Auf den hinteren Rängen startet der BHC als Tabellen-14. mit vier Pluspunkten Vorsprung auf die Abstiegsplätze in den 25. Spieltag. Torhüter Christopher Rudeck (31) zeigt seit Wochen starke Leistungen und wird in der HBL-Statistik inzwischen hinter David Späth (Rhein-Neckar Löwen) sowie Sergey Hernandez-Ferrer (Magdeburg) als drittbester Schlussmann gelistet.
Rundschau: Herr Rudeck, vier Punkte sind es auf die beiden Abstiegsplätze. Wie trügerisch ist der Vorsprung angesichts der Paarung Minden gegen Wetzlar sowie eines Nachholspiels der Leipziger?
Rudeck: „Der Abstand ist schön, aber natürlich werden für den Klassenerhalt zwölf Punkte nicht reichen. Allerdings haben wir in den jüngsten sieben Spielen mit Flensburg, Melsungen, Berlin, den Rhein-Neckar Löwen und nun Magdeburg auch fünf Gegner von den ersten acht Plätzen. Da kommen also noch durchaus lösbare Aufgaben.“
Rundschau: Bleibt es beim Vierkampf um zwei Bundesliga-Plätze – oder rutschen noch andere Teams hinein?
Rudeck: „Nach dem vergangenen Wochenende kann man davon ausgehen, dass die vier da unten das unter sich ausmachen. Wir wollten Eisenach noch mit reinziehen, das ist uns durch das 31:33 dort leider nicht gelungen.“
Rundschau: Wie viele Punkte werden zum Klassenerhalt nötig sein? Und ist es ein Nachteil, die direkten Duelle mit Minden und Wetzlar auswärts bestreiten zu müssen?
Rudeck: „Es ist schwierig, eine Punktzahl zu prognostizieren. Zum Saisonende hin kommen durch die Tabellenkonstellation oft Ergebnisse zustande, mit denen vorher niemand rechnet. Wenn wir bei den Duellen mit Minden und Wetzlar vor dem jeweiligen Gegner stehen, dann kann je nach Spielverlauf wie bei unserem 35:28 in Leipzig das Momentum durchaus auf unsere Seite kippen. Aber es wäre natürlich schon besser, diese Partien zu Hause zu haben. Wichtig ist, dass wir für die Ausgangslage dieses Quartetts das beste Torverhältnis besitzen.“
Zu Beginn der Saison waren weder Sie noch Lukas Diedrich ein Faktor. Inzwischen werden Sie in der Statistik als drittbester Schlussmann der Liga geführt, und Lukas steht unter den 53 gelisteten Torhütern auf Platz 29 ...
Rudeck: „Keine Frage, mit meiner Leistung zu Beginn der Saison war ich überhaupt nicht einverstanden. Aber ich weiß, was ich kann, und habe einfach weitergemacht. Das Spiel in Magdeburg Mitte Oktober war der Wendepunkt. Da lief es gut, daraus habe ich viel Selbstvertrauen gezogen und mich weiter gesteigert.
Erst hält man dann zehn Bälle, das nächste Mal schon zwölf. Wenn Ideen funktionieren, wächst die Überzeugung. Plötzlich reitet man eine Welle und es fängt an, so richtig Spaß zu machen. Ohne Torwartleistung lassen sich Spiele nur schwer gewinnen. Bei Mannschaften, die unten stehen, gilt das noch mal mehr, weil sie im individuellen Bereich nicht überlegen sind und von daher jeder Mannschaftsteil seine Leistung abrufen muss, um Spiele gewinnen zu können.“
Rundschau: Was lässt sich aus dem Punktspiel gegen den SCM für das erneute Aufeinandertreffen im Pokal-Halbfinale in fünf Wochen in Köln ziehen?
Rudeck: „Das wird am Sonntag sicherlich kein Training für eine Pokal-Sensation (grinst). Das Kribbeln für das tolle Wochenende in Köln beginnt ohnehin erst eine Woche vorher. Für uns ist der Pokal ein prima Bonus, aber wenn mir ein Sieg gegen Magdeburg angeboten werden würde, dann würde ich den in der Liga wählen. In unserer Situation sind zwei Punkte immer wichtiger, wir wollen am Saisonende über dem Strich stehen.“
Egal in welcher Liga es für den BHC weitergeht – im Sommer verlassen mit Lukas Diedrich (TuSEM), Eloy Morante Maldonado (Erlangen), Aron Seesing (Rhein-Neckar Löwen) sowie Noah Beyer (Hamburg) vier Leistungsträger und Gesichter des Vereins den Club. Wie schwer wird der Umbruch zu stemmen sein, und was bedeutet das für Sie als Führungsperson?
Rudeck: „Eloy musste durch seine Verletzung schon in dieser Saison lange ersetzt werden, seinen Ausfall haben wir ganz gut kompensiert bekommen. Sportlich werden für die vier dann ab Sommer andere in die Bresche springen, so ist das eben im Profi-Sport.
Persönlich ist es für mich eine andere Note, weil die Jungs zu meinen Freunden geworden sind. Sie haben sich jetzt aber halt für einen anderweitigen Karriereweg entschieden, und das gilt es zu respektieren. Als Mannschaft haben wir dann einen Umbruch, aber auch da zeigt die Erfahrung, dass wir neue Spieler gut integriert bekommen.“