Quadratur des Ölbergfestes?

Weil der überregionale Erfolg und enorme Zulauf die Intention und Sicherheit gefährden, suchen Veranstalter und Nachbarn jetzt nach einem "neuen Gesicht" für das Event.

Der Erfolg des Ölbergfestes ist enorm: Bis zu 45.000 Besucher sprechen da eine deutliche Sprache. Allerdings auch mit Misstönen: Weil die Menschenmengen Gefahr laufen, das Sicherheitskonzept auszuhebeln, hat sich Mitorganisator Lutz Griebel 2014 aus dem Veranstaltungsteam verabschiedet.

Weiter ergab eine Umfrage, dass aufgrund der ausufernden kommerziellen Anbieter- und der Besuchersituation vor allem Anwohner kritisieren, dass von der ursprünglichen Intention des Ölbergfestes als "Fest von Nachbarn für Nachbarn" nicht mehr viel geblieben ist. Uwe Peter und Thomas Weyland vom für Organisation und Durchführung verantwortlichen Unternehmerverein der Elberfelder Nordstadt, suchen vor diesen Hintergründen jetzt nach einem "neuen Gesicht" für das beliebte Fest, dessen immenser lokaler und überregionaler Zulauf sich wohl kaum stoppen lässt.

"Ein schwieriges Spagat. Die rasante Entwicklung vom Nachbarschaftsfest zum Event mit Volksfestcharakter ist einerseits toll, aber andererseits, da haben die Kritiker recht, ist der genutzte Raum für den Andrang durchaus problematisch, weist das kommerzielle Angebot nachbarschaftliche Aktivitäten in Schranken", so Uwe Peter. Eine Möglichkeit, die Menschenflut, die zu Stoßzeiten durch die Marienstraße walzt, in ihrer sicherheitsgefährdeten Dynamik auszubremsen, heißt Dezentralisierung.

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"Mehr Angebote in den Seitenstraßen dürften die Besucherverteilung in übersichtliche Bahnen lenken", ist sich Thomas Weyland sicher. Auch möchten er und Uwe Peter direkte Anwohner wieder verstärkt verantwortlich in die Mitgestaltung des Ölbergfestes involvieren. Sie treffen mit ihren Überlegungen auf breite Zustimmung, wie sich jetzt im Lutherstift während der Pilot-Veranstaltung zum kommenden Ölbergfest, das 2016 nicht wie gewohnt am letzten Aprilwochenende stattfindet, sondern am Samstag, 21. Mai, zeigte. Die etwa 50 Teilnehmer, überwiegend im Feierareal lebende Ölberger, befürworteten durchweg die von Peter und Weyland dargestellte Kritik und angedachten Veränderungen.

Und erarbeiteten erste Ideen, wie das im Einzelnen umgesetzt werden kann: Eine Auflockerung der Stände entlang der Marienstraße und Publikumsmagnete in den Seitenstraßen könnten wie mobile Angebote dafür sorgen, dass die Intensität und "Fließgeschwindigkeit" des Besucherstroms sich besser verteilen, eine Reduzierung der kommerziellen Anbieter zugunsten von "Bordsteinwohnzimmer" direkter Anwohner das Fest wieder näher an die Ursprungsintention führen.

Konkreter soll die Quadratur des Ölbergfestes beim nächsten Vorbereitungstreffen werden. Das findet am Mittwoch, 13. Januar, um 19.30 Uhr im Lutherstift statt. Dann wird es darum gehen, Ideen, Überlegungen und Vorschläge in praktikable Maßnahmen zu transformieren. Und in einem Punkt steht das kommende Treffen bereits unter einem guten Stern. "Im Verlauf der konstruktiven Infoveranstaltung zeigte sich auch, dass viele der Anwesenden sich tatkräftig und aktiv in die Gestaltung einbringen wollen. Womit die nachbarschaftliche Beteiligung schon auf gutem Kurs ist", freut sich Uwe Peter.

(Rundschau Verlagsgesellschaft)