Wuppertaler Bundesliga-Schiedsrichter Robin Braun: „Diskutieren gerne – aber sachlich ...“

Wuppertal · Nach strittigen Entscheidungen beim Spiel Schalke 04 gegen Hannover 96 und einer Roten Karte für Knappen-Star Edin Dzeko stand der Wuppertaler Bundesliga-Schiedsrichter Robin Braun diese Woche bundesweit im Fokus. Wie er damit umgeht, schilderte er jetzt bei einem Talk im Stadion am Zoo.

Robin Braun (li.) im Gespräch mit ZDF-Reporter Martin Schneider.

Foto: Klaus-Jörg Tuchel

Braun stellte sich hier als Gast im Rahmenprogramm der Mitgliederversammlung des Verbandes Westdeutscher Sportjournalisten den Fragen des ebenfalls in Wuppertal heimischen ZDF-Reporters Martin Schneider. Natürlich ging es dabei auch um die Kritik, die der 30-Jährige für seine Pfiffe vorigen Sonntag in der Arena auf Schalke erntete, nachdem die Knappen in der Nachspielzeit den Sieg im Aufstiegskampf noch aus der Hand gegeben hatten.

Dass die teils weit unter die Gürtellinie ging, ist in zahlreichen Kommentaren auf Instagram und Co. nachzulesen. Braun dazu: „Man merkt, dass es in die heiße Phase der Saison geht, und ich kann die Emotionen nachvollziehen, aber hier werden Grenzen überschritten“. Daher sein Appell: „Es gibt ganz viel Graubereich im Fußball, dafür lieben wir ihn ja auch. Aber ich wünsche mir, dass wir sachlich darüber sprechen.“

Aus objektiver Perspektive war die umstrittene Rote Karte gegen Edin Dzeko eine klassische 50/50-Entscheidung: Der Goalgetter der Schalker hatte seinen Gegenspieler mit offener Sohle am Bauch getroffen, allerdings unabsichtlich aus einer Drehbewegung heraus. Robin Braun zog nicht Gelb, sondern Rot wegen der gesundheitsgefährdenden Qualität des Fouls – je nach Fanlager genau die richtige oder die falsche Farbe.

Keinen Spielraum sah er dagegen bei der aus Schalker Sicht zu lange ausgedehnten Nachspielzeit, an deren Ende Hannover noch der Last-Second-Ausgleich glückte. Es habe in dieser Nachspielzeit noch eine Verletzung und eine Auswechselung gegeben. Die Schiedsrichter seien angewiesen, dann entsprechend noch länger laufen zu lassen.

Kann man nach solch aufregenden Spielen eigentlich noch schlafen? „Mal besser, mal schlechter“, verrät Robin Braun, „wenn das Adrenalin hoch ist, dann dauert es länger, bis man einschläft.“ Ein erstes Feedback zu seiner Leistung an der Pfeife hat er dann schon bekommen. Direkt nach der Partie werden mit dem Schiedsrichterbeobachter des DFB die wichtigsten Szenen besprochen, eine ausführliche Analyse folgt im Laufe der Woche. Von der Benotung über die Saison hinweg hängt dann ab, wie der Karriereweg als Unparteiischer weitergeht.

In Robin Brauns Fall führt er bisher steil bergauf. Der promovierte Jurist und junge Vater, der seit dem 14. Lebensjahr für den SV Jägerhaus-Linde pfeift, schaffte zur aktuellen Saison den Aufstieg in den Kader der Erstliga-Schiedsrichter, der jedes Jahr nur ganz wenigen Referees glückt. Mittlerweile bringt er es auf zehn Erstliga-Spiele, bei einem Einsatz in Leverkusen machte er Schlagzeilen, weil er als erster Schiri die neu eingeführte öffentliche Erklärung von Entscheidungen über die Stadion-Lautsprecher zum Einsatz bringen konnte.

Zum Job des Unparteiischen gehört auch, so wie vorige Woche auf Schalke, den Druck von 62.077 Zuschauern auf den Rängen auszuhalten. „Diese Kulisse ist für mich nichts Neues. Das will man ja auch haben“, so Braun, der dafür auch auf die Unterstützung eines Mentalcoaches („absolut empfehlenswert“) baut. Elementar seien aber auch die gesammelten Erfahrungen. „Das Spiel HSV gegen Mainz, bei dem viel zusammenkam, war sicher nicht mein bestes, aber eines der wichtigsten für mich. Da habe ich ganz viel gelernt.“

Ob Schiedsrichter für ihn weiter der Traumberuf ist? „Absolut! Es macht tierisch Spaß. Ich mag es, Verantwortung zu übernehmen, und die Arbeit ist unfassbar spannend und herausfordernd.“

Apropos Spaß: Den Humor hat Robin Braun auch nach den unschönen Reaktionen auf das Schalke-Spiel nicht verloren. Sein Konter auf die Frage, ob er eigentlich Autogrammkarten habe: „Seit Sonntag sind die aus ...“