1. Kultur

Matthias Rürup und sein „Chefchen – Eine Höllenfahrt“​

„Chefchen – Eine Höllenfahrt“ : Matthias Rürup: Schräge Gedichte, starke Bilder

Ein schönes Buch ist das. Und ein seltsames zugleich. „Chefchen – Eine Höllenfahrt“ von Matthias Rürup führt in die Seele und in den Alltag.

Dass das Ganze Dantes „Göttliche Komödie“ und den dort geschilderten Höllentrip (irgendwie) zum Vorbild hat, begreift man schnell. Aber bei „Chefchen“ geht es ganz anders zu. Die Komplettklaviatur der Seelenzustände eines gegenwärtigen Menschen, die sich mit zu viel Mittelmaß (auch bei sich selbst) herumschlägt, schildert Mathias Rürup in ganz unterschiedlichen Gedichten, stets völlig neu und erstaunlich komponiert.

Verwirrend ist das, verstörend, nachdenklich stimmend, Fragen aufwerfend. Und weil es mit außergewöhnlich guten Illustrationen von Robert Voss geradezu verschwenderisch üppig bebildert ist, fesselt es nicht nur den Kopf, sondern auch das Auge. Zwar kommt diese „Höllenfahrt“ anfangs recht behäbig auf Tour, nimmt dann aber mehr und mehr Fahrt auf – und lotet im letzten Drittel mächtig in die Tiefe.

Die Verwerfungen dessen, was wir heute „Gegenwart“ nennen, und was diese vor allem von Büro & Co. geprägte Gegenwart in all ihren Facetten mit uns macht – das betrachtet, benennt, belächelt und beschimpft Matthias Rürup auf sehr individuelle Art. Rürup zeigt sich dabei bunt gemischt – selbstironisch und selbstkritisch, problembewusst und hoffnungsfroh.

  • Matthias Rürup.
    Montag im WDG : Werkstattlesung mit Jandt, Baum und Rürup
  • Der Autor Timur Vermes.
    17. November 2022 : Timur Vermes liest aus seinem neuen Roman "U" vor
  • Anja Liedtke.
    Mit acht Autorinnen und Autoren : Dritte Buchmesse in Heckinghausen

Ob Dante das gefallen hätte? Ob er über das doch allzu niedliche Wort „Chefchen“ den Kopf geschüttelt hätte? Wer weiß?

Fest steht: Dieses aufwendig gestaltete 140-seitige Hardcover-Querformatbuch mit Fadenheftung ist mal etwas, das unbedingt aus dem Rahmen fällt. Daran bleibt man hängen.