Ulrich Bieger redet mit dem WDR über die Kündigung von Adolphe Binder

Adolphe Binder und Ulrich Bieger : „In der Tat etwas merkwürdig“

Noch vor dem Urteil des Düsseldorfer Landesarbeitsgerichtes, das die Kündigung von Tanztheater-Intendantin Adolphe Binder erneut für unwirksam erklärte, sorgte am 14. August ein TV-Beitrag des Wuppertaler WDR für schweres und anhaltendes Rumoren im Rathaus.

Der 4,18-Minuten-Film „Schlangengrube Kulturbetrieb“ thematisiert vor allem die Rolle des PR-Beraters Ulrich Bieger, der von der Stadt für die Kommunikation in Sachen Pina-Bausch-Tanzzentrum beauftragt war – und von dem man sich mittlerweile getrennt hat. Kernfrage: Wie sind belastende (und sehr persönliche) Informationen über Adolphe Binder, die man kündigen wollte, die aber nicht bereit war, zu gehen, seinerzeit an die Öffentlichkeit gelangt? Die Antwort gibt Ulrich Bieger im Gespräch mit der WDR-Journalistin Silvia Pauli: Im Rahmen eines sogenannten unregelmäßigen „Jour Fixe“, an dem „in unterschiedlicher Besetzung“ auch Stadtdirektor Dr. Johannes Slawig, Kulturdezernent Matthias Nocke sowie eine Arbeitsrechtlerin teilgenommen hätten, seien die Vorwürfe gegen Adolphe Binder „zusammengeschrieben“ worden.

Bieger wörtlich: „Diesen Zettel, den habe ich dann eben benutzt, um die Informationen zu transportieren.“

Auch die Süddeutsche Zeitung hat sich des Themas angenommen. In ihrer Ausgabe vom 20. August heißt es dazu: „In diesem Rahmen wurde der PR-Berater Ulrich Bieger beauftragt, die Binder zur Last gelegten Verfehlungen im Vorfeld der Kündigung ausgewählten Pressevertretern mitzuteilen. Wie Bieger der SZ erklärte, trafen in dem Gremium in wechselnder Besetzung zusammen: Johannes Slawig, Kulturdezernent Matthias Nocke, TTW (Tanztheater Wuppertal, Anmerk.d.Red.)-Geschäftsführer Dirk Hesse, TTW-Prokurist Christoph Fries, die Mediatorin sowie der Vorstandsvorsitzende der Bausch Foundation, Salomon Bausch.“

Als die Informationen dann in der regionalen und überregionalen (Medien-)Welt waren, erstattete das Wuppertaler Tanztheater wegen des Verrates von Geschäftsgeheimnissen Anzeige gegen Unbekannt. Bieger im WDR dazu: „Man erstattet keine Anzeige gegen Unbekannt, wenn man weiß, wer der Unbekannte ist. Das ist in der Tat etwas merkwürdig.“

Die nach der Anzeige erfolgte Enttarnung Biegers als Informant durch die Wuppertaler Rundschau hatte für diesen keine juristischen Folgen: Die Wuppertaler Staatsanwaltschaft hat das Verfahren wegen des Verrates von Geschäftsgeheimnissen eingestellt. Denn, so Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert im WDR, Geheimnisverrat setze ein Geheimnis voraus – aber „nach dem Ergebnis unserer Ermittlungen sollte es tatsächlich so sein, dass diese Informationen der Presse zugänglich gemacht werden.“

Wie berichtet, will Oberbürgermeister Mucke, der, so sagte er der Rundschau, nie an einem „Jour Fixe“-Treffen teilgenommen, auch nichts von den Vorgängen in diesem „Gremium“ gewusst habe, jetzt die Rolle Ulrich Biegers rathausintern untersuchen lassen. Die Grünen haben darüber hinaus eine Kleine Anfrage formuliert, in der sie Oberbürgermeister Mucke Fragen stellen: Die Grünen (die im Beirat des Tanztheaters wegen des Vorenthaltens von Informationen als einzige gegen die Kündigung Adolphe Binders gestimmt hatten) wollen beispielsweise wissen, wie diese Kündigung zustande kam, wer die an die Presse weitergegebenen Informationen zusammenstellte, seit wann Andreas Mucke von Ulrich Biegers „Sonderauftrag zur Diskreditierung von Frau Binder“ wusste – und warum er nach Kenntnis von diesem „Sonderauftrag“ nicht im Rahmen seiner Richtlinienkompetenz als Oberbürgermeister eingegriffen habe.

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