„Und was machen Sie so?“ – kaum eine Frage fällt beim Kennenlernen früher. Wer wir sind, beantworten wir fast immer mit dem, wofür wir bezahlt werden. Der Abend nimmt genau diese Selbstverständlichkeit auseinander.
Denn selbstverständlich ist sie nicht. In der Antike galt körperliche Arbeit als Mühsal, die man denen überließ, die keine Wahl hatten. Die Bibel kennt sie im Buch Genesis als Fluch. Erst mit der Reformation wird aus dem bloßen Broterwerb ein „Beruf“ – ein Wort, in dem die Berufung noch mithört. Und erst die Industrialisierung macht daraus die Leistungsgesellschaft, in der Arbeit nicht nur Einkommen, sondern Status, Struktur und Identität liefert. „Der Arbeitsbegriff, den wir für natürlich halten, ist ein historisches Produkt“, sagt Gastgeber Heiko Schnickmann. „Er hätte auch anders ausfallen können.“
Und was ist mit der Arbeit, die nicht für Lohn gemacht wird? Kinder großziehen, Angehörige pflegen, den Verein am Leben halten, den Haushalt führen, die eigene Steuererklärung machen? Sie hält Gesellschaft zusammen, taucht aber in keiner Statistik als Wertschöpfung auf. Wer sie leistet, gilt schnell als jemand, der „nicht arbeitet“. Auch das ist eine Frage des Abends: Wen meinen wir eigentlich, wenn wir von Arbeitenden sprechen?
Der „Denk.Raum.Wiki“ ist kein Expertenforum und keine Podiumsdiskussion. Ein kurzer Impuls von höchstens zehn Minuten eröffnet den Abend – danach gehört das Gespräch den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. „Ich bin kein Experte für die Themen, die ich auswähle. Ich interessiere mich für sie. Und dann rede ich möglichst wenig und die anderen möglichst viel“, so Schnickmann. Das Format versteht sich als „dritter Ort“: ein Raum jenseits von Zuhause und Arbeit, an dem Begegnung ohne besonderen Anlass möglich ist. Vorkenntnisse sind ausdrücklich nicht nötig, eine Anmeldung ebenso wenig.
Der „Denk.Raum.Wiki“ wird von niemandem gefördert und verfolgt keine institutionelle Agenda. Die Diakonie Wuppertal stellt den Raum zur Verfügung und beteiligt sich an den Druckkosten. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.