Verbraucherzentrale Wuppertal Wenn der KI-Rat teuer wird

Wuppertal · ChatGPT & Co. beantworten Fragen in Sekundenschnelle – doch nicht jede Antwort ist auch richtig. Bei der Verbraucherzentrale Wuppertal häufen sich inzwischen Fälle, in denen sich Verbraucher auf falsche oder irreführende KI-Auskünfte verlassen haben. Mitunter kann das auch teuer werden.

Umweltberaterin Caroline Pilling, Energieberater Stefan Bürk, Beratungsstellenleiterin Michelle Schüler-Holdstein sowie Schuldner- und Insolvenzberaterin Gabriela Aßmann (v.l.) stehen Ratsuchenden in Wuppertal mit ihrer Expertise zur Seite.

Foto: Verbraucherzentrale NRW

„KI ist eben Wahrheitsmaschine“, sagt Michelle Schüler-Holdstein, Leiterin der Wuppertaler Verbraucherzentrale. Sprachmodelle formulierten zwar überzeugende Antworten, könnten deren Richtigkeit aber nicht überprüfen. Zudem sei häufig nicht nachvollziehbar, woher Informationen stammen, wie aktuell sie sind oder ob sie überhaupt vertrauenswürdig seien. „Selbst Quellenangaben können frei erfunden sein“, warnt sie. Gerade bei rechtlichen Fragen sollte deshalb zusätzlich juristische Expertise eingeholt werden.

Wie schnell falscher KI-Rat zu Problemen führen kann, zeigt ein Fall aus der Wuppertaler Beratung. Nachdem wegen eines Kontowechsels eine Telefonrechnung nicht eingezogen werden konnte, fragte eine Verbraucherin zunächst eine KI um Rat. Die Antwort: Der Telefonanbieter sei verantwortlich, sie müsse die Rechnung nicht bezahlen. Tatsächlich eskalierte der Fall. Als sich die Betroffene schließlich an die Verbraucherzentrale wandte, war der Vertrag bereits fristlos gekündigt und die Forderung an ein Inkassounternehmen abgegeben worden.

Auch in anderen Fällen führt Künstliche Intelligenz Verbraucher auf die falsche Spur. So hätten sich Ratsuchende an die Beratungsstelle gewendet, weil eine KI ihnen mitgeteilt habe, die Verbraucherzentrale berate auch in familienrechtlichen Fragen. „Wir beobachten, dass nicht alle Menschen unterscheiden, ob sie eine Suchmaschine oder die KI befragen“, sagt Michelle Schüler-Holdstein.

Umso wichtiger seien Aufklärung und Medienkompetenz. Neben fehlerhaften Rechtsauskünften beobachtet die Verbraucherzentrale einen weiteren Trend: Immer häufiger tauchen KI-generierte Werbevideos auf, die mit täuschend echten Deepfakes für Produkte oder dubiose Geldanlagen werben. Solche Videos schürten falsche Erwartungen und seien für viele Nutzer nur schwer als Fälschung zu erkennen.

Dabei sieht die Verbraucherzentrale Künstliche Intelligenz keineswegs nur kritisch. So setzt sie KI etwa beim Fakeshop-Finder ein, der Verbraucher schnell vor betrügerischen Online-Shops warnen soll. Außerdem hilft die Technik dabei, eingehende E-Mails zu sortieren – und auch bei einer großen Zahl von Anfragen handlungsfähig zu bleiben. „Unsere Beratung wird aber in jedem Fall auch zukünftig von qualifizierten Beraterinnen und Beratern durchgeführt, die durch die KI unterstützt werden“, betont Schüler-Holdstein.

Dass digitale Verbraucherprobleme immer mehr Raum einnehmen, zeigt auch der Jahresbericht 2025 der Verbraucherzentrale. Insgesamt bearbeitete die Beratungsstelle im vergangenen Jahr 9.680 Anliegen. In 3.920 Fällen ging es um Rechtsberatungen und Rechtsvertretungen – deutlich mehr als im Vorjahr. Besonders häufig suchten Verbraucher Hilfe bei Alltagsverträgen und Reklamationen, etwa wegen Kostenfallen im Internet, Fake-Shops oder Problemen bei Online-Bestellungen.

Für Schüler-Holdstein steht deshalb fest: Künstliche Intelligenz kann im Alltag zwar eine hilfreiche Unterstützung sein, wer sich bei rechtlichen Fragen jedoch ausschließlich auf KI verlässt, sollte die Antworten kritisch hinterfragen und im Zweifel fachkundigen Rat einholen.