Schamlos ausgenutzt

Schamlos ausgenutzt

Sascha S. wurde Opfer eines Trickbetrügers und sitzt nun auf 1.460,50 Euro Schulden – für Reifen, die jetzt ein Fremder fährt.

Noch kein Geld auf dem Konto. Enttäuscht ging Sascha S. von der Commerzbank in Richtung Schwebebahn-Haltestelle Alter Markt. Und wird plötzlich von einem Mann angesprochen, der ihn um Hilfe bittet: Er habe gerade ein Konto eröffnet, aber noch keine EC-Karte, und suche daher jemanden, der ihm mit seiner Karte den Kauf von Reifen finanziert, die er dringend brauche. Der Fremde versichert, dass ein Freund von der Sparkasse nicht nur sofort die benötigte Summe, sondern noch zusätzlich 50 Euro als Entschädigung für die Hilfe auf das Konto von Sascha S. einzahlen würde. Als Hartz-IV-Empfänger kann er die zusätzlichen 50 Euro gut gebrauchen.

Gemeinsam fahren beide in einem blauen BMW-Kombi mit cremefarbenen Sitzen zum Autohaus „Tepass und Seiz“ und kaufen Reifen für insgesamt 1.460,50 Euro. Dann setzt der Mann, der sich Toni nennt, Sascha S. vor seiner Wohnung ab. Am nächsten Tag kommt schließlich die böse Überraschung. Statt einer Gutschrift über 1.510,50 Euro, findet Sascha S. ein entsprechendes Minus auf seinem Konto.

Als Tage später der Kontostand immer noch unverändert ist, wird Sascha S. klar, dass er einem Trickbetrug zum Opfer gefallen ist, und erstattet Anzeige. Zwischenzeitlich hat die Bank die Zahlung storniert, jetzt ist der Betrag beim Autohaus offen – und Sascha S. weiß nicht, wie er die Schulden begleichen soll. Seine einzige Hoffnung – der Täter, den er als 178 bis 180 Zentimeter großen Mann mit ausländischen Wurzeln mit kräftiger Statur und schwarzen Haaren, bekleidet mit einer Jogginghose, beschreibt, wird geschnappt.

Doch Polizeisprecher André Schwanicke macht da wenig Hoffnung. „Die Geschichten dieser Art von Trickbetrug sind austauschbar. Einmal ist es diese Masche, dann eine andere und hin und wieder auch mal eine ganz neue. Auch mit der Täterbeschreibung sowie der des Fahrzeuges können wir nicht viel anfangen. Da müssen konkretere Fakten her. Ich kann nur jedem raten, die Finger von solch dubiosen Geschäften zu lassen.“ Sascha S., der öfter zur Wuppertaler Tafel geht, hat sich dort bei den Menschen umgehört und in Erfahrung gebracht, dass besagter Toni einen weiteren Hartz-IV-Empfänger zu einem ganz ähnlichen Deal überreden wollte.

Immerhin zeigt man sich im Autohaus „Tepass und Seiz“ nachsichtig. Auf Nachfrage der Rundschau erklärt Geschäftsführer Torsten Gert, dass man versuchen werde, mit Sascha S. eine Regelung zu finden, die für beide Seiten verträglich ist.

Weitere Opfer – oder Menschen, die nähere Angaben zu dem Betrüger machen können – sollten sich unter Telefon 28 40 bei der Polizei melden.

(Rundschau Verlagsgesellschaft)