Helios erwidert Dedanwala: Verzerrtes Bild

Klinikum: Helios erwidert Dedanwala: Verzerrtes Bild

Vera Dedanwala, die ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende der Städtischen Kliniken, sparte nicht mit Kritik am Helios-Klinikum im Rundschau-Interview vor zwei Wochen.

Dessen Ärztliches Direktorium, Prof. Dr. med. Rudolf Leuwer und Prof. Dr. med. Petra Thürmann, widersprechen den Vorwürfen vehement in einem offenen Brief, den wir in Auszügen abdrucken.

"Ihr Interview haben wir sehr aufmerksam gelesen und möchten uns vorab für Ihr nach wie vor großes Interesse an unserem Haus bedanken. Gleichzeitig macht es uns sehr betroffen, auf welcher Grundlage hier der Arbeitsplatz und der Arbeitgeber von mehr als 2.000 großartigen Kolleginnen und Kollegen herabgewürdigt wird. Vor diesem Hintergrund möchten wir auf einige Ihrer Kritikpunkte näher eingehen, die in der Summe ein sehr verzerrtes Bild zeichnen. Auch bilden viele Ihrer Informationen nicht den aktuellen Stand ab, über den wir Sie gerne in Kenntnis setzen.

Zum Zeitpunkt der Übernahme durch die Helios Kliniken-Gruppe waren viele Gebäudeteile in einem baulich sehr schlechten Zustand. Der Investitionsstau war alles andere als aufgelöst. Nicht zuletzt diese Bürde war Anlass zur Privatisierung. In der Tat ist es Helios gelungen, renommierte Chefärzte für das Haus zu gewinnen. Vor diesem Hintergrund verwundert Ihre Aufzählung, in der Sie angeben, diverse Ärzte seien noch zu Stadt-Zeiten gewonnen worden, da einzig die Verpflichtung von Herrn Prof. Roth vor der Übernahme durch Helios erfolgt war.

Auch ein ,offensichtliches Umdenken', das sich Ihrer Meinung nach mit dem Verkauf der Helios-Gruppe an Fresenius in 2005 eingestellt habe, ist nicht erfolgt. Wir arbeiten nach wie vor im Sinne unserer Patienten mit dem Ziel, beste Medizin und Pflege für die ganze Region anzubieten.

In der Tat befinden sich Krankenhäuser in einem — auch durch die Gesundheitspolitik geförderten — Wettbewerb miteinander. Unabhängig davon war die Etablierung einer Neurochirurgie an einem Haus der Maximalversorgung aus unserer Sicht damals dringend geboten, nicht zuletzt, weil sie zu einem "Traumazentrum Level I, wie wir es zur Versorgung Schwerverletzter betreiben, zwingend dazugehört. Im Gegenzug hatte unser damaliger Kooperationspartner Bethesda dann eine eigene Neurologie eingerichtet. Der von Ihnen kritisierte Wettbewerbsgedanke ist also auf beiden Seiten erkennbar.

Die von Ihnen reklamierte Endoprothetik (Spezialisierung auf Gelenkersatz) wurde bereits vor Jahren unter Herrn Prof. Dávid in Wuppertal etabliert und durch die Gründung der ENDO-Klinik mit dem Chefarzt Dr. Thomas Kreibich inhaltlich und strukturell modernisiert. Auch hier stehen wir in Konkurrenz zu Mitbewerbern, wir haben aber alle eine ausreichende Nachfrage zu bedienen.

Prof. Ulrich Sommer, Chefarzt HNO. Foto: Helios

Nach dem Ausscheiden von Herrn Prof. Hartmut Gülker vor rund zehn Jahren (!) wurde die Kardiologie unter der chefärztlichen Leitung seines Nachfolgers, Herrn Prof. Melchior Seyfarth, nach dem Vorbild der TU München vollkommen neu aufgestellt. Der Schwerpunkt 'Herzkatheter' wurde durch die beiden neuen Sektionen 'Elekrophysiologie/Rhythmologie' sowie 'Versorgung struktureller Herzerkrankungen' richtungsweisend ergänzt und weiterentwickelt. In beiden Bereichen gehört die Kardiologie in Elberfeld heute zu den führenden Zentren in Deutschland. Diese Weiterentwicklung ist trotz der aufkommenden Konkurrenz in Wuppertal erfolgreich gelungen.

Gerne möchten wir Ihre und auch die öffentliche Wahrnehmung der Chefarztwechsel an unserem Haus einmal kommentieren: Richtig ist, dass einzelne ausgewiesene Fachleute das Haus verlassen haben, das gehört wie in jedem Unternehmen dazu. Zugleich haben wir viele neue Chefärzte für Wuppertal gewonnen, die alle aus großen und renommierten Einrichtungen, in der Regel Universitätskliniken, kommen und neue Expertise sowie ein hohes Maß an Know-how mit ans Haus bringen.

Auf die von Ihnen erwähnten Personalien möchten wir im Einzelnen eingehen: Prof. Stephan Roth (Urologie), Prof. Hubert Zirngibl (Chirurgie) und Prof. Melchior Seyfarth (Kardiologie) werden auch in den nächsten Jahren weiter am Klinikum tätig sein. In der Hautklinik steht der reguläre Ruhestand von Chefarzt Prof. Percy Lehmann bevor. Er wird der Klinik dennoch weiterhin als so genannter 'Senior Consultant' in beratender Funktion erhalten bleiben. Seine Chefarztposition wird neu besetzt, das ordentliche Berufungsverfahren ist gerade in der zweiten Phase. Die Bewerber auf diese Stelle zählen zu den renommiertesten Hautärzten der Republik.

Für die Chefarztposition in der HNO-Klinik kam mit Prof. Ulrich Sommer im Juli 2018 ein Spezialist von der Universitätsklinik Mannheim nach Wuppertal. Zur gleichen Zeit konnte auch für die Neurologie mit Priv.-Doz. Dr. Juraj Kukolja von der Universitätsklinik Köln ein in Fachkreisen sehr anerkannter Spezialist gewonnen werden, der zum Beispiel eine besondere Expertise im Bereich Demenz mitbringt. Neurologie, Stroke-Unit und Herzzentrum sind also keineswegs, wie von Ihnen falsch dargestellt, chefärztlich verwaist.

In der Augenklinik beschäftigen wir gleich drei Chefärzte, die das Versorgungsspektrum vollständig abdecken, selbstverständlich auch den hinteren Augenabschnitt.

Mit der chefärztlichen Tätigkeit von Prof. Farhad Bakhtiary verfügt das Herzzentrum über einen der ausgewiesenen Experten in der minimalinvasiven Herzchirurgie. In diesem Zusammenhang von ,Teilzeitkräften aus Nachbarstädten' zu sprechen, weisen wir entschieden zurück. Prof. Bakhtiary verfügt in Wuppertal über ein kompetentes Team, bestehend aus den bisherigen Mitarbeitern der Herzchirurgie und neu hinzugewonnenen Experten, wie beispielsweise in der Kardioanästhesie mit dem neuen Chefarzt Dr. Peter Noetges.

Prof. Farhad Bakhtiary, Chefarzt der Herzchirurgie. Foto: Helios

Dadurch können Patienten auch in Wuppertal heute von den innovativsten Verfahren profitieren. In der Tat haben wir damit in Elberfeld einen Paradigmenwechsel vollzogen, denn gerade unsere schwerstkranken Herzpatienten profitieren von den Möglichkeiten der minimalinvasiven Herzchirurgie.

Seit Dezember sind ferner mit Priv.-Doz. Dr. Mansur Duran in der Gefäßchirurgie und Prof. Dr. Erol Gercek in der Unfallchirurgie zwei weitere Spitzenmediziner mit Erfahrungen in Forschung und Lehre an unser Haus gekommen.

Wir hoffen sehr, dass wir Ihre Sorgen um das Renommee unserer medizinischen Führungskräfte damit ausräumen konnten. Unser Anspruch ist eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung. Wir dürfen Ihnen also versichern, dass es ein Zurück zu alter Intransparenz in puncto Qualität mit uns nicht geben wird.

Selbstverständlich ist eine langjährige Kontinuität in der Klinikleitung immer wünschenswert. Diese war unter städtischer Leitung allerdings auch nicht gegeben, zwischen 1996 und 2005 hatte das Klinikum allein sechs Geschäftsführer. Wir freuen uns deshalb, dass wir mit Herrn Dr. Holger Raphael einen ebenso erfahrenen wie besonnenen Geschäftsführer für diese Position gewinnen konnten.

Zum Schluss erlauben Sie uns noch eine Bemerkung, die uns gerade für unsere hochengagierten Mitarbeiter sehr am Herzen liegt: Sie sagen: ,Verunsichertes Pflegepersonal, das Kündigungen befürchtet, verunsichert auch mögliche Patienten'. Mit solchen Aussagen verunsichern leider Sie unnötig und unqualifiziert unsere Mitarbeiter und mögliche Bewerber.

Es ist uns ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass hinter unserem Krankenhaus das persönliche Engagement vieler Kolleginnen und Kollegen steht, die täglich ihr Bestes geben. Und die verdienen abseits aller politischen Kampagnen unseren allergrößten Respekt."

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