Handball-Bundesliga Noah Beyer (BHC): Erwachsen und nervenstark

Wuppertal · Linksaußen Noah Beyer vom Handball-Bundesligisten Bergischer HC war in Wetzlar ein wichtiger Faktor zum Auswärtssieg. Seit vier Jahren baut Trainer Naji auf seine Qualitäten, die auch gegen Göppingen helfen sollen.

Noah Beyer im Anflug (Archivbild).

Noah Beyer im Anflug (Archivbild).

Foto: Dirk Freund

Es war eine bemerkenswerte Szene, die sich am Freitag vergangener Woche in der Mittelhessen-Arena am Wetzlarer Bahnhof abspielte. Die Akteure des BHC gingen in den ob des Freitagtermins sowie der kurzen Anreise gut gefüllten Gäste-Block, liefen einmal quer durch diesen und klatschten mit den angereisten Fans ab.

Eine Aktion, welche den hohen Stellenwert des so wichtigen 32:28 im Keller-Duell mit der nach zwei beeindruckenden Auswärtssiegen in Kiel und Hannover im Aufwind befindlichen HSG Wetzlar unterstrich. „Wir hatten gehofft, Wetzlar in einem anderen Stadium der Entwicklung zu bekommen. Dem mussten wir uns entgegenstellen und konnten die Aufgabe meistern", sagte Trainer Jamal Naji.

Dies auch, weil neben Djibril M'Bengue besonders Noah Beyer sehr treffsicher agierte. Der Linksaußen erzielte acht Tore, eines davon technisch höchst anspruchsvoll und äußerst sehenswert aus spitzem Winkel ins obere rechte Eck. „Der Schlüssel zu einem solchen Treffer ist sehr viel Wurf-Training", sagte Beyer in Wetzlar im Gespräch mit der Wuppertaler Rundschau, während hinter ihm Co-Trainer Markus Pütz die Feierabend-Bierchen verteilte.

Vier seiner acht Treffer hatte Beyer zuvor per Siebenmeter markiert. Immer war es der Ausgleich, ein Fehlwurf hätte einen Zwei-Tore-Rückstand bedeuten können. Doch der 26-Jährige behielt stets die Nerven. „Auswärts und noch dazu in einer so hitzigen Halle wie Wetzlar ist das schwer. Aber ich spiele jetzt schon so lange Handball. Da muss ich die Atmosphäre einfach ausblenden und kühlen Kopf behalten können", meinte Beyer und erklärte: „Es sind meist nur Kleinigkeiten wie eine kurze Bewegung vom Torhüter, die mich entscheiden lassen, wie und wohin ich werfe. Heute hat es super funktioniert und ich freue mich, der Mannschaft dadurch geholfen zu haben."

Erster Profi-Treffer schon nach zwei Minuten

Trainer Naji freute die mentale Stärke des gebürtigen Oberhauseners nicht minder, er kann sie allerdings nicht vergleichen. „Ich weiß nicht, inwieweit es hilft, Strategien für Siebenmeter zu entwickeln. Ich durfte ja früher nie werfen, weil ich ein miserabler Siebenmeterwerfer war", sagte der 37-Jährige lachend. Was er jedoch vergleichen kann, sind die Leistungen von Beyer, da er ihn von 2020 bis 2022 schon beim TuSEM trainiert hat. „Noah ist erwachsen geworden. Er hat in seiner ganzen Persönlichkeit einen viel höheren Reifegrad als noch in Essen. Er ist ein echter Teamplayer und sehr zuverlässig geworden. Wir wissen, was wir an ihm haben."

Gegen Frisch Auf! Göppingen (Samstag, Anwurf 19 Uhr, Uni-Halle Wuppertal) soll der Erfolg von Wetzlar veredelt werden. „Der Sieg gegen Melsungen hat bereits für Wetzlar vieles leichter gemacht. Wir haben auf der Platte wieder mehr Selbstbewusstsein", meint Beyer, der am 29. August 2014 als 17-Jähriger bei seinem Profi-Debüt im Zweitligaspiel des TuSEM gegen den SC DHfK Leipzig (18:22) schon zwei Minuten nach seiner Einwechslung getroffen hat.

Über neun Jahre später ist seine Nervenstärke noch dieselbe, seine geänderte Frisur jedoch Beleg für die Entwicklung vom unbekümmerten Junior zum seriösen Bundesliga-Profi. Von daher überrascht Beyers Aussage für Samstag nicht. „Gegen kein Team der Liga gibt es einen Pflichtsieg, aber wir spielen zu Hause und wir werden für einen Sieg alles geben."