, denn nur 30 Zuschauer sind pro Vorstellung zugelassen. Die werden Odysseus vom Kalthaus ins Warmhaus begleiten, so an seiner zehnjährigen Heimreise nach zermürbenden Kriegsjahren teilnehmen.

"Natürlich wird es ausreichend Sitzgelegenheiten geben, aber ich finde es viel schöner, wenn sich die Besucher frei bewegen, das Kalthaus mit den Kakteen als Irrgarten sehen, so immer wieder neue Einblicke auf das Stück und die Geschichte erhalten", sagt Ausstatter Siegfried E. Mayer.

Torsten Krug, Autor und Regisseur, hat sich intensiv mit Homers Text auseinandergesetzt, für ihn ein "Riesenurtext der europäischen Literatur". Doch wie soll sich ein Schauspieler durch 12.000 Verse quälen? Krug entschied sich für eine Neufassung, strich einige Passagen, fasste andere zusammen, behielt nur die wichtigsten Handlungsstränge bei. Dabei legte er seiner Version die klassische Übersetzung von Johann Heinrich Voß von 1781 zugrunde.

"Ich lese das Stück aus heutiger Sicht, zeige Odysseus als einen traumatisierten Menschen, der aus einem Krieg zurückkehrt, in den er nie ziehen wollte. Dabei stelle ich Homers Ende der 'Odyssee' in Frage. Es kann nicht sein, dass sich in 20 Jahren nichts geändert hat, dass die Frau auf Odysseus wartet, sein Sohn ihn weiterhin toll findet. Für mich ist er ein gealterter Mensch, der viele schlimme Dinge gesehen hat und sie wie unter Zwang immer wieder erzählen muss. Bei Homer ist viel von Gärten und Heilpflanzen die Rede, so dass sich die Gewächshäuser als Kulisse phantastisch eignen. Außerdem ist diese geraffte Fassung, die dennoch sehr sinnlich ist, eine gute Möglichkeit, den Stoff kennenzulernen", berichtet Torsten Krug von seiner Arbeit.

Schauspieler Miko Greza hat bereits als Kind Erfahrung mit der "Odyssee" gemacht. "Damals habe ich die Geschichte verschlungen, Odysseus war für mich der Held, der viele Abenteuer bestehen musste. Seine grausame Seite habe ich nicht reflektiert, ihn nicht als den Mann gesehen, der scheinbar gefühllos seine Gefährten opfert, die Liebhaber seiner Frau ebenfalls ermordet. Das hätte er nicht tun dürfen, aber er kennt keine andere Sprache mehr als den Krieg, und doch ist auch ein Stückchen Hiob in ihm", erzählt Greza. Und ist sich außerdem sicher, dass jede Generation eine andere Sicht auf diese weltbekannte Geschichte hat.