Wuppertaler „Grüntal“: Fachkräftemangel mit Inklusion begegnen

Menschen mit Behinderung : „Grüntal“: Fachkräftemangel mit Inklusion begegnen

Zu den größten Inklusionsunternehmen Wuppertals zählt die „Grüntal“. Das Unternehmen des GESA-Verbunds bietet Dienstleistungen rund um Garten- und Landschaftsbau, Gebäudereinigung sowie Malerarbeiten. Etwa 40 Prozent der Mitarbeiter besitzen eine Behinderung.

In Deutschland leben rund zehn Millionen Menschen mit einer Behinderung, davon gelten mehr als 7,6 Millionen als schwerbehindert. Rund 72 Prozent der Menschen mit Behinderung befinden sich im erwerbsfähigen Alter. Trotz wachsenden Fachkräftemangels verläuft die berufliche Inklusion aber schleppend – nur einem Bruchteil der Menschen gelingt der Einstieg auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. So genannte Inklusionsunternehmen können eine Brückenfunktion einnehmen. Sie agieren zwar wirtschaftlich am ersten Arbeitsmarkt, bieten Menschen mit Behinderung aber besondere Hilfestellungen.

Einer von ihnen ist der 30-jährige Andreas Judkevic. Mit Klebband, Pinsel und Farbe steht er mit seinen Kollegen in einer renovierungsbedürftigen Wohnung. Seit zwei Jahren absolviert er bei „Grüntal“ eine Ausbildung zum Maler- und Lackierer. Vor der Ausbildung arbeitete er in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. „Die Werkstatt war gar nichts für mich. Da kam ich nicht zurecht. Deshalb war ich froh, als sich eine andere Möglichkeit ergab“, erzählt Judkevic.

In einer Einstiegsqualifizierung wurde er auf die Anforderungen des ersten Arbeitsmarkts vorbereitet: „Natürlich war der Anfang schwer, wenn man etwas Neues anfängt und nicht genau weiß, was auf einen zukommt.“ Sein Ausbilder Rainer Fichtner, Malermeister im GESA-Verbund, ist mit dessen Leistungen vollkommen zufrieden. „Andreas Judkevic ist mit großer Motivation bei der Sache. Die Vielfältigkeit der Ausbildung macht ihm sichtlich Freude. Natürlich kommt es manchmal auch zu Reibereien mit den Kollegen – aber das ist normal und war bisher immer lösbar.“

Andreas Judkevic bei der Arbeit. Foto: GESA

Judkevic hat es geschafft. Viele andere noch nicht. Obwohl die Arbeitslosigkeit in der Gesamtbevölkerung gesunken ist, steigt gleichzeitig die Anzahl der Arbeitssuchenden unter Menschen mit Behinderung stetig an. Wenn Unternehmen erst einmal so weit sind und ihnen Leistung zutrauen, ist die größte Hürde eigentlich schon genommen – scheinbar „unüberwindbare Schwierigkeiten“ bei der Integration von Menschen mit Behinderung können häufig durch technische und pädagogische Unterstützung gelöst werden. Inklusionsunternehmen wie „Grüntal“ machen sich diese ungenutzten Talente und Potenziale zu Nutze.

Unterm Strich bleibt ein Gewinn für alle Beteiligten: für das Unternehmen, die Kollegen, die Kunden und natürlich für den neuen Mitarbeiter. „Es ist mir wichtig, später selbst mein Geld verdienen und auf eigenen Füßen stehen“, beschreibt Andreas Judkevic seine Motivation und unterstreicht damit auch die gesamtgesellschaftliche Bedeutung von Inklusion.

Ein visuelles Meldesystem macht diesen Rasenmäher auch für gehörlose Mitarbeiter nutzbar. Foto: GESA

Bei der gemeinnützigen „Grüntal“ arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung ganz selbstverständlich zusammen. 2013 als Inklusionsunternehmen gegründet, führte die „Grüntal“ zunächst Garten- und Landschaftsbauarbeiten durch. In den vergangenen Jahren kamen Fachleistungen im Malerhandwerk sowie Renovierungs- und Reinigungsarbeiten hinzu. Das Unternehmen beschäftigt 15 Mitarbeitende mit und ohne Behinderung. Als Ausbildungsbetrieb begleitet die „Grüntal“ junge Menschen auf dem Weg ins Arbeitsleben –mit oder ohne Handicap.

„Grüntal“ ist vom Landschaftsverband Rheinland anerkannt, gefördert durch die „Aktion Mensch“ und wird von den pädagogischen Fachkräften des Schwesterunternehmens GESA unterstützt. Diese Mischung soll ein ausgezeichnetes Arbeitsumfeld aus Leistungsbereitschaft, Fairness und gegenseitiger Wertschätzung schaffen.

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