Vor 50 Jahren sind Sie als Pfarrer ordiniert worden. War das Ihr Traumberuf?
Fuchs: „Der Wunsch, Pfarrer zu werden, ist bei mir schon früh entstanden. Kirchlich geprägt haben mich meine Kindheit im Rheinland und die Jahre bei meinen Großeltern in einem oberbergischen Weiler. Dort spielte die Kirche im Dorfleben eine wichtige Rolle. Besonders die Sonntagsschule hat mich angesprochen und meine religiöse Entwicklung beeinflusst. Später war ich unter anderem im Jugend-Cabaret meiner Kirchengemeinde und im Kindergottesdienst-Helferkreis aktiv. Allerdings wollte ich nie so ein Pfarrer werden, wie ich ihn im Konfirmationsunterricht kennengelernt hatte – mit so einem Pfarrherrengehabe.“
Sie interessieren sich auch sehr für Sprachen. Kam Ihnen das im Theologiestudium zugute?
Fuchs: „Ich denke schon, denn Sprachen haben mich früh fasziniert. Ich habe in Wuppertal, Heidelberg und Münster studiert. Neben Latein, Griechisch und Hebräisch habe ich mir weitere Sprachen weitgehend selbst angeeignet – auf Reisen, mit Büchern und Sprachlernkassetten. Als ich dann im Vikariat in Münster mit Gastarbeitern gearbeitet habe, waren meine Spanisch- und Italienischkenntnisse sehr hilfreich. Danach bin ich erstmal für ein Studienjahr zu den Waldensern nach Rom gegangen, der reformiert geprägten evangelischen Kirche in Italien. Dort ergaben sich gelegentliche Predigtvertretungen und dann drei Monate Vakanzvertretung in der deutsch-lutherischen Gemeinde.“
Vor genau 50 Jahren wurden Sie als Pfarrer ordiniert. Wo waren Sie damals?
Fuchs: „Meine erste Pfarrstelle hatte ich am Niederrhein, in Drevenack im Kirchenkreis Wesel. Dort wurde ich am 20. Juni 1976 in der Dorfkirche ordiniert. Und dort ist unsere älteste Tochter geboren. Nach sieben Jahren hat es mich mit meiner Familie aber dann wieder aus Deutschland in die Welt gezogen, und zwar nach Edinburgh in Schottland.
Der Dienst war mit den vielen Fahrten in die anderen deutschsprachigen Gemeinden Schottlands und nach London, wo der Synodalrat tagte, immer wieder herausfordernd. Aber ich habe in den sieben Jahren meiner Tätigkeit unglaublich viele ökumenische und private Kontakte bekommen. Unsere beiden jüngeren Kinder wurden in Edinburgh geboren.“
Von Schottland nach Wuppertal – wie kam es dazu?
Fuchs: „Die Arbeitssuche in Deutschland war damals schwierig: Die Kirchenleitung suchte Personal, um schwierige Stellen zu besetzen, und hat nicht nach besonderen Fähigkeiten von Rückkehrenden aus dem Auslandsdienst gefragt. Als ich mich in der damaligen Gemeinde Unterbarmen-West vorstellte, erlebte ich aber großes Interesse an meiner bisherigen Tätigkeit in Schottland und Großbritannien. Die Mitarbeitenden dort haben mich regelrecht „gelöchert“. Da fühlte ich mich sehr ernst genommen.“
Welche Schwerpunkte haben Sie in der Gemeindearbeit gesetzt?
Fuchs: „Familiengottesdienste, Hausbesuche, Kinder- und Bildungsarbeit sowie Reisen mit kirchlichem und kulturellem Schwerpunkt. Besonders wichtig war mir die Gründung einer Stiftung, aus der später die ,Stiftung Netzwerk Unterbarmen‘ hervorging. Kreiskirchlich habe ich mich in Wuppertal vor allem für den christlich-islamischen Austausch engagiert, da ich mich schon seit Teenager-Tagen mit dem Islam und der arabischen Sprache beschäftigt hatte.
In meinem Ruhestand habe ich dann 2015 unser wöchentliches Café für Zugewanderte und Geflüchtete mitaufgebaut und bin seitdem mitverantwortlich, was sehr herausfordernd ist. So bietet das Leben immer etwas Neues.“
Wie viele Sprachen sprechen Sie eigentlich?
Fuchs: „Ich habe sie nie gezählt, aber ich kann mich in allen Sprachen Westeuropas (ohne Skandinavien) sehr gut verständigen. Die größte Herausforderung war eine Trauung in Turin, die ich in vier Sprachen mit der Festgemeinde gefeiert habe, um wirklich die aus allen Ecken der Welt angereisten Gäste mitzunehmen.“
Wenn Sie auf 50 Jahre Pfarrdienst zurückblicken – was zieht sich wie ein roter Faden durch Ihr Leben?
Fuchs: „Die Freude an Begegnungen. Ob in Deutschland, Schottland oder Italien: Kirche lebt davon, Menschen zusammenzubringen und Brücken zwischen Kulturen, Sprachen und Generationen zu bauen.“