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Wuppertal: Geschäftsmodelle stärken, Städte lebenswert gestalten

Wuppertal Institut : Geschäftsmodelle stärken, Städte lebenswert gestalten

Innenstädte sind mehr und mehr geprägt von großen Kaufhaus- und Modeketten, zahlreichen Leerständen und unpersönlichen Einkaufsmeilen – häufig ohne regionalen Bezug. Dies will das Projekt „Rollout Wirtschaftsförderung 4.0“ des Wuppertal Instituts zusammen mit Akteurinnen und Akteuren der lokalen Wirtschaft nun in Witten, Witzenhausen und Wuppertal ändern.

Repair-Cafés, regionale Produkte, eine mobile Ehrenamtsberatung sind Beispiele für Initiativen und Unternehmen, die Städte aufwerten und ein wertschätzendes Verständnis und Bewusstsein für die eigene Stadt schaffen sollen. Jana Rasch, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsbereich Stadtwandel am Wuppertal Institut, spricht in einem aktuellen Videocast darüber, was hinter der Idee der Wirtschaftsförderung 4.0 steckt, welche Ziele das Projekt verfolgt und gibt Einblicke in dessen Arbeit und die Umsetzung in den Städten.

Bereits heute tragen regionale Produkte, Sharing-Initiativen und solidarische Landwirtschaft dazu bei, im Sinne einer gemeinwohlorientierten, nachhaltigeren Lebensweise zu wirtschaften. Dabei stehen die Menschen im Mittelpunkt. „Die Bewohnerinnen und Bewohner sowie ihr Engagement machen eine Stadt aus“, sagt Mona Treude, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsbereich Stadtwandel am Wuppertal Institut und Smart-City-Expertin. Gerade während der Corona-Pandemie wurde deutlich, wie wichtig ein solidarisches Miteinander und die regionale Versorgungssicherheit sind.

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Mit dem Konzept der „Wirtschaftsförderung 4.0“ möchte das Projektteam des Wuppertal Instituts und seine Partner systematisch kooperative Wirtschaftsformen, lokale Produktion und Gemeinwohl stärken. „Wir bringen Menschen und Ideen zusammen, um neue Synergien zu schaffen. Dadurch können alle Menschen gleichermaßen profitieren“, so Dr. Michael Kopatz, Senior Researcher im Forschungsbereich Stadtwandel am Wuppertal Institut. Ziel ist dabei nicht die möglichst vollständige Selbstversorgung, sondern mehr Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und Hilfe zur Selbsthilfe, um unabhängiger von globalen Wertschöpfungsketten zu werden und dafür kürzere zu schaffen.

Im Rahmen des Pilotprojekts „Wirtschaftsförderung 4.0“ sammelte das Wuppertal Institut mit Projektpartnern bereits seit 2018 in Osnabrück wertvolle Erfahrungen und setzte konkrete Projekte um: Ein Pop-up-Regionalladen diente als Initialzündung für das Osnabrücker Netzwerk „Regionale Produkte“. In diesem wurden Maßnahmen wie Regionalregale und -boxen, ein Regionalmarkt, ein gemeinsames Label sowie weitere Pop-up-Stores entwickelt, angestoßen oder umgesetzt, um leerstehende Geschäftsräume zwischenzunutzen. Auch gemeinwohlorientierte Initiativen, etwa im Reparatur-Bereich, „Do-it-yourself“, Urban Gardening und Nachbarschaftshilfen wurden gefördert.

Umsetzung in weiteren Städten

Was in Osnabrück 2018 erfolgreich begonnen hat, führt das Wuppertal Institut seit Anfang 2020 in Wuppertal, Witten und Witzenhausen im Rahmen des Projekts „Rollout Wirtschaftsförderung 4.0“ fort. In allen drei Städten wird jeweils eine Stelle als „Wirtschaftsförderung 4.0-Manager/in“ innerhalb des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts finanziert. Sie sind unter anderem Ansprechpartnerin oder Ansprechpartner im Bereich lokale Wirtschaftsförderung für Initiativen und Unternehmen vor Ort und setzen sich für nachhaltiges regionales Wirtschaften in ihrer Stadt ein. Sie tragen die Idee einer vernetzten, auf gesellschaftliche Teilhabe und auf das Gemeinwohl ausgerichteten Wirtschaftweise in ihre Einheiten und bilden eine Vernetzungsstelle zwischen den Verwaltungen, den Wirtschaftsförderungen, den lokalen Unternehmen und Initiativen sowie den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort. Sie arbeiten daran mit, die Städte zu revitalisieren, Leerstände zu reduzieren, zukunftsfähige Initiativen aufzugreifen, zu unterstützen und zu fördern. Sie schaffen Begegnungsräume und organisieren Netzwerke, die eine Stadt lebenswerter und gleichzeitig ökonomisch stabiler machen.

Zur Strukturierung der Idee und der Arbeit vor Ort entwickelte das Wuppertal Institut dafür fünf Geschäftsfelder:
• alternative Finanzkonzepte übertragen und etablieren (Finanzwirtschaft)
• Sozialunternehmen ausbauen
• Waren, Service- und Dienstleistungen teilen und tauschen (Sharing Economy)
• lokale Unternehmen fördern (Local Business)
• lokale Produktion unterstützen

Ein Videocast mit Jana Rasch

Das Wuppertal Institut möchte außerdem ein bundesweites Förderprogramm initiieren, äquivalent zu dem für die kommunalen Klimaschutzmanagerinnen und -managern in den Städten. Die Vision des Projektteams: Mithilfe des Förderprogramms soll die Wirtschaftsförderung 4.0 in weiteren deutschen Städten zur Selbstverständlichkeit werden, damit Leerstände in Innenstädten der Vergangenheit angehören.

Wichtige Fragen für das Leben in einer Stadt sind etwa, wo und wie wir leben wollen, wo und was wir einkaufen wollen und wer die treibenden Kräfte einer lokalen Wirtschaft sind“, sagt Jana Rasch, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsbereich Stadtwandel am Wuppertal Institut. In einem aktuellen Videocast erklärt die Wissenschaftlerin, die zusammen mit Dr. Michael Kopatz das Projekt leitet, was hinter der Idee der Wirtschaftsförderung 4.0 steckt, welche Ziele sie verfolgt und gibt Einblicke in die Projektarbeit sowie die Umsetzung in den Städten. Am Beispiel der Stadt Osnabrück macht sie außerdem deutlich, wie sich das Projekt erfolgreich umsetzen lässt.