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"Der kleine Lord" im Theater am Engelsgarten in Wuppertal

Theater am Engelsgarten : Der kleine Lord war „total cool“

Immer zur Weihnachtszeit flimmert „Der kleine Lord“ über die Fernsehbildschirme. Jetzt bietet das Theater am Engelsgarten eine geniale Alternative zu dem angestaubten TV-Drama – live und absolut familientauglich.

Wo soll man mit dem Lob anfangen bei einer Inszenierung, die alles bietet, was ein Theaterstück für Erwachsene und Kinder ausmacht? Vielleicht zunächst mit dem Hinweis, dass „Der kleine Lord“ von Regisseur Henner Kallmeyer mit dem gleichnamigen Film wenig zu tun hat. Und das ist gut so! „Das war total cool. Mir hat alles gefallen“, fasste die zehnjährige Caro nach der Aufführung ihre Begeisterung in Worte. Alles: Das meinte die Schauspieler („Die haben super gespielt“), die Kostüme, die Handlung und natürlich die Musik. Denn es gibt Livemusik, die von William Shaw eigens für die Wuppertaler Produktion komponiert und bei der Premiere von acht Musikern des Sinfonieorchesters (plus Piano) souverän umgesetzt wurde.

Aber zurück zum Stück, das auf einem Kinderbuch aus dem Jahr 1886 basiert: Titelfigur ist ein netter Junge namens Cedric (sympathisch-keck: Julia Meier), der mit seiner verwitweten Mama (Silvia Munzón López in mehreren Rollen) in New York lebt. Während sie arbeitet, hilft er im Laden von Mister Hobbs (wandlungsfähig: Martin Petschan) oder ist mit dem Schuhputzer Dick (Andreas Rother) unterwegs. Eines Tages taucht ein Herr auf (Konstantin Rickert, der später als Frau verkleidet seine komödiantische Seite zeigt), der Cedric zu seinem Opa nach England bringen soll.

Der Großvater (ebenfalls Martin Petschan) ist ein grummeliger Graf. Aber Cedric schafft es, den Alten zu erfreuen und das Leben seiner Untergebenen zu verbessern. Auf der (Dreh-)Bühne geht’s lustig zu, teils sogar schrill. So sitzt Mister Hobbs mit großer Nase in einem zum „Gemischtwarenladenwagen“ umfunktionierten Einkaufswagen. Ein glücklicher Einfall von Bühnenbildnerin Franziska Gebhardt, denn so können die Szenen im Laden ohne großen Umbau gespielt werden. Die Figuren sprechen zunächst wenig. Wie im Stummfilm übernimmt es die Musik, Gefühle oder Gespräche auszudrücken. Große Gesten, viel Mimik und karikaturartige Kostüme und Masken verstärken diesen Charakter.

Lob an dieser Stelle für die Maskenbildnerei. Der Regisseur hat das Stück in die 60er Jahre verlagert. Das ist weit genug weg vom Heute und gleichzeitig noch nah genug dran. Zum Schluss bekommt „Der kleine Lord“ noch einen Hauch von Krimi, Western und Travestieshow. Es gibt ein glückliches Ende. Und wenn die Mikrofone in den letzten zwei Minuten ein wenig lauter gestellt würden, damit man die Dialoge verstehen kann, die sonst in der Musik untergehen, dann wäre alles perfekt.