1. Corona Virus

Wuppertal - Crowdfunding: Mit Spenden die Lieblings-Kneipe retten

Wirtschaften setzen auf Crowdfunding : Mit Spenden die Lieblings-Kneipe retten

Das Corona-Virus hat unser soziales Leben lahmgelegt. Wer besonders leidet, sind diejenigen, die finanziell von sozialen Aktivitäten profitieren. Dazu zählen Wuppertaler Gastronomen und Kneipenbesitzer. Um die lokalen Schankwirtschaften zu retten, haben einige Wirte oder ihre Stammgäste Spenden-Kampagnen gestartet.

Wie wird Wuppertals Kneipen- und Restaurant-Landschaft nach der Krise aussehen? Welche Wirtschaft wird die Corona-Pandemie überstehen? Gastronomen, die über Mittel und Mitarbeiter verfügt, haben ihren Betrieb zum Teil als Take-Away oder Lieferdienst neu eröffnet (hier finden Sie einen Überblick). Für Kneipenwirte ohne Gastronomie-Angebot ist das nicht immer eine Option.

Die Kneipe Köhlerliesel im Luisenviertel, bekannt und geliebt für ausgefallene Schnaps-Kreationen, bietet ein „Quarantäne-Schnaps-Paket“ für Zuhause an. Bestellt werden kann über Social Media oder per Mail an info@zumkoehlerliesel.de und der „Käsekuchen-Schnaps“ oder der „Mexikaner“ wird dann in den eigenen vier Wänden gekippt. Wer nicht alleine zu Hause trinken möchte, für den hat das Köhlerliesel eine Crowdfunding-Kampagne über die Plattform gofundme.com eingerichtet. Jede nicht anonyme Spende ist gleichzeitig ein Gutschein für den nächsten Kneipenbesuch. (Hier geht es zum Köhlerliesel-Crowdfunding.)

Das beatzundkekse setzt ebenfalls auf Crowdfunding, allerdings über die Plattform startnext.com. Egal ob das Spendenziel erreicht wird oder nicht, der Betrag wird den Kneipen-Betreibern ausgezahlt. Also Dankeschön gibt es wahlweise in Spendenhöhe einen Getränkegutschein, ein T-Shirt oder eine Schnaps-Verkostung. (Hier geht es zum beatzundkekse-Crowdfunding.)

In der Wirtschaft Spunk an der Flensburger Straße sind die treuen Stammgäste in Aktion getreten und haben für Inhaber Andreas Kluczynski „aka Andi“, der seit 25 Jahren die Kult-Kneipe führt, eine Spendenkampagne eingerichtet. „Für viele im Kiez ist das Spunk zu einem zweiten Wohnzimmer geworden und man trifft sich seit jeher zum Klönen, Kartenspielen, Fußball Schauen. Damit das auch in Zukunft der Fall ist und Wuppertal auch in den nächsten 25 Jahren dieses wunderbare Kleinöd erhalten bleibt, bitte ich alle Spunk Verbündeten, Andi in der aktuellen Lage zu helfen“, schreibt Johannes Butterweck, der Organisator der Aktion, in der bereits über 5.700 Euro zusammengekommen sind. Spunk-Gutscheine für eine Spende oder unabhängig vom Crowdfunding gibt es nicht zu kaufen. Dazu sagt Andreas Kluczynski: „Wenn ich dann mal wieder den Laden voll habe und zum Feierabend die Kasse voller Gutscheine ist, wovon soll ich dann das Personal, neue Waren, die Miete etc. bezahlen? Aus diesem Grunde möchte ich keine Gutscheine für 'danach' anbieten.“ (Hier geht es zum Spunk-Crowdfunding.)

Den Spenden-Rekord knackt aktuell das Café du Congo. Wirt Achim Brand hat die Crowdfunding-Kampagne selbst ins Leben gerufen. Innerhalb von 6 Tagen sind bereits über 10.000 Euro eingegangen. Jede Spende, so Brand, sei ein Gutschein, der nach Öffnung des Lokals eingelöst werden kann. (Hier geht es zum Café du Congo-Crowdfunding.)

„Wir als Start-Up haben gerade erst angefangen, schwarze Zahlen zu schreiben, und dann das – 16 Monate Herzblut und jede Menge Privatinvestitionen stehen auf der Kippe“, heißt es von der Brokat Bar im Arrenberg. „Kauft Gutscheine, spendet oder tretet dem Brokat Club bei“, fordert Inhaber Dirk Breidenbruch seine Gäste auf. Gespendet oder ein Gutschein erworben werden kann über die Crowdfunding-Plattfrom gofundme.com. Die Mitgliedschaft im Brokat Club kostet 120 Euro, beginnend mit der Wiedereröffnung. (Hier geht es zum Brokat Bar-Crowdfunding.)

Bleiben wir im Arrenberg: Das Simonz, selbst bezeichnet als „Keimzelle der Arrenberger Quartiersbewegung“ mit dem „vielleicht schönsten Biergarten der Stadt“ setzt ebenfalls auf Crowdfunding mit Gutschein gegen Spende (oder auch Spende ohne Gutschein) und legt dabei seine Finanzen offen auf den Tisch: „6.400 Euro im Monat können uns retten. Für die Miete, Nebenkosten, Krankenkasse und die Grundexistenz des Teams und der Pächterin Sonia mit ihren drei Kindern. So lange noch keine offiziellen Hilfsprogramme greifen, sind wir auf Euch angewiesen.“ Bisher sind für das Simonz knapp 2.000 Euro zusammengekommen. (Hier geht es zum Simonz-Crowdfunding.)

Zurück ins Luisenviertel: Für die Luise Bar & Café hat sich Stammgast Martin Rittau ins Zeug gelegt. „Ich möchte so gern nach Corona wieder mein Mühlen-Kölsch in der Luise trinken. Meine Tochter liebt die Currywurst und den KiBa-Saft und meine Frau genießt die Abende mit ihren Mädels in der Luise“, erklärt er. Auf gofundme.com hat er eine Spenden-Seite eingerichtet. In zwei Tagen sind 1.500 Euro zusammengekommen – mit Luft nach oben! (Hier geht es zum Luise-Crowdfunding.)

Der King‘s Head Pub setzt auf Kneipen-Take-Away. Von 12 bis 22 Uhr, mittwochs bis samstags können nach Vorbestellung unter 0170 487 6841 die üblicherweise in der Kneipe verzehrten Getränke (ausgefallene Biersorten, Cider) und die typischen King’s Head Pub Speisen in der Friedrich-Ebert-Straße 77 abgeholt werden.

Der Verein Utopiastadt, beheimatet im Mirker Bahnhof, der unter anderem das Café „Hutmacher“ betreibt, setzt wiederum auf Crowdfunding. „Utopiastadt ist ein Ort, der Menschen zusammenbringt, am Gemeinwohl arbeitet und die Stadt verändert.Dieser Ort ist vom Shutdown besonders betroffen, da durch die Schließung der Räume und Flächen essentielle Einnahmen durch Miete und Veranstaltungen ausfallen. Das bedroht sowohl den weiteren Betrieb als auch die Finanzierung der Flächen, die Utopiastadt im vergangenen Jahr mit Hilfe eines Kredits für die Stadtgesellschaft sichern konnte“, schreiben die Initiatoren. Über die Plattform startnext.com kann gespendet werden, die gesamte Spendensumme wird an den Verein ausgezahlt. (Hier geht es zum Utopiastadt-Crowdfunding.)

Ihre Lieblings-Kneipe ist nicht dabei? Dann besuchen Sie doch einfach mal die entsprechende Webseite und schauen, ob der Wirt sich bereits eine Aktion zur Rettung seiner Wirtschaft ausgedacht hat. Falls nicht, starten Sie doch einfach selbst eine Spenden-Kampagne für Ihr zweites Wohnzimmer…