Kleiderladen Wichlinghauser Straße Kinderschutzbund: Weil es gebraucht wird

Wuppertal · Nachdem der Kleiderladen des Kinderschutzbundes in der Laurentiusstraße geschlossen wurde, droht dies auch dem Geschäft an der Wichlinghauser Straße. Doch die Ehrenamtlichen wehren sich.

 Ilke Gieseler, Petra Pfeffer, Christa Engelmann und Renate Suhre (von links) arbeiten ehrenamtlich – und mit Begeisterung – im Kleiderladen an der Wichlinghauser Straße.

Ilke Gieseler, Petra Pfeffer, Christa Engelmann und Renate Suhre (von links) arbeiten ehrenamtlich – und mit Begeisterung – im Kleiderladen an der Wichlinghauser Straße.

Foto: Rundschau/kom

„Kleider machen Leute“, wusste Gottfried Keller, der einer 1874 veröffentlichten Novelle diesen Titel gab. Und das wissen auch diejenigen, die ehrenamtlich in den Kleiderläden des Kinderschutzbundes (KSB) arbeiten.

In dem Geschäft an der Wichlinghauser Straße ist stets viel los: Immer wieder kommen Eltern, um mit oder ohne ihre Kinder Kleidung zu kaufen. Sie schieben die Bügel mit den kleinen T-Shirts und Jacken zur Seite, um sich die Waren anzusehen, begutachten Schühchen und schauen sich Spielzeug an, das vielleicht für den Nachwuchs in Frage kommt. Hinter dem Kassentresen sortieren vier Verkäuferinnen die Kleiderspenden, die sie dann mit sehr kleinen Preisen beschriftet aufhängen.

Doch vielleicht sind die Tage dieses Kleiderladens des Kinderschutzbundes bald gezählt, erklärt Ilka Gieseler. Sie ist schon einige Jahre als ehrenamtliche Verkäuferin im Geschäft tätig, hat dabei sehr viel Spaß, und ist sowohl traurig als auch wütend darüber, dass die KSB-Kleiderläden in Wuppertal weniger werden. Zuletzt hat der Kinderkleiderladen in der Laurentiusstraße schließen müssen. „Sie werden ja gebraucht – vor allem hier in dieser Gegend.“

Als Grund gibt die Wuppertalerin die gestiegenen Preise vor allem für Miete und Nebenkosten an. Aber durch die Inflation wird das Leben für die Kundschaft der Kleiderläden auch teurer, sodass sie auf das Angebot des Kinderschutzbundes angewiesen sind.

Ilka Gieseler vermutet, dass die Läden früher, als die Kosten noch geringer waren, so hohe Einnahmen erzielten, dass dadurch andere KSB-Angebote finanziert wurden. Noch immer nehme der Laden mehrere tausend Euro ein – dementsprechend viele Kleidungsstücke werden in dem Geschäft verkauft. Ilka Gieseler nimmt an, dass der Laden kein Minus macht, schließlich sind die 20 Mitarbeitenden ehrenamtlich im Einsatz.

Kerstin Holzmann, Geschäftsführerin des Wuppertaler Kinderschutzbundes, erklärt aber, dass das eben nicht stimmt: „Wenn vom Umsatz des Kleiderladens die Kosten runter sind, bleiben nur Miese übrig.“ Kerstin Holzmann bedauert es sehr, den Laden in Wichlinghausen schließen zu müssen, denn dort werde er auf jeden Fall gebraucht. Außerdem leiste die gebrauchte Kleidung einen positiven Beitrag zum Klimaschutz, da weniger neue Sachen produziert werden müssen, und durch das viele Waschen sind auch die Giftstoffe bereits aus der Kleidung raus. Aber: Wenn der Wuppertaler Ortsverband weitermachen will, muss er sparen. Der Laden wird nach Aussage von Kerstin Holzmann geschlossen, um den Kinderschutzbund für Wuppertal zu erhalten.

Entstanden sei die schwierige Lage des Vereins durch die Nachwirkungen von Corona: Viele Ehrenamtliche seien nach den Lockdowns weggefallen, von 250 sind nur 120 übrig. Die Läden können oft nur halbtags öffnen, wodurch weniger Geld hereinkommt. Zudem seien die Löhne und damit die Kosten gestiegen.

Kerstin Holzmann nennt einen weiteren Grund: Es gibt weniger Spenden, durch die sich der Verein finanziert. Viele spendeten inzwischen an die Opfer der Kriege und Katastrophen – „was ja auch richtig ist“ –, aber dadurch fielen eben die Spenden für den Kinderschutzbund weg.

Die Geschäftsführerin lobt das Engagement der Ehrenamtlichen im Wichlinghauser Kleiderladen, die auch Vorschläge zum Erhalt des Geschäfts gemacht haben. Viele der Ehrenamtlichen seien bereits seit neun Jahren aktiv, seitdem der Laden in Wichlinghausen (damals noch an der Kirche) eröffnet wurde. Ilka Gieseler kennt die Kundschaft zum Teil seit der Geburt der Kinder, hat sie aufwachsen sehen. Sie würde gern weiter im Laden Kleidung für Kinder und Erwachsene verkaufen, auch der Rest des Teams will die Arbeit fortsetzen.

Leider war die Entscheidung, den Laden zu schließen, bereits gefallen, als die Vorschläge eingingen, sagt Kerstin Holzmann. Die gemieteten Räume sind gekündigt, im Herbst werde das Geschäft in Wichlinghausen geschlossen. Es handele sich um eine bedauerliche Maßnahme zur Rettung des Kinderschutzbundes in Wuppertal – und die Läden an der Schloßbleiche („Zum kleinen Elefanten“) und an der Laurentiusstraße sollen erhalten bleiben. Denn der Bedarf ist da.

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