Wuppertaler Autorin Natascha Klausing Zwei verletzte Seelen, die sich erkennen

Wuppertal · Einfühlsam nähert sich Autorin Natascha Klausing aus zwei jungen Perspektiven dem Thema Depression.

Die Erzieherin Natascha Klausing, die auf dem Dönberg lebt, hat ein Buch zum Thema Depression geschrieben.

Foto: Manfred Bube

Plötzlich funktioniert Alinor nicht mehr. Sie meldet sich krank und sucht nach der Ursache für diese Dunkelheit, die sich wie eine schwere Decke über ihre Seele gelegt hat. Ilvy ist ein trauriges Kind, von der Mutter verlassen und voller Sehnsucht nach einer heilen Welt. Als beide sich begegnen, erkennen und helfen sich verletzte Seelen.

In Deutschland leiden etwa zwölf Prozent der Bevölkerung unter Depressionen. Einer Krankheit von unbestimmter bis chronischer Dauer, die sowohl biologische als auch psychosoziale Ursachen haben kann. Und oft schwer zu erkennen ist, weil sie sich im Inneren abspielt und die Symptome vom sozialen Rückzug über körperliche Beschwerden bis hin zu Verhaltensänderungen reichen.

Natascha Klausing, Jahrgang 1996, nähert sich in ihrem Erstlingswerk behutsam dem Thema. Einfühlsam und verständnisvoll zeigt die ausgebildete Dönberger Erzieherin, welche Ursachen in eine Depression führen können. Beeindruckend dabei ist ihre Wortwahl. Klar und mit kurzen Sätzen beschreibt sie die Entwicklung bei Alinor und Ilvy, die ambivalenten Reaktionen des jeweiligen Umfeldes, die mal erschweren, mal aber auch helfen.

„Zwischen Kreide und Glas – Wenn das Schweigen spricht“ beleuchtet aus zwei Perspektiven, wie Schatten das Dasein verdunkeln: Alinor, als sie plötzlich merkt, dass sie ihre Vergangenheit scharfkantig und zerbrechlich wie Glas in sich trägt. Ilvy, die, still in ihrer Einsamkeit gefangen, mit Kreidezeichnungen in die Welt flieht, nach der sie sich sehnt.

Als beide Protagonistinnen sich treffen, führen sie vorsichtige Dialoge, bei denen zwischendurch das Schweigen mehr sagt als Worte, zu einem wechselseitigen Verständnis, das Halt gibt – und eine positive Perspektive für die Zukunft öffnet.

Natascha Klausings Buch, geschrieben in einer bemerkenswert ausdrucksstarken Sprache, schafft ein nachhaltiges Verständnis für den Ausnahmezustand Depression – und für den Umgang damit.