Stück von Neil LaBute „Die Antwort auf alles“: Ein Psycho-Krimi-Kammerspiel

Wuppertal · Unter der Regie von Julia Wolff hatte jetzt „Die Antwort auf alles“ von Neil LaBute Premiere auf der „Insel“ überm Café Ada. Es geht um drei Frauen, die die gleiche Geschichte und dasselbe Ziel haben. Aber nein, haben sie nicht.

In „Die Antwort auf alles“ spielen sie die drei Freundinnen Cindy, Paige und Carmen: Camilla Jacob, Beate Rüter (links) und Anna Stahl (rechts).

In „Die Antwort auf alles“ spielen sie die drei Freundinnen Cindy, Paige und Carmen: Camilla Jacob, Beate Rüter (links) und Anna Stahl (rechts).

Foto: Anna Schwartz

Ganz und gar reduziert ist die Bühne, nur zwei Stühle und ein Tischchen mit Getränken. Ein Hotelzimmer. Cindy (Camilla Jacob) hat ihre Freundinnen Paige (Beate Rüter) und Carmen (Anna Stahl) dorthin sozusagen einbestellt. Die Ausstattung bleibt puristisch – rotes Kleid, roter Koffer, gelbes Kleid, gelber Koffer, blauer Hosenanzug, blauer Koffer.

Die Geschichte, die sich dann innerhalb von konzentrierten etwa 90 Minuten entfaltet, ist alles andere als puristisch. Etwas Schwerwiegendes verbindet die drei Frauen: Rache an denjenigen Männern, von denen sie früher sexuell belästigt (und mehr) wurden. Die Verabredung: Cindy, Paige und Carmen werden einen dieser Männer töten. Nicht den, der sie selbst missbraucht hat, sondern den einer der anderen.

Carmen und Paige haben diese Verabredung erfüllt. Cindy aber will nicht mehr. Anhand der moralischen Bedenken, die sie im Hotelzimmer formuliert, öffnet sich eine ganz neue Geschichte. Die anscheinend ähnlichen Erfahrungen der Frauen sind so ähnlich gar nicht. Die Folgen schwerwiegend. Am Ende verlässt Cindy das Zimmer, reist ab. Vorher hat sie sich umgezogen, damit sozusagen von den anderen abgesetzt. Der Schluss bleibt offen – mit Anna Stahl und etwas Musik auf der Bühne.

„Die Antwort auf alles“ ist ein dichtes Kammerspiel – stark geprägt von der Intensität seiner Darstellerinnen. Möchte man eine davon besonders herausheben? Muss man? Eigentlich nicht. Das Frauen-Trio spielt virtuos auf der Klaviatur von Kühle, Unsicherheit und Emotionalität. Und doch ein besonderes Lob: Anna Stahl als Carmen fesselt. Nicht nur, wenn sie den Mord, den sie begangen hat, minutiös und Gummihandschuhe tragend schildert.

Auch wenn sie davon erzählt, dass sie schon als siebenjähriges Mädchen missbraucht wurde, ist sie eine Botin der Finsternis. Man mag es nicht hören, kann jedoch die Ohren nicht abwenden. Sie hat eine Plüschkatze dabei, verkriecht sich in ihrem Koffer. Racheengel und zutiefst verletztes kleines Mädchen. Zum Zombie gemacht. Die Antwort auf alles?

Nur eine Handvoll Lichtwechsel und ein paar kleine Choreografien, die Ex-Pina-Bausch-Tänzerin Chrystel Guillebeaud erarbeitet hat, braucht dieses Stück. Weil es schon alles hat, was nötig ist: Camilla Jacob, Beate Rüter und Anna Stahl. Sie bringen Neil LaButes vielschichtigen Psycho-Krimi ganz nah ans Publikum.

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