Ganz und gar voll war die Glashalle der Stadtsparkasse am Johannisberg, als Mitte April der mittlerweile 89-jährige Liedermacher Wolf Biermann den mit 5.000 Euro dotierten Else-Lasker-Schüler-Lyrikpreis 2026 erhielt.
Zum neunten Mal schon wurde die Ehrung der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft (ELSG) in den Räumen der Sparkasse verliehen. Eine enge Verbindung – und immer wieder ein Plädoyer für, so Oberbürgermeisterin Miriam Scherff, „eine offene, tolerante und solidarische Stadtgesellschaft“.
Klare Worte für den Beweggrund des Preises fand Hajo Jahn, Gründer und Vorsitzender der ELSG: „Weil wir Poesie brauchen. Vor allem in dieser Welt.“ Jahn schilderte auch (s)eine Vision: Ein Wuppertaler Literatur-Festival, das alle zwei Jahre stattfindet.
Für den diesjährigen Preisträger Wolf Biermann, der live zahlreiche Lieder und Lebenserinnerungen hören ließ, fand Moderatorin und Kulturmanagerin Birte Fritsch eine auf drei Säulen ruhende Beschreibung: „Dichtung, Musik und politische Wahrhaftigkeit“.
Zuvor war der Lyrikförderpreis an die 1995 in Oberhausen geborene Dichterin Sirka Elspaß verliehen worden – für ihren erst zweiten Gedichtband namens „hungern beten heulen schwimmen“. Im Rahmen ihrer ungeheuer eindringlichen (Dankes-)Rede in der Glashalle las sie mit bemerkenswerter Stimme aus diesem Band. Da hielt man den Atem an. Eine Viertelstunde lang stand die Zeit still.