Religion und Fitness: Im Namen des Herrn

Religion und Fitness : Im Namen des Herrn

Religion mit Körperkraft und Fitness zu verbinden — das hat sich das Sozialwerk der Christus Gemeinde Wuppertal zum Ziel gesetzt. Während die großen traditionellen Kirchen Mitglieder verlieren, erlebt die freikirchliche Gemeinde an der Windhukstraße 102 auf dem Beckacker, der Nahtstelle zwischen Nächstebreck und Langerfeld, einen beachtlichen Aufschwung.

Dazu passt die Feststellung von Pastor Marcus Schneider: "Mit Sport und Fitness schaffen wir Begegnungen. Aber jede und jeder soll glauben, was sie oder er möchte."
Die sich aus Spenden finanzierende Christus Gemeinde ist eine evangelische Freikirche im Bund der Pfingstgemeinden, seit 2008 in der Windhukstraße. Sonntags (10.30 und 18 Uhr) gibt's zwei Gottesdienste. Reiner Theis: "Die Jugendkirche ,Trax' hat jeden Freitag mehr als 100 Besucher. Wir sind eine Gemeinde für alle Generationen, mit vielen Jugendlichen und jungen Familien. Besonders die sonst kirchendistanzierteste Gruppe von 20 bis 30 Jahren ist stark vertreten. Wir sind bewusst international und übersetzen die Predigten simultan in mehrere Sprachen. Unsere Gottesdienste sind zeitgemäß mit moderner Musik und lebensnahen Themen."

Nach langer Planung baut die Christus Gemeinde durch ihr 2010 als gemeinnütziger Verein gegründetes Sozialwerk (über 70 ehrenamtliche Mitarbeiter in zehn Arbeitsbereichen) in einer über 100 Jahre alten zweigeschossigen Fabrikhalle an der Wittener Straße 31 ein neues Jugendzentrum direkt an der Nordbahntrasse.

Von der Industriehalle wurden 430 Quadratmeter erworben, die mit 340.000 Euro Städtebaufördergeld von Bund und Land unter dem Dach der "Sozialen Stadt Oberbarmen-Wichlinghausen" umgebaut werden. Das unabhängige, gemeinnützige, weitgehend ehrenamtlich getragene Sozialwerk setzt auf Spenden und Sponsoren und verpflichtet sich neben dem 20-prozentigen Eigenanteil zu einem mindestens zehnjährigen Betrieb, nachdem im Sommer 2019 die Eröffnung stattgefunden hat.

Das Motto des Jugendzentrums ("Sei mutig und stark"), erklärt Pastor Marcus Schneider, "ist ein Bibelzitat, gerichtet an den damaligen Leiter des Volkes Israel, als er vor einer großen Lebens- und Leitungsaufgabe stand. Wir leben Glauben ganzheitlich und real, mitten im wirklichen Leben mit allen seinen Herausforderungen. Aus einem Vorgängerprojekt wissen wir, dass wir mit diesem Konzept Randgruppen erreichen."
"Mutig und stark" hat einen deutlichen Schwerpunkt im Kraft- und Kampfsportbereich und bietet Kurse zu Fitness, Selbstverteidigung und Selbstbehauptung, Musik, Lifestyle, Ernährung, Bewegung, Tanz und Graffiti oder Airbrush.

Als Jugendzentrum soll sich ein kommunikativer Anziehungspunkt im Bereich Beckacker, Nächstebreck, Klingholzberg, Hilgershöhe entwickeln. Das Konzept wurde mit der Erfahrung des Vorgängerprojektes "Strandleben" mit den Gemeindemitgliedern und Immobilienbesitzern Dorothea und Nils Scharf, Marcus Schneider und dem Architekten und Vorstandsvorsitzenden des Sozialwerkes, Reiner Theis, entwickelt.

Besonders im Blick hat "Mutig und stark" junge Menschen, in deren Leben Gewalt in verschiedenen Formen dazugehört und prägenden Einfluss hat. Hier spielen junge Muslime eine große Rolle. Traditionelle Verhaltensmuster in den Familien geben Gewalt in unterschiedlicher Form Raum. Die Vorgänge im Nahen Osten werden von diesen Jugendlichen intensiver erlebt — und Gewalt wird zu einem noch realeren Lebensbezug. Reiner Theis: "Wir erwarten einen Anteil von mehr als 40 Prozent."

Ziel des Projektes: durch das Schaffen von Aufenthaltsorten, Kontakten und durch das Eingewöhnen von Beratung und regelmäßiger Begleitung eine Basis für Vertrauen und die Vermittlung von Werten wie Toleranz, Respekt, Solidarität zu schaffen. Dies geschieht in erster Linie durch glaubhafte Vorbilder, mit denen man über längere Zeit aktiv unterwegs ist.
Die Erfahrung zeigt: Die Vermittlung von tatsächlich gelebten christlichen Werten wird von jungen Menschen — besonders von Jugendlichen mit Migrationshintergrund — gut aufgenommen, wenn sie mit gegenseitigem Respekt geschieht.

Die Leitung übernimmt Pastor Marcus Schneider, seit 2013 in der Gemeinde angestellt, der in seinem Umfeld und im Internet als "breitester Pastor Deutschlands" bekannt ist. Da die Ehepaare Scharf und Schneider selbst Bodybuilding und Kampfsport betreiben, sind sie im Lebensgefühl vieler Jugendlicher, auch wenn sie aus teilweise sehr schwierigen Lebensumfeldern stammen, zu Hause.
Weitere Infos: www.sozialwerk-cgw.de

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