WC am Berliner Platz saniert Initiative für mehr öffentliche Toiletten in Wuppertal

Wuppertal · Die Stadt Wuppertal will mehr öffentliche Toiletten betreiben. Auch mit Hilfe von Kooperationen. Das haben Oberbürgermeisterin Miriam Scherff, Bezirksbürgermeister Christian Wirtz, Stadtentwicklungsdezernent Gunnar Ohrndorf, Mirja Montag (Leiterin des städtischen Gebäudemanagements) und Projektmanagerin Jana Verhülsdonk am Dienstag (3. Februar 2026) bei einem Orttermin am Berliner Platz bekräftigt.

Von li.: Projektmanagerin Jana Verhülsdonk, Mirja Montag (GMW), OB Miriam Scherff und Dezernent Gunnar Ohrndorf.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Christoph Petersen

Dort wurde die Toilette nach Jahren der Flickschusterei und einer einjährigen Schließung grundsaniert. „Der Zustand der öffentlichen Toiletten in unserer Stadt ist ein Beispiel dafür, wozu Sparzwänge führen können, wenn man sie ohne Augenmaß umsetzt“, erklärt Oberbürgermeisterin Miriam Scherff. „Ordentliche öffentliche Toiletten sind ein wichtiger Faktor für die Aufenthaltsqualität in den Stadtteilen. Aber jahrelang hat es in den Diskussionen immer strikt geheißen: Über das Unterhaltungsbudget für die bestehenden Anlagen hinaus geht nichts.“

Sie sei deshalb „dem Geschäftsbereich von Gunnar Ohrndorf und vor allem Projektmanagerin Jana Verhülsdonk sehr dankbar, dass sie hier mit einem neuen kreativen und engagierten Ansatz für ganz viel Bewegung sorgen. Und genau das ist der Ansatz, den ich im Sinne der Bürgerfreundlichkeit unserer Stadt auch in anderen Bereichen umsetzen möchte. Wir haben so viele engagierte Menschen in der Verwaltung und in der Stadtgesellschaft. Da lässt sich auch mit überschaubaren Mitteln vieles im Stadtbild verbessern, was dann erhebliche Effekte auf den Wohlfühlfaktor hat.“

Bezirksbürgermeister Christian Wirtz sieht die neue, mit Blüten-Graffiti gestaltete Toilette als Signal in einem Stadtteil, der „häufig schlecht geredet wird, obwohl das überhaupt nicht angebracht ist. Wir hatten hier viele Probleme, aber es hat sich auch viel zum Guten getan.“

Der Berliner Platz sei ein Ort, wo auch viele Pendlerinnen und Pendler und touristische Gäste unterwegs seien. „Mein Dank gilt allen Projektbeteiligten, dafür, dass die Situation ohne Toilette rund um den Bahnhof und die Endstation der Schwebebahn nun ein Ende hat.“

„Statt ausufernder Grundsatzdiskussionen liegt es mir als Ingenieur eher, praktikable Lösungen zu finden“, betont Dezernent Gunnar Ohrndorf. „Am Beispiel der Toiletten heißt das etwa, dass wir dank der Initiative von Jana Verhülsdonk jetzt etliche Besuchertoiletten in unseren Kultureinrichtungen oder Verwaltungshäusern auch für Bürgerinnen und Bürger öffnen, die dort nicht Kunde sind – ganz ohne zusätzliches Budget.“

Ein weiteres Beispiel seien die barrierearmen Trockentoiletten an der Nordbahntrasse, wo angesichts der hohen Nutzerzahlen und fehlender stiller Örtchen Wildpinkler-Ecken für Unmut sorgten. „Es muss nicht immer die große Lösung für die nächsten Jahrzehnte sein“, so Ohrndorf. Auch die Sanierung des Toilettenhäuschens auf dem Berliner Platz sei durch eine pragmatische Lösung ermöglicht worden.

Sanierung statt Neubau

Die Sanierung der öffentlichen Toilette am Berliner Platz hat rund 150.000 Euro gekostet. Ursprünglich sollte sie erst nach Vorliegen des Standortkonzeptes für alle Toilettenanlagen geplant werden. Anfang des vergangenen Jahres musste die Toilette jedoch außer Betrieb genommen werden, da die Steuerung der Spülung irreparabel defekt war. Ein Austausch der Steuerung hätte sehr hohe Kosten verursacht und wäre angesichts des Alters und des baulichen Zustands der Anlage wirtschaftlich nicht sinnvoll gewesen.

Zudem war bereits absehbar, dass das Standortkonzept einen umfassenderen Sanierungsbedarf aufzeigen würde. Daher wurde entschieden, die Sanierung im Vorgriff auf das Konzept umzusetzen. „Zunächst wurde das Gebäudemanagement vom Geschäftsbereich mit einem Ersatzneubau beauftragt. Im weiteren Verlauf stellte sich jedoch heraus, dass eine Sanierung die deutlich wirtschaftlichere Variante darstellt“, erläutert Mirja Montag, Betriebsleiterin des Gebäudemanagements der Stadt Wuppertal (GMW).

Die Sanierungsarbeiten haben Anfang November begonnen. Die Bauabnahme erfolgte am 12. Januar 2026. Geöffnet ist die Toilette nun täglich von 7 Uhr bis 20 Uhr. Ein besonderes Schmankerl gab es noch für den Standort: Die Außenfassade des sanierten Gebäudes wurde von dem Wuppertaler Graffiti- und Streetart-Künstler Martin Heuwold aka Megx gestaltet.

Bestandsaufnahme und Workshops für breite Beteiligung

Das lange von Politik und Bürgerschaft gewünschte Standortkonzept zur Entwicklung der öffentlichen Toiletten in Wuppertal will Projektleiterin Jana Verhülsdonk im Frühjahr den Gremien vorlegen. „Grundlage war eine umfassende Bestandsaufnahme, gefolgt von Workshops und Gesprächen mit den Bezirksbürgermeistern und vielen weiteren Akteuren, wie etwa der Wuppertalbewegung oder unseren städtischen Einrichtungsleitungen“, berichtet Verhülsdonk. „Auch die Option der ,Netten Toilette‘ unter Einbindung der Wuppertaler Gastronomen verfolgen wir in Abstimmung mit dem DEHOGA weiter.“

Toilettenkarte als Standort-Übersicht

Ziel ist, das Angebot öffentlicher Toiletten qualitativ zu verbessern und auszuweiten. Eine Toiletten-Karte als Standort-Übersicht soll schon in den kommenden Wochen vorgestellt werden. Bisherige Ergebnisse: Die Toiletten zahlreicher öffentlicher Einrichtungen, wie zum Beispiel der Bibliotheken oder der Bergischen Volkshochschule. können inzwischen während der Öffnungszeiten auch von Dritten genutzt werden. Die Standorte wurden in die digitale Stadtkarte aufgenommen.

Im Deweerthschen Garten soll noch in diesem Jahr mit dem Bau einer barrierefreien und selbstreinigenden Unisex-Toilette begonnen werden. Ein Pilotversuch mit Trockentoiletten an der Nordbahntrasse wurde sehr gut angenommen. Auch am Wupperpark Ost konnte die Situation durch mobile Toiletten verbessert werden.

Anregungen sind willkommen

„Ich freue mich sehr, dass wir in so kurzer Zeit Ergebnisse verzeichnen können, die für die Bürgerinnen und Besucher unserer Stadt spürbar sind. Die gute Zusammenarbeit zwischen den verschiedensten Gruppen, Initiativen, Unternehmen und den Vertreterinnen und Vertreter der Politik mit Jana Verhülsdonk hat die Umsetzung zusätzlicher Toilettenangebote möglich gemacht", so der Leiter des Geschäftsbereiches Stadtentwicklung, Bauen und Mobilität, Gunnar Ohrndorf. „Dieser positive Prozess soll in diesem Jahr fortgesetzt werden.“