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Wie reagiert der Automotive-Sektor auf die Corona-Krise?

Automotive: Herausforderungen in der Corona-Krise : „Wir befürchten einen Innovationseinbruch“

Die mittel- bis langfristigen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Automobilbranche sind im Augenblick noch überhaupt nicht abzuschätzen. Neben den vielen akuten Problemen durch ruhende Produktion sollte aber nicht der Blick auf die Zeit nach einem Re-Start verloren gehen. Dafür sprachen sich Vertreter von automotiveland.nrw, dem Netzwerk der Automobil- und Mobilitätswirtschaft in NRW, zusammen mit Uwe Fritsch, dem Betriebsratsvorsitzenden des Volkswagen-Werkes in Braunschweig, aus.

Die stark global agierende Automobilbranche mit ihren differenzierten Zulieferketten ist besonders betroffen – auch in Nordrhein-Westfalen. Neben absehbaren Problemen hinsichtlich funktionierender Lieferketten beim Neustart der gesamten Produktion und einer unübersichtlichen Förderlandschaft spielt natürlich auch die Sorge um die Gesundheit der Mitarbeiter eine wesentliche Rolle.

Was bei all den notwendigen Hilfemaßnahmen zu kurz kommen könnte, ist ein Stillstand bei den vor der Krise begonnenen Innovationsaktivitäten.

„Wir befürchten einen Innovationseinbruch. Die Krise hat verständlicherweise die Schubkraft aus den Ansätzen zur Erneuerung genommen. Wir möchten aber nicht, dass dieser bereits eingeschlagene Weg aus den Augen verloren wird. Die CO2-Ziele dürfen nicht zur Diskussion stehen“, so Stephan A. Vogelskamp, Geschäftsführer von automotiveland.nrw. Wirtschaftskraft dürfe nicht gegen Gesundheit ausgespielt werden, sondern beides müsse zusammengedacht werden, so Thomas Aurich von APTIV Wuppertal, der Technologie-Botschafter bei automotiveland.nrw ist. Neben der sinnvollen Akut-Förderung sei es daher elementar, die Förderung für Innovationen in der Fahrzeugtechnologie nicht abreißen zu lassen, um sich für den zukünftigen Markt aufzustellen.

Die Vertreter von automotiveland.nrw schauen besonders besorgt auf das dritte Quartal des Jahres, in dem die Auswirkungen der Krise nach den ersten Konjunkturförderungen unter Umständen flächendeckend bei allen Zulieferern spürbar werden könnten. Bis dahin heißt es, in vorsichtigen Schritten Teile der Produktion hochzufahren.

Was das in dieser außergewöhnlichen Situation bedeutet, schilderte Uwe Fritsch, Betriebsratsvorsitzender im Braunschweiger VW-Werk aus seiner Erfahrung: Mit den Problemen, nicht genau kalkulieren zu können, welche Teile wann in welchen Mengen vorhanden sein können, kann immer nur testweise probiert werden, welche Produktionsschritte erfolgen können. Oberstes Gebot sei die Gesundheit der Menschen, sie müssten sich absolut sicher fühlen, wenn sie zur Arbeit kommen. Die Produktion muss zum Teil so umorganisiert werden, dass ohne Gefährdung der Gesundheit gearbeitet werden kann. Die Volkswagen AG hat zur Orientierung der Rückkehrer ein kleines Booklet herausgegeben.

Fazit: Von der Flexibiltät und dem Herantasten an einen Neustart nach dem Vorbild von VW können auch die NRW-Unternehmen profitieren und lernen.

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Für die Neu-Synchronisation der Lieferketten ist es in der nahen Zukunft zudem wichtig, dass alle Unternehmen einer Zulieferkette kooperativ agieren. Die Vertreter von automotiveland.nrw sehen in einer neuen, transparenten Kommunikationskultur untereinander eine Chance, gemeinsam die Produktion ohne Reibungsverluste anzufahren. automotiveland.nrw möchte dazu auch die Kommunikation innerhalb des Netzwerks verdichten, um größtmögliche Transparenz für zukünftige Planungen zu erzeugen.

Die Vertreter von automotiveland.nrw setzen sich in ihrem Netzwerk zudem dafür ein, gute Beispiele von Zusammenarbeit in der Automobilbranche in Krisenzeiten zu unterstützen. Sie wollen eine Selbst-Verpflichtung zu Best-practice-Beispielen ins Leben rufen, die der Branche jenseits von finanzieller Unterstützung einen Neustart ermöglicht, der mehr ist als die Herstellung der Zustände vor der Krise.

„Jetzt ist Zusammenhalt gefordert“, so Uwe Fritsch: „Die Produktivität kommt später wieder in den Fokus“.