Wuppertals Friedhöfe: Was bringt die Zukunft?

Immer mehr Urnengräber : Wuppertals Friedhöfe: Was bringt die Zukunft?

Immer stärker verändert sich die Bestattungskultur: Die früher selbstverständliche Beerdigung im Sarg wird immer seltener, das Urnenbegräbnis ist überproportional gefragt. Das hat Folgen für die Friedhöfe und ihre Verwalter – besonders in Wuppertal.

„Wir stehen unter Druck“ – so formuliert es Ingo Schellenberg, der Geschäftsführer des evangelischen Friedhofsverbandes. In ganz Wuppertal liegt der Anteil der Urnenbestattungen bei 68 Prozent – in Elberfeld sogar bei schon 80 Prozent. Außerdem gibt es immer größeres Interesse an kleinen Grabflächen und solchen, die nicht regelmäßig gepflegt werden müssen.

Ingo Schellenberg: „Die Hinterbliebenen wollen ein Grab nicht mehr 20 bis 30 Jahre pflegen, und es ist eine sinkende Bereitschaft zu beobachten, Geld für das Thema Friedhof auszugeben. Auch wenn genug Geld vorhanden ist. Das Familiengrab ist heute nicht mehr, wie früher, Teil der Familie.“ Für die Friedhöfe bedeutet das spürbar weniger Einnahmen – und spürbar mehr „leere“ Freiflächen. Die Einnahmeverluste können – laut kircheneigener Gesetzgebung – nicht durch Kirchensteuergeld aufgefangen werden. Und für die Freiflächen müssen in Zukunft neue Konzepte her. Ingo Schellenberg: „Friedhöfe, vor allem wenn sie, wie in Wuppertal, oft mitten in der Stadt liegen, sind grüne Lungen, Parks, Begegnungsstätten und wichtige Ökosysteme. Das stellt uns vor ganz neue Herausforderungen.“

Teuer sind die Bereiche Personal (denn ob viel oder wenig bestattet wird, ein Friedhof braucht tägliche Pflege auf teils sehr großen Flächen), die immer komplizierter werdende Entsorgung von Abfällen – und dass bei fast allen Bautätigkeiten der Denkmalschutz berücksichtigt werden muss. Der laufende Betrieb wird nur über die Friedhofsgebühren finanziert.

Weil die in den vergangenen 20 Jahren kaum erhöht wurden, ist insgesamt ein Sanierungsstau von rund 13 Millionen Euro entstanden. Besonders betroffen die beiden evangelischen Friedhöfe an der Hochstraße sowie die Friedhöfe Bredtchen an der Hainstraße und an der Krummacherstraße.

Die Folge: Die Schließung von bestimmten Teilen der Friedhöfe wird unvermeidlich sein. Das heißt, dass die betroffenen Areale „eingefroren“ werden, und dort keine neuen Bestattungen mehr stattfinden. Obwohl selbstverständlich alle Gräber, die es noch gibt, bis zum Ablauf ihrer Vertragszeit (teilweise zwischen 25 und 40 Jahren) bestehen bleiben und das Umfeld weiterhin gepflegt wird. Wenn allerdings an der gewünschten Stelle keine Familienmitglieder mehr bestattet werden können, ist das für Angehörige oft eine harte Nachricht. Der Friedhofsverband verspricht, dieses Thema immer sehr frühzeitig mit den jeweils Betroffenen zu kommunizieren.

Was bringt die Zukunft? Möglicherweise ein neues Bild für größere Teile (allein in Elberfeld etwa 44 Hektar, also 440.000 Quadratmeter) von Friedhöfen – als Bürgerpark, Öko-Spielplatz, Zuhause für Bienen, Urban-Gardening-Bereiche, Schul-Lehrpfade, sehr selten auch als mögliches Bauland.Ilka Federschmidt, Wuppertals evangelische Superintendentin: „Wir wollen aus der Not eine Tugend machen, mitten in der Stadt Gärten nach biblischem Vorbild errichten.“ Denkbar sei die Gestaltung von Trauer- oder auch Psalmenpfaden.

Ganz „profan“ geht es in einer Pressemitteilung des evangelischen Kirchenkreises natürlich auch ums Geld: Die Gebührenordnung wird stufenweise angepasst. Und der Verband hat die zwei evangelischen Friedhöfe an der Hochstraße verpachtet sowie insgesamt die Zahl der stark nachgefragten pflegefreien Grabanlagen erhöht.

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