Handball-Pokalfinale: 33:42 (17:22) gegen Berlin BHC ist trotz Endspiel-Niederlage ein Pokal-Gewinner

Wuppertal / Köln · Nach dem historischen Halbfinalsieg im Siebenmeter-Krimi gegen Champions-League-Sieger SC Magdeburg war der Deutsche Meister am Sonntag (19. April 2026) im DHB-Pokalendspiel eine Nummer zu groß: Beim 33:42 (17:22) war der Bergische HC gegen die Füchse Berlin nur 25 Minuten lang ebenbürtig. Unter dem Strich stehen mit Platz zwei im Final-Four trotzdem der größte Erfolg in der 20-jährigen Vereinsgeschichte, 150.000 Euro Prämie, viel Rückenwind im Liga-Abstiegskampf und sogar die Chance, nächste Saison international zu spielen.

Gegen die Füchse Berlin mit Ex-Löwe Max Darj (am Ball) und Welthandballer Mathias Gidsel (re.) waren für den BHC im Pokalfinale nicht zu schlagen.

Foto: Dirk Freund

Dagur Sigurdsson, der seine Spielerkarriere in Deutschland einst in Wuppertal begann, und Bundestrainer Alfred Gislason, waren sich über die Ausgangslage für den BHC einig: „Schwierig.“ „Sie waren spät im Hotel, kaum Zeit für die Vorbereitung, drei Stunden weniger Regeneration und mehr Spielzeit in den Knochen“, fasste Sigurdsson die Probleme für die Löwen zusammen. „Ich habe kaum ein Auge zugemacht“, verriet Rückraum-Rechtshänder Fynn Hangstein passend dazu am Dyn-Mikrofon. Sigurdssons Prognose: „Der BHC muss die ersten zehn Minuten überleben, sonst wird es ganz schwer.“

Vor 19.750 in der ausverkauften Lanxess-Arena überlebte der BHC aber nicht nur die ersten zehn Minuten, sondern fast die gesamte erste Halbzeit. Zwar versandeten die ersten Angriffe samt prompter Bestrafung durch die mit enormem Tempo angreifenden Füchse. Dann aber brachte eine frühe Zeitstrafe gegen Ex-Löwe Max Darj den BHC ins Spiel. (Bilder)

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BHC verliert das Pokalfinale

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Berlin präsentierte sich aber deutlich variabler als gestern Champions-League-Sieger Magdeburg, fand im Positionsangriff den Weg über die Außen und traf immer wieder aus der ersten und zweiten Welle, während der BHC seinerseits hartnäckig dranblieb. Über 6:7 nach den ominösen zehn Minuten geriet der BHC Mitte des ersten Durchgangs mit drei Toren in Rückstand, kam aber nach einer Auszeit samt folgendem Doppelschlag wieder zurück.

Das Momentum blieb aber nicht lange beim BHC, der nach 19 Minuten Lukas Diederich für den glücklosen Halbfinal-Held Christopher Rudeck ins Tor gestellt hatte. Der scheidende Keeper bekam zwar einige Bälle mehr an die Finger als Rudeck, klar besser war Füchse-Rückhalt Milosavljev, dessen Paraden die Berline auf der Zielgeraden der ersten Halbzeit davon ziehen ließen, weil das kongeniale Rückraum-Duo Gidsel und Andersson weiterhin jeden Fehlwurf bestrafte. So wurde aus einem 16:17 in den letzten Minuten vor der Pause ein 17:22, das den Spielverlauf nicht wirklich wiedergab.

Hoffnung für Durchgang zwei machte die mit der Pausensirene verhängte zweite Zeitstrafe gegen Berlins Abwehr-Riesen Marsenic. Verkürzen konnten die Löwen aber gegen den weiter auf Hochtouren laufenden besten Angriffsmotor der Bundesliga aber zunächst nicht, zumal Marsenic zwei freie Würfe von Beyer und Seesing entschärfte. Resultat: 20:26 nach 35 Minuten und einer Zeitstrafe gegen Wasielewski, der sich trotz getackerter Kopfverletzung und Turban in der Abwehr gewohnt hart einsetzte.

Eine Diederich-Parade und der Gegenstoßtreffer von Beyer brachten das 22:26, aber Berlin blieb so stabil, dass auch die jenseits der Füchse-Fans komplett auf BHC-Seite stehende Arena nicht wirklich explodieren konnte. Eine umstrittene Zeitstrafe gegen Noah Beyer und der daraus resultierende Tor-Doppelschlag brachte die Füchse dann nach 40 Minuten endgültig auf die Siegesstraße. In der Auszeit bei 23:29 versuchte das BHC-Trainer-Duo Arnor Gunnarsson und Markus Pütz die Reihen noch einmal zu ordnen.

Probleme bekam Füchse-Keeper Milosavljev dann aber nicht durch die BHC-Werfer, sondern durch eine Oberschenkelverletzung: In der 43. Minute musste er seinen Platz für Lasse Ludwig räumen. Angesichts der beruhigenden 31:24-Führung für die Berliner zu diesem Zeitpunkt keine große Bürde. Beim BHC war eine Viertelstunde vor Schluss die Luft dann erkennbar raus. Weil aber auch die Berliner in der Abwehr nicht mehr die letzte Konsequenz an den Tag legten, bekamen die Zuschauer in der Halle und am Fernseher - das Spiel wurde live in der ARD übertragen - noch ein ordentliches Torfestival geboten.

Über 36:28 (53. Minute) und 40:32 (55. Minute) trudelte die Partie zum Endstand von 42:33 aus. Trotz der hohen Niederlage durfte sich der BHC neben den feiernden Füchsen ebenfalls als Sieger fühlen und mit seinen Fans feiern. Der Halbfinal-Triumph gegen Magdeburg, das sichtlich ernüchtert auch das Spiel um Platz drei gegen Lemgo verlor, steht jetzt als Höhepunkt in den Pokal-Geschichtsbüchern. Die Kasse hat dank der Prämie für Platz zwei geklingelt und für die Sponsorenakquise dürfte die enorme Medienpräsenz und Aufmerksamkeit auch kein Nachteil sein.

Hinzu kommt: Sollten sich die Füchse Berlin für die Champions-League qualifizieren, was aktuell durchaus möglich erscheint, dann wäre der BHC für die European League qualifiziert. Das wäre eine ähnlich große Sensation wie der Halbfinal-Sieg. Am wichtigsten bleibt aber die Mission Klassenerhalt in der Bundesliga, die am nächsten Sonntag um 15 Uhr mit dem Kellerduell in Wetzlar weiter geht. Mehr Rückenwind für die Fahrt zum Tabellenvorletzten als an diesem Pokalwochenende hätte sich der BHC nun wirklich nicht holen können.

Final-Statistik:

Tore BHC: Beyer 6/4, Hangstein 6, Voss-Fels 1, Morante Maldonado 1, Fuchs 5, Seesing 4, Steinhaus 5, Wasielewski 4

Tore Berlin: Darj 2, Prantner 1, Andersson 10, Arino 3, Gröndahl 4, Lichtlein 3, Gidsel 9, Freihöfer 1, West av Teigum 6, Marsenic 3
Torhüter-Paraden: BHC 9 / Berlin 14
Zeitstrafen: BHC 4 / Berlin 4
Zuschauer: 19.750