Die Fläche des künftigen Friedhofes auf dem früheren Friedhofsgelände der evangelischen Kirche an der Krummacheratraße im Stadtteil Varresbeck umfasst 19.000 Quadratmeter, die in drei Bauabschnitten entwickelt werden sollen und bis zu 1.000 Gräbern Platz bieten könnte.
Exzellente Zusammenarbeit der Fachämter
In Kooperation mit dem Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur der Bergischen Universität Wuppertal wurden zwölf studentische Entwürfe ausgearbeitet. Außerdem organisierten Trägerverein und Stadt Veranstaltungen zur Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, mit dem Ziel, nachbarschaftliche Belange planerisch zu berücksichtigen. Aufgrund der Hanglage, eines Erdfalls und Starkregenfällen waren einige Umplanungen notwendig. Ergebnis ist ein parkähnlicher Entwurf, passend zu den umliegenden Arealen. Der Eingang wird als „Platz der Begegnung“ unterhalb des evangelischen Friedhofes gestaltet.
„Die besondere Bedeutung dieses Projektes liegt nicht nur in der muslimischen Trägerschaft, sondern auch in seiner besonderen Lage“, betonte die Oberbürgermeisterin bei der Übergabe. „Der künftige Friedhof liegt unmittelbar neben einem christlichen und einem jüdischen Friedhof. Diese Konstellation steht als Symbol für das friedliche Zusammenleben und Zusammenwirken der Religionen in unserer Stadt. Wuppertaler Juden, Christen und Muslime bezeugen an diesem Ort bei allen religiösen Unterschieden ein ganz starkes, aus der Stadtgemeinschaft gewachsenes Miteinander.“
Pläne von zahlreichen Akteuren getragen
Die Friedhofspläne seien sowohl außerhalb als auch innerhalb der Stadtverwaltung von zahlreichen Akteuren getragen. Beispielhaft nannte Scherff den Bundestagsabgeordneten Helge Lindh und die Leiterin des Ressorts Grünflächen und Forsten, Annette Berendes: „Aber auch unser ehemaliger Sozialdezernent, Stefan Kühn, oder Jürgen Lemmer, der langjährige Leiter des Integrationsressorts, haben entscheidenden Rückhalt gegeben. Es zeichnet Wuppertal aus, dass für genau solche Projekte gesamtgesellschaftlich Verantwortung übernommen wird. Das ist gerade in einer Zeit besonders wichtig, in der antidemokratische und rassistische Politik zu unserem Entsetzen mehrheitsfähig zu werden scheint.“
„Wuppertal ist im Bereich der Integration an vielen Stellen führend“, so Scherff. Vom Neubürgerempfang bis zum gemeinsamen Fastenbrechen, zu dem die Stadt einlädt, gibt es zahlreiche Beispiele, mit denen wir Vorreiter gewesen sind und die uns andere Kommunen inzwischen nachmachen. Der muslimische Friedhof ist ein weiteres dieser Vorreiterprojekte. Daher ist das heute nicht nur ein guter Tag für die muslimischen Gemeinden, sondern für ganz Wuppertal.“
„Für uns ist das heute ein ganz besonderer Tag. Die Idee ist bereits 2008 entstanden. In Wuppertal sind wir damit auf offenen Türen gestoßen, als einzige Stadt wurde der Bedarf und Willen zur Umsetzung gesehen. Heimat ist dort, wo auch die Ahnen begraben sind, das ist für uns als Muslime auch ein wichtiger Teil des Familienlebens. Der lange Atem hat sich also gelohnt, wir freuen uns, dass wir endlich in die Umsetzung kommen“, erklärt Samir Bouaissa.
„Ich freue mich, dass wir als Baubehörde gemeinsam mit dem Trägerverein nach einem durchaus anspruchsvollen Verfahren heute an diesem Ziel angekommen sind“, so Gunnar Ohrndorf (Dezernent für Stadtentwicklung, Bauen und Mobilität, bei der Übergabe der Genehmigung). „Es ist auch das Ergebnis einer exzellenten Zusammenarbeit unserer Fachämter, sonst hätten sich die Wasser- und Flächenthemen nicht so gut lösen lassen. Der gemeinsame Prozess war durch etliche notwendige Umplanungen, viele Abstimmungen, nachbarschaftliche Belange und hohes öffentliches Interesse geprägt. Umso beachtlicher ist das Ergebnis, das auch gestalterisch aus meiner Sicht überzeugt.“
Über ein Jahrzehnt intensiver Projektarbeit
Nach über einem Jahrzehnt intensiver Projektarbeit könnte in Wuppertal nun der bundesweit erste muslimische Friedhof realisiert werden. Den formellen Startschuss gab eine Änderung des Bestattungsgesetzes durch den nordrhein-westfälischen Landtag im Jahr 2014. Es ermöglicht muslimische Friedhöfe in NRW. Oberbürgermeister Peter Jung hatte das Gesetz beim Land mit initiiert und sich auch im Städtetag gegen anfängliche Widerstände intensiv dafür eingesetzt, dass neben Kirchen und Kommunen ebenso Religionsgemeinschaften Friedhöfe betreiben dürfen.
Die Planungen sind nun abgeschlossen, die Genehmigung ist erteilt. Der Christliche Friedhofsverband und der Wupperverband sind wichtige Partner und begleiten das Projekt von Anfang an positiv. Über den Grundstückskauf besteht Einvernehmen mit dem evangelischen Kirchenkreis, die Finanzierung im Rahmen von circa einer Million Euro erfolgt über Spenden. Ein erster Spatenstich soll noch in diesem Jahr erfolgen.